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Über das erkennen der eigenen Bedürfnisse – Teil 2

Heute nun der etwas längere Rest von dem Artikel. Wer nicht alles lesen mag, kann auch einfach nur die letzten Abaätze lesen…

Ich fahre also wirklich wesentlich besser, wenn ich mir einen PC-Tower unter den Schreibtisch stelle, als einen Laptop als Hauptrechner zu nutzen. Und es gibt viele Vorteile eines Desktop-PCs gegenüber einem Laptop:

  • Leistung: Die Leistung eines Desktop-PCs ist wesentlich höher als die eines Laptops. Ich bekomme für weniger Geld wesentlich mehr Power.
  • Nachhaltigkeit: Ein Desktop ist modular aufgebaut. Das heißt nicht nur, dass ich mir aus vielen Einzelteilen genau die passenden Komponenten zusammenstellen kann. Sondern auch, dass ich gezielt defekte Teile ersetzen oder einzelne Komponenten upgraden kann. Ich muss also nicht einen kompletten Rechner mit Bildschirm entsorgen, nur weil ein Teil, aus welchen gründe auch immer, nicht mehr passt. Demnach müssen auch weniger Teile produziert werden und es wandern weniger funktionsfähige Teile in den Müll. Zumal der Gebrauchtmarkt für PC-Teile sehr groß ist und diese einfach zu verbauen sind.
  • Ergonomie: An einem normalen Schreibtisch mit einem richtigen Monitor, Maus und Tastatur arbeitet es sich auf längere Sicht wesenlich angenehmer, als mit buckeligem Rücken vor einem kleinen Notebook zu hocken. Daneben ist die Bedienung und Haptik einer richtigen Tastaur und Maus ebenso angenehmer. Mein Laptop hat zwar eine gute Tastatur, aber es geht nichts über ein richtiges, mechanisches Modell. Außerdem macht dies so schöne Klickgeräusche. 🙂
  • Preis: Gebrauchte Komplett-PCs sind spottbillig. Bereits für weit unter 100€ bekommt man einen kompletten PC samt Monitor und präferiere, der für den normalen Alltag mit ein bisschen Internet, Videos schauen und mal einen Text schreiben, ausreicht. Fairerweise sei gesagt, dass auch ähnliche Laptops heute für 250€ bis 300€ zu bekommen sind. Aber das ist auch schon mal mehr als das Doppelte.

Natürlich hat ein solches Setup natürlich auch weniger tolle Punkte:

  • Platz: Ein Standrechner braucht halt zusammen mit seinem Monitor viel mehr Platz, als ein Laptop. Ein Schreib- oder Computertisch muss da schon sein. Und der muss natürlich auch irgendwohin gestellt werden.
  • Portabel: Einen PC irgendwohin mitzuschleppen, ist schlicht und einfach ziemlich unpraktisch. Da kann der Rechner noch so klein sein (es gibt bereits komplette Rechner in der Größe eines USB-Sticks). Auch mal eben auf der Couch oder im Bett noch einen Mail schreiben, ist damit eher nicht möglich. Aber wer macht das heute noch am Laptop und nicht an einem Smartphone oder Tablet?
  • Energieeffizienz: Bei diesem Punkt muss man im Grunde auch eingestehen, dass ein Laptop weniger Strom verbraucht, als so ein Standrechner. Aber! Ein Laptop ist schnell mal zugeklappt und vergessen. Dass dieser dann weiterhin Strom verbraucht, und sei es auch nur der Akku, vergessen die meisten. Ja, es ist wenig, aber es wird Strom verbraucht.

Ruhezustand

So war es bei mir so, dass ich den Laptop morgens einschaltete und den ganzen Tag am Strom lies (wenn auch im Standby-Modus). Es war also tagsüber (und wenn ich mal wieder vergaß, den Rechner abends auszuschalten) der Kippschalter an der Steckdose immer eingeschaltet. Und dadurch hangen nicht nur das Netzteil und der Mac, sondern auch das angeschlossene USB-Hub samt Maus, Festplatte und Co., der Monitor und ggfs. der Drucker am Stromnetz. Gemessen mit einem Stromzähler war dies nicht viel, summierte sich aber über die Wochen und Monate.

Mein Standrechner (wie übrigens auch Windows-Laptops) hat die Möglichkeit des Ruhezustandes. Ich habe es immer so eingestellt, dass mit einem Druck auf den Power-Knopf der Rechner sozusagen „eingefroren“ wird und sich komplett abschaltet. Danach betätige ich immer sofort mit dem Fuß den Kippschalter und alles Geräte sind vom Strom komplett getrennt. Ich habe nicht nachgerechnet, aber ich würde vermuten, dass unterm Strich am Ende der gleiche Stromverbrauch zusammenkommt, wie bei meinem Mac. (Beim MacBook konnte ich dies im Übrigen nicht machen, weil sich das MacBook ja nie komplett ausschaltet. Somit waren immer die USB-Anschlüsse eingeschaltet, was wiederum dazu führte, dass die angeschlossenen Geräte den Akku leer saugten. Vermutlich mag es aber auch dafür irgendeine Lösung geben…)

Verdammt günstig!

Nun denn… Nach langem Abwägen und Überlegen habe ich mich in den letzten Wochen also damit angefreundet, mein MacBook loszulassen, und meinen PC dafür ein wenig aufzurüsten. Also habe ich auf eBay & in Kleinanzeigen nach „neuen“ gebrauchten Upgrade-Komponenten gesucht. Und nach einiger Zeit wurde ich dann auch fündig!

Für 85€ inkl. Versand habe ich mir einen gebrauchten Komplettrechner gekauft. Für die Technikfreunde: Einen i5 2400, 4GB RAM und ner 250GB Festplatte. Also ein ausgemusterter Bürorechner. Im Grunde benötige ich eigentlich nur das Motherboard zusammen mit dem Prozessor und dem Arbeitsspeicher. Aber einzeln bzw. als Bundle waren die Komponenten teuer als der komplette PC. Bereits vor einem halbem Jahr habe ich mir via Kleinanzeigen eine Nvidia GTX 460 Grafikkarte für 10€ gekauft, die in das neue System übernommen wird. Für 50€ habe ich mir noch eine neue 1TB große SSHD und zu guter Letzt für unter 10€ eine USB3.0-Karte verbaut, weil das Mainboard dieses leider nicht mitbringt. Tastatur und Maus habe ich noch vorhanden, beides über 7 Jahre alte Modelle, deren Haptik ich aber liebe. Wobei ich aber auch im örtlichen Schweineladen für 13€ eine kabellose Maus-Tastatur-Kombi bekommen würde. Und einen Profi-Monitor (höhenverstell- und drehbar) habe ich vor einigen Wochen für 20€ ebenfalls via Kleinanzeigen bekommen. Vermutlich werde ich für ca. 30€ noch den Arbeitsspeicher verdoppeln, aber das hat erst mal Zeit.

Geplanete Obsoleszenz

Einen kleinen Hacken hatte der gekaufte Rechner aber dann doch: Denn das Netzteil war eine Eigenproduktion des Herstellers HP. Somit ließ sich dieses Netzteil nicht durch ein anderes, in meinem Fall stärkeres austauschen. Was im Grunde kein Problem darstellt, wenn man den Rechner so benutzt, wie er genau wurde. Ich wollte aber meine vorhandene, wesentlich bessere Grafikkarte in diesen Rechner einbauen, welche einen separaten Stromanschluss hat und unter Last mehr Strom ziehen würde, als das Netzteil verkraftet.

Deswegen sollte mein altes Netzteil in den neuen Rechner. Dazu musste ich erst, nach Rücksprache mit einem örtlichen Computerladen, mir einen entsprechenden Adapter bestellen. Dieser kostete inkl. Versand nur 12€. Aber Ich empfinde es eine Frechheit, dass Computerhersteller nicht kompatible Teile verbauen, sondern ihr eigenes Süppchen kochen.

Es ist halt die eingebaute geplante Obsoleszenz, die hier zum Vorschein kommt. Geht das Netzteil kaputt oder will man den Rechner aufrüsten, dann muss man entweder die sehr teuren Teile des Herstellers oder gleich einen kompletten neuen Rechner kaufen. Wobei die zweite Option fast schon die billigere ist. Eine Frechheit!

Ich habe diese Konfiguration in dieser Ausführlichkeit einmal aufgeführt um zu zeigen, wie günstig sich ein sehr guter PC aus gebrauchten Teilen zusammenstellen lässt. Ich bin zwar kein High-End-Nutzer, aber habe durchaus schon höhere Ansprüche. Und die habe ich nun mit einem Preisaufwand von unter 200€ erfüllen können. Interessant ist dabei zu erwähnen, dass der Prozessor allein genauso schnell ist, wie der des aktuellen iMac, für das ich ebenso ca. 1500€ bezahlen müsste.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Es muss nicht immer der neue Laptop sein! Da ich diesen eh immer nur als Standrechner zweckentfremdet habe, macht es wirklich Sinn mir eine größere Büchse unter den Schreibtisch zu stellen. Das aber auch nur, weil ich die Ergonomie eines Arbeitsplatzes zu schätzen weiß. Niemand möchte 8 Stunden an einem Laptop Büroarbeit verrichten, oder? (Außer vielleicht, man sitzt in einem hippen Café und kann die umliegenden Besucher mit dem Schein der leuchtenden Frucht auf dem Laptopdeckel blenden).

Ich persönlich mag meinen Schreibtisch und möchte auch nicht ohne einen Leben. Und deswegen stört auch der klobige Rechner unterm Schreibtisch nicht. Im Gegenteil: Ich habe mehr Platz auf meinem Schreibtisch, weil ich dort nicht mehr meinen zugeklappten Laptop deponieren muss. Und weniger Kabelgedöns habe ich so auch…

Das passt für mich. Aber vermutlich nicht auf viele andere. Was man an diesem Beispiel aber sehr schön sehen kann: Wir müssen schauen, was wir in welcher Form in unserem Leben haben wollen. Was passt zu dem Leben, wie wir es leben wollen? Und wenn es der wenig trendige, aber durchaus sinnvolle und günstige Rechner unterm Tisch ist, dann ist das so. Ich habe meine Bedürfnisse beobachtet und über die Zeit neu eingeschätzt. Alles ist im Wandel. Nur, weil es hip ist, mit einem MacBook seine Arbeit zu verrichten, heißt das nicht, dass es auch zu meinen Bedürfnissen passt. Und wenn ich merke, dass da etwas nicht stimmt, dann kann ich nach neuen Wegen und Lösungen suchen. Und zwar solche, die auf mich und mein Leben passen. Auch, wenn ich damit alleine dastehe. In diesem Fall war es der Rechner. Es kann aber auch ein Kühlschrank oder eine Wohnung sein, welche viel zu groß sind. Oder ein Auto, welches man nicht mehr benötigt. Nur weil alles es haben oder weil man so was haben „muss“, heißt das nicht, dass das auch für mein Leben so sein muss. Hier gilt es in sich hinein zu hören und zu schauen, was für einen das Beste sein mag. Kein einfacher und schmerzfreien Prozess. Aber ein sehr Lohnenswerter…

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