Konsum
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Darum gibt es all das Zeug…

Der folgende Text könnte ironisch gemeint sein. Könnte… Aber das soll jeder selbst entscheiden…


Immer diese Minimalisten! So entdeckte ich doch vor einigen Tagen Posts auf Twitter, welche sich anmaßen, Kritik an wirklich innovativen und tollen Produkten zu üben. So schrieb Frau DingDong in Ihrem Blog über einen innovativen Entsafter sowie einen wirklich smarten Salzstreuer.

Nachdem ich mir die Produktvideos beider Produkte angesehen habe, kann ich Ihre Kritik absolut nicht nachvollziehen. Ich mein, warum sollte ein Entsafter oder ein Salzstreuer auch ohne das Internet funktionieren? Ich mein, wie soll denn sonst zukünftig überwacht werden, ob ein Krankenkassenpatient zu viel Salz zu sich nimmt?? Außerdem leuchtet der Salzstreuer in schönen Farben! Ich mein, ist ein bisschen Farbe im grauen Alltag denn nicht etwas schönes???

Und dann ihre Aussage zu diesen gradiosen Entsafter: „Wenn der QR-Code auf der Packung abgelaufen ist, ist es nicht mehr möglich, den Saft zu pressen.“ Wo kämen wir denn hin, wenn man Nahrungsmittel verzehrt werden würden, die bereits abgelaufen sind??? Ich mein, es hat doch einen Grund, warum die Industrie ein viel zu eng gefasstes MINDESThaltbarkeitsdatum auf die Verpackungen schreibt. Wenn diese Weltverbesserer noch genießbare Produkte futtern wolle, dann sollen sie schließlich auch solche kaufen.

Produkte werden schließlich nicht aus Jucks und Dollerei hergestellt. Ach so: Ihr dachtet, dass das ganze Zeug in den Regalen der vielen Märkte steht, damit ihr ein wohligeres Leben habt? Hahahaha! Jaaaa, genau… Unter keinen Umständen könnte alle das unnütze Zeug nur produziert werden, damit die paar Menschen, oft als Gesellschafter oder Aktionäre bezeichnet, ihre Taschen mit dem Geld des „kleinen Mannes“ füllen können. Alle Unternehmen sind praktisch versteckte karitative Einrichtungen, die ihre Produkte nur herstellen, damit die (dummen, pardon in der Gesellschaft gut integrierten) Menschen ein glücklicheres Leben führen. Wie könnte man auch auf die Idee kommen, dass das nicht der Fall wäre. Zumal diese Unternehmen ja auch Arbeitgeber vieler Menschen sind. Nicht hur hier, in toll ausgestatteten Büros, sondern auch in den vielen Ländern, in denen das Zeug produziert wird. Und ohne diese Firmen hätten all diese Menschen ja kein Geld, mit dem sie sich das Zeug kaufen, was sie sonst selbst hätten herstellen und verbauchen können…

Ach so… Die beiden erwähnten Produkte sind nicht von internationalen Multimillionen Dollar Unternehmen, sondern von kleinen Klitschen, die auf Kickstarter und Co. um Geld für tollen Produkte betteln? Nun. Das ist natürlich etwas anderes!

Das sind ja auch nur kleine Menschen die versuchen, ein Stück vom Glück anzubekommen. Glück, das ist ja eigentlich nichts anderes als Geld. Geld mit dem man dann Zeug kaufen kann. Und kaufen macht ja glücklich! Ganz bestimmt! Es ist zwar Zeug, dass eigentlich nicht gebraucht wird.

Aber hey… Man gönnt sich doch sonst nichts, oder? Wie soll man denn sonst die viele Zeit und Plackerei vergessen, die man mit monotoner, sinnentleerter Arbeit unter gesundheitsschädlichem Stress verbringt, um das Geld zu verdienen, damit man sich all dieses schöne (unnütze) Zeug kaufen soll? Irgendwo muss das Geld ja herkommen, um mehrfach im Jahr Urlaubsbilder auf Facebook posten, alle paar Jahre das Auto und die Wohnungseinrichtung wechseln und die monatlich wechselde Kleidung bezahlen zu können.

„Weniger arbeiten“ höre ich jetzt diese Weltverbesserer rufen?? Meint ihr echt, dass das die Lösung ist? Was sollen denn die Menschen in unserer Gesellschaft mit ihrer Zeit anfangen, wenn nicht shoppen zu gehen? Oder seine Zeit mit all dem vielen Zeug zu verplempern?

Am Ende würde sie, Gott bewahre, noch die Zeit haben, nachzudenken… Oder Dinge selbst herstellen (was ja quatsch wäre, weil alles schön billig überall zu kaufen ist und so ja die Aktionäre weniger Geld verdienen, oh… ich meinte natürlich Arbeitsplätze wegfallen würden)…

Oder sich am Ende noch wirklich über Ihre Umgebung Gedanken machen würden. Sie würden wieder anfangen, mit den Menschen in Ihrer Nachbarschaft zu reden. Sie hätte vielleicht auch Zeit, sich mit der lokalen und landesweiten Politik auseinanderzusetzen. Sie würden Wahlprogramme lesen, wählen gehen. Oder noch schlimmer: Auf der Straße gegen all die vielen Fehlentwicklungen der letzten 20 Jahre protestieren. Ihre Stimme wiederfinden. Was eine grausige Vorstellung, dass wir in einem Land, auf einer Welt leben könnten, in der es allen gut geht…

Im Kapitalismus ist es doch viel besser! Die Menschen kaufen, finanzieren den Reichtum der Oberen und sind nebenbei so beschäftigt, dass sie keine Lust, Zeit und Kraft mehr haben, gegen diese Strukturen aufzumucken. Sie haben ja, glücklicherweise schon genug damit zu tun, das Geld für die Dinge zusammenzuraffen, von denen ihnen durch Werbung und social media eingeredet wird, dass sie sie brauchen. So kommen sie zum Wohl aller nicht dahinter, was wirklich ein gutes Leben ausmache und sie eine glücklichere Zeit haben lassen würde.

Denn in den letzten 40 Jahren sind wir an den Punkt gekommen, dass sich Glück kaufen lässt! Zumindest ist es das, was alle glauben. Und wie ich oben bereits geschrieben habe, ist das auch gut so. Zumindest so lange, wie die meisten nicht dahinterkommen, dass das völliger Quatsch ist. Und das wird hoffentlich noch sehr lange dauern. Denn ein glücklicher Mensch ist kein guter Konsument!

***Ironie Ende***

6 Kommentare

  1. Hi Daniel,

    Ironie hin oder her. Ich habe selten einen Text gelesen, dem ich gleichen Teilen verhement widersprechen und andererseits zustimmen möchte.

    Gruß,
    Marco

    • Das innere Widersprechen ist ganz normal. Würde man das nicht tun, würde man sich eingestehen müssen, dass man selbst viel zu tief drin steckt. Aber diese Erkenntnis kann nur jeder für sich selbst finden. Und vor allem die Konsequenzen ziehen. Wenn man kann. Oder besser will…

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