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Gelesen: Amish für Anfänger von Nancy Sleeth

Die Amish sind eine Glaubensgemeinschaft von sehr einfach lebenden Menschen in den USA. Sie versorgen sich größten Teils selbst und stehen der modernen Technik sehr kritisch gegenüber. So sind sie beispielsweise nicht an das Stromnetz angeschlossen und besitzen selbst keine Autos, sondern nutzen auch heute noch Pferdekutschen. Viele, grade in den USA selbst, mögen diese Art zu leben belächeln. Aber kann zivilisiert, aber einfacher Leben als die Amish?

Schon zu Beginn meiner Beschäftigung bin ich auf die Amish gestoßen. Doch leider habe ich bisher keine wirklich gute Beschreibung des Alltagslebens dieser Gemeinschaft gefunden. Deswegen bestellte ich mir das Buch „Amish für Anfänger – Einfach leben und glücklich sein“ von Nancy Sleeth* über die Fernleihe meiner örtlichen Bücherei. Verbreitet scheint dieses Buch nicht zu sein, denn mein Band kam aus der Landesbibliothek Stuttgart zu mir.

Freudig machte ich mich nach Erhalt ans Lesen. Ich war gespannt, was ich noch für Tipps aus diesem Buch würde ziehen können. Neben einer Erklärung wer die Amish sind, wo sie herkommen und wo sie heute Leben enthält das Buch elf Kapitel sowie eine kleine Rezeptsammlung.

Relativ schnell fällt auf, dass die Autorin, wie auch die Amish, sehr am religiösen Glauben haften. Immer nimmt Sleeth Bezug auf Passagen aus der Bibel, gibt kleinere Glaubensgeschichten wieder und spricht von Gott oder Jesus samt seinen Jüngern. Auch wenn ich kein Problem mit Religion habe, so stieß mir dies irgendwie sauer auf. Dabei ist der Text zumindest in der ersten Hälfte nicht überladen mit diesen Anspielungen. Erst als ich diese Aussagen nicht als Glaubenspropaganda, sondern als philosophische Untermalung der amischen Lebensweise umdeutete, ließen sich die Kapitel leichter lesen. Auch wenn die Amish ihre Lebensweise stark aus dem Glauben ableiten, so hätte die religiöse Färbung des Buches nicht sein müssen, um das einfache Leben zu erklären.

Die ersten Kapitel fand ich aber dennoch gelungen. Es wird gezeigt, wie die Amish in ihrem Zuhause leben, wie sie Technik nutzen und welche Fragestellungen hinter der Entscheidung zu einem technikarmen Leben stehen. Daneben wird auf das Thema Finanzen eingegangen, welches auch hier im Blog ja immer wieder Thema ist. Den meisten Tipps und Sichtweisen in diesem Kapitel kann ich durchaus zustimmen. Wobei hier auch eine sehr christliche Sichtweise wiedergegeben wird, in dem immer wieder das Spenden von Geld angesprochen wird.

Das folgende Kapitel ist der Einfachheit gewidmet. Hier werden grundlegende Sichtweisen eines einfachen Lebens vermittelt, welche aber den Minimalisten unter uns nicht neu sein dürften. Hier findet sich aber auch wieder eine religiöse Färbung des Themas. Was philosophisch betrachtet ganz ok ist, aber nicht religiösen Menschen spätesten hier etwas auf den Zwirn gehen wird.

Das Kapitel über „Dienen“, womit das Helfen seiner Mitmenschen und Umwelt gemeint ist, habe ich noch gelesen. Dann aber habe ich das Buch weggelegt und die Lektüre beendet. Denn die folgenden Abschnitte befassen sich mit den Themen „Sicherheit, „Gemeinschaft“, „Familie“ und „Glauben“. Vielleicht mag es in diesen Texten auch noch interessante Ratschläge oder Sichtweisen geben. Aber diese sind für mein aktuelles Leben wenig relevant. Zudem vermute ich, dass das Buch noch religiöser wird, was mir bei diesem Thema auch nicht wirklich weiterhelfen würde.

Ich hatte mir von dem Buch versprochen, einige Tipps für ein normales, aber einfaches Leben zu bekommen. Gewünscht hätte ich mir vor allem praktische Anleitungen: Wie lagere ich mein Essen ohne Strom für einen Kühlschrank? Wie wasche ich ohne Waschmaschine meine Kleidung? Wie heize ich meine Wohnung ohne eine Heizung? Wie lebe ich ohne Smartphone, oder gar einem Telefon in der eigenen Wohnung? Mit welchen Mitteln kann ich meine Wohnung reinigen, ohne einen halben Drogeriemarkt leer zu kaufen?

Es gibt noch so viele Fragen, die ich den Amish stellen würde, wenn ich die Gelegenheit hätte. Aber diese praktischen Anleitungen fehlen in diesem Buch komplett. Vielmehr versucht es die Philosophie hinter einem einfachen Leben zu erklären. Das Mindset wenn man so will. Aber das bekomme ich in anderen Büchern auch ohne religiöse Färbung erklärt. Und sei es nur in „simplify your life“*. Das ist wirklich eine verspielte Chance des Buches.

Trotzdem würde ich jedem, der an einem einfachen Leben interessiert ist empfehlen, mal einen Blick in dieses Buch zu werfen. Und wer sich von den religiösen Anspielungen nicht abschrecken lässt, wird hier vor allem viel über die Psychologie eines einfachen Lebens lernen können!

4 Kommentare

  1. Es ist eigentlich wirklich schade, dass das Buch die wirklich relevanten praktischen Fragen nicht beantwortet. Die wären ja gerade interessant. Ich kann z.B. mit der religiösen Haltung der Amish – insb. als Frau – so gar nichts anfangen, finde einige praktische Dinge aber durchaus interessant. Es wird z.B. offensichtlich vieles eingekocht.
    Da scheinen andere Informationsquellen nach deinen Beschreibungen aber doch interessanter. Z.B., wie man Drogerieprodukte ersetzen kann: http://www.smarticular.net/diese-hausmittel-ersetzen-fast-alle-drogerieprodukte/?c=mv

  2. Chris sagt

    Generell kann ich mit solchen religiösen Gemeinschaften auch nicht viel anfangen, zumal es bei den Amish auch recht viel Inzucht auf Grund der strengen Heiratsvorschriften gibt, mit all ihren Folgen.

    Um deine Fragen zu beantworten, muss man aber nicht die Amish konsultieren, da reicht es ggf. auch Oma zu fragen.

    Lebensmittel wurden eingekocht und so haltbar gemacht, man hatte zudem kühle unisolierte Keller in den Häusern in denen sich Kartoffeln, Obst etc. lange hielten.
    Fleisch kam eher selten auf den Tisch.

    Zum Waschen und Reinigen gab es nur Kernseife. Die Wäsche wurde in Kesseln über Feuer gekocht. Wir hatten so einen Waschkessel früher noch als Blumentrog im Garten.

    Heizen werden die Amish wohl mit Holz.

    Wie man ohne Smartohone leben kann, kannst du ja mal deine Eltern fragen. 😉

    Zum Thema Smartphone, Socialmedia und Folgen für die Gesellschft hier mal ein sehr interessanter Beitrag.
    https://www.youtube.com/watch?v=sUrJdsN_-B0
    Es gibt auf YouTube eine Reportage über eine Familie die auf einem Hof ohne Stromanschluss lebt, aber selbst die starten einmal die Woche den Generator für die Waschmaschine.

  3. Ich hatte das Glück noch eine Uroma und zwei Omas und einen Opa zu haben die mir erzählen konnten wie um 1900 Gewaschen wurde, wie das ohne Kühlschrank ging und auch was zum Putzen für die Wohnung genommen wurde. Wie das war als noch kein Strom in jedem Haushalt war für Licht z. B. sondern mit Petroleumlampen oder einfach Kerzen für Helligkeit gesorgt wurde.
    Ich denke wenn du ein Buch oder Webseiten mit Berichten aus dieser Zeit liest, wirst du wesentlich mehr erfahren als aus dem oben beschriebenen Buch 🙂
    Auch Berichte aus dem zweiten Weltkrieg und die Zeit danach spiegeln gut wieder, wie manche grundlegenden Dinge mal funktioniert haben die heute vielfach in Vergessenheit geraten sind.
    Ich bin sehr Dankbar für diese ganzen Geschichten und Einblicke die meine Großeltern mir vermittelt haben und bewahre sie bei mir im Gedächtniss und auf Uralten Bildern auf und erzähle sie auch gerne weiter 🙂
    Lg Aurelia

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