Psychologie
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17. Türchen: Das Nichts

AdventskalenerlogoIn den nächsten beiden Tagen werde ich mich mal von meinen beiden Mitstreitern bei diesem Adventskalender etwas entfernen und über zwei Dinge schreiben, die mir grade irendwie auf der Seele brennen…

Heute früh habe ich mir eine Dokumentation über die Alpen angeschaut. Leider gibt es dabei, nicht wie ich gehofft hatte, und die Berge, sondern um Kaiser Franz Joseph und sein Leben in den österreichischen Bergen.

In dieser Doku wurde ein Bild gezeigt, in dem ein paar Menschen beim Musizieren und Tanzen gezeigt wurden. Und irgendwie musste ich bei diesem Bild an unsere überladene Zeit denken. Ich weiß, dass die Menschen früher viel mehr zu arbeiten hatte. Aber trotzdem war mein Gedanke: Damals hatte man für solche „unsinnigen“ Dinge noch Zeit. Zeit deswegen, weil es nicht 1000 andere Dinge gab, die man tun konnte oder musste.

Heute fühle ich mich fast immer gehetzt. Ich will so vieles machen, sehen, lesen, spielen, mich mit Freunden treffen, die Wohnung in Ordnung halten, mit der Katze spielen, schreiben… Manchmal wünsche ich mir einen Zustand, in dem einfach mal „nichts“ ist. In dem ich mal nichts zu tun habe, nichts machen möchte. Dabei meine ich nicht, bewusst nichts zu machen, sondern dass einfach mal Nichts ist.

Vermutlich gibt es diesen Zustand aber nicht. Oder vielleicht nur in einer tiefen Meditation, wenn man sich mehr oder weniger von dieser Welt abgekoppelt hat.

Auch das ist Minimalismus für mich: Der Versuch, mich diesem Nichts anzunähern.

Kennt Ihr dieses „Nichts“? Und falls ja, wie erreicht Ihr es? Oder stört es Euch vielleicht gar nicht, immer etwas zu tun zu haben?

14 Kommentare

  1. Kommt mir bekannt vor, was du da schreibst. Auch ich habe eine ewig lange to-do-Liste, und ständig ist der Tag zu kurz. Und auch ich versuche immer mal wieder eine Annäherung an das „Nichts“ – bisher nicht sehr erfolgreich.

  2. Also, ich brauche das Nichts sogar irgendwie. Ich erreiche es durch Nichtstun. Oder Musikhören. Ich habe nicht das Gefühl irgendwo was zu verpassen. Mein Leben ist bewusst leer, weil es mich so erfüllt. Liegt auch an der Lebensphase. Ich genieße sehr kein Kind mehr irgendwo abholen zu müssen, weil es schon groß ist. Auf keine Party mehr zu müssen. Mein Leben war lange genug eine einzige Party. Heute langweilt mich das. Das Nichts ist allerdings nur toll, wenn mein Kopf nicht voll ist. Sonst springen die Monkeys rum und ich kann gar nicht abschalten. Das kenne ich natürlich auch. Um mich herum müssen die Dinge erledigt sein.

  3. Am leichtesten finde ich das „Nichts“, wenn ich draußen bin, im Wald, Handy aus, nur ich, weit weg von Lärm, Verkehr, Zivilisation und unmenschlichem Tempo, in meinem Tempo. Die hohe Kunst wäre natürlich, das „Nichts“ auch dort zu finden…, in der Stadt. Da klappt das manchmal, wenn ich in eine offene Kirche gehe und eine Weile da sitze, oder auf einem Friedhof oder in einem einsamen Winkel in einem Park oder einem Café. Wichtig ist für mich das Tempo zu drosseln. Der Mensch kann seine evolutionsbedingte Natur mit keiner Highest-Speed-Technology ablegen, und das ist auch gut so. (Aber viele glauben es nicht ;-))

    • Bei mir ist es selbst beim Wandern so, dass ich noch die Knöpfe in den Ohren habe und mir Hörbücher oder Podcasts anhöre. Habe noch zu viele ungehört. Und wieder diese Überforderung…

  4. Du, über das Nichts tun hab ich auch schon oft nachgedacht. Und weißte, was mich ärgert? Das „Nichts tun“ immer mit Lesen, Musik hören etc. verbunden wird. Dabei ist das doch nicht Nichts!
    Das macht mich wirklich verrückt.
    Ich stelle mir unter „Nichts tun“ tatsächlich auch vor, nichts zu tun, aber dabei tut man natürlich trotzdem wieder was: Z.B. Auf dem Sofa sitzen und vor sich hinstarren, das ganze Wochenende durch. Oder aus dem Fenster gucken. Oder draussen rumsitzen und so tun, als warte man auf etwas, das nicht kommt.
    Das ist eigentlich „nichts“, aber doch alles.
    Verrückt.
    Ich weiß nicht, wie ich das definieren soll. Jedenfalls hab ich mal überlegt, tatsächlich mal ein Wochenende NICHTS zu machen. Hm 😀

    Freue mich auf deinen Bericht.

    • Genauso sehe ich das auch. Nichts zu machen bedeutet wohlnauch wirkkich nichts zu machen. Den Gedanken freien Lauf zu lassen.
      Ich kann das irgendwie nur, wenn ich über Stunden einen Berg hochgelaufen bin, total kaputt damn auf dem Gipfel sitze und mir eine Kola trinke. Da bin ich im Nichts.
      Nur gibt es im Ruhrgebiet so wenig Berge…

  5. Michaela sagt

    Als Doppelmama erreiche ich diesen Zustand gerade viel zu selten. Am häufigsten beim Baden und dabei vor mich hinstarren oder beim Abwaschen, wenn ich nicht mehr merke, dass ich abwasche, sondern nur noch in meinem Kopf bin und die Gedanken ganz ruhig fließen. Ich liebe und brauche diese Momente auch sehr! Die gehören dann nur mir. 🙂

  6. Das Ruhrgebiet ist aber gar nicht mal so weit weg von den Bergen – Tagesausflug ins Sauerland oder ins bergische Land?
    lg Nanne

  7. Sandra sagt

    Ja, das ist so: Wir richten unsere Aufmerksamkeit nach außen, suchen uns Objekte und Themen und lassen uns bereitwillig ablenken. Ich frage mich oft, was uns eigentlich davon abhält, uns mit uns selbst zu beschäftigen?
    Faulenzen hat ein viel zu schlechtes Image!

  8. Hallo Daniel,

    Manchmal habe ich Angst vor dem Nichts, weil ich mich dann langweilen könnte. Zum Nichtstun verurteilt zu sein, etwa wenn man auf etwas wartet, ist auch grausam. Dann vergeht die Zeit so langsam, was in diesem Fall nicht schön ist. Mit solchen Situationen komme ich aber mittlerweile besser klar. Die Angst vor der Langeweile war früher auch größer.
    Am meisten genieße ich das Nichts beim Angeln. Stundenlang aufs Wasser oder die Pose starren fällt mir da ganz leicht. Und mir ist beim Angelt auch noch nie langweilig geworden.

    Danke für diesen interessanten Gedanken, der wird mich jetzt wohl noch ein wenig beschäftigen.

    LG
    Pia

  9. Tika Wylan sagt

    Mir fällt das Nichts tun auch unwahrscheinlich schwer. Wie Daniel habe ich immer, wenn ich nichts zu tun habe ;-)) ein Hörspiel oder Buch parrat. Beim Spaziergang, in der Badewanne, beim Sport,….

    Deshalb habe ich auf meiner To-Do-Liste fürs kommende Jahr einen Punkt der heißt: „Einen ganzen Tag lang im Bett verbringen und nichts tun. Obwohl, ist schlafen und liegen nichts tun?! ;-))

  10. Maria/findinghope sagt

    Ich glaube, manchmal erreiche ich das für ganz kurze Augenblicke in der (Zen) Meditation. Darum mache ich das wohl auch wöchentlich, weil ich sonst im Alltag unheimlich schnell total reizüberflutet bin. Zum einen suche ich viele Reize ja bewusst auf (Lesen, Lernen, Kreativität, Menschen…), andere werden mir quasi aufgezwungen (Werbung, Lärm, Hektik in der Stadt…)
    In der Summe kommt da ganz schön viel zusammen. Nerven tun mich die, die mir aufgezwungen werden. Ich versuche immer mehr diese zu minimieren und zu umgehen. (z.B. von Duschbad, Spülmittel und co die Etiketten ablösen und diese Werbung nicht in mein Haus lassen, zur Rush-Hour das Stadtzentrum meiden…)
    Sobald ich in unseren Meditationsraum gehe, fällt jedes Mal schon eine riesen Last von meinen Schultern – ein komplett leerer Raum, weicher Teppichboden, schöne weiße Vorhänge und weiche Kissen und Decken und sonst nur das NICHTS
    Paradoxerweise, mag ich das aber bei mir zu Hause (noch?) nicht so haben. Ich mag viele Reize ja auch sehr (bunte Farben, schöne Bilder an der Wand, Kerzen, Bastelsachen…)
    Wahrscheinlich machts der Balanceakt zwischen Fülle und Nichts

  11. Ich denke dein Post trifft den Nerv dieser Zeit, denn „nichts“ machen ist quasi unmöglich geworden und wenn man mal wirklich nichts macht, dann kann man es kaum aushalten, einfach verlernt.

    Lösung für mich hab ich noch keine, ganz im Gegenteil, seitdem ich blogge, habe ich mich in das Thema vertieft, aber bin gefühlt noch keinen Schritt weiter, im Gegenteil, eigentlich hab ich ja ein Ding mehr…

    Mal sehen, wies weiter geht.

    Liebe Grüße,

    Birgit

  12. Alexandra sagt

    Ein bißchen spät, aber vielleicht liest’s ja doch Jemand. Dr. Dieter Freitag hat sein Leben nach einem Kletterunfall radikal geändert, wurde Rohköstler und hat ein Buch geschrieben, das „Einfach leben“ heißt und im südwest Verlag erschienen ist. Dort beschreibt er in einem kleinen Abschnitt das Leben im Tao, im Hier und Jetzt, im Flow. Flow erreicht man, wenn man in seinem Tun im Hier und Jetzt aufgeht und alles andere völlig vergißt. Ich kann das, wenn ich z.B. eine Ameise im Wald bei ihrem Tun beobachte und kein anderer Mensch irgendwo zu sehen ist. Oder manchmal passiert das ja auch, wenn man völlig gedankenversunken völlig vor sich hinstarrt oder ein Kind beim spielen beobachtet. Wer das Leben im Tao kennen lernen möchte, dem sei das Buch „Wu wei – Die Lebenskunst des Tao“ von Theo Fischer (Rowohlt Verlag) empfohlen.

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