Psychologie
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Der Druck

Ich beschäftige mich jetzt schon seit über drei Jahren mit dem Thema Minimalismus. Und noch länger lese ich Sachbücher und Ratgeber. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die ihr Leben ganz eigen führen und über noch viel mehr Menschen gelesen oder diese in TV-Beiträgen gesehen.
Dabei habe ich unzählige Lebenskonzepte kennengelernt. Und irgendwie sagen alle: So wie du (also „normaler“ Mensch) lebst, ist es schlecht. All diese Personen und Texte versuche mir ein alternatives Leben vorzustellen und mir damit ein glücklicheres Leben zu „verkaufen“.
Ich soll besonders gesund und vernünftig essen; mich viel mehr bewegen; so wenig wie möglich konsumieren; am besten mein Geld selbstständig verdienen; kein Auto besitzen und nicht in den Urlaub fahren; meine Zeit mit sinnvollen Dingen verbringe; Karriere machen; erfolgreich sein; eine vorbildliche Beziehung führen… Diese Liste ließe sich endlos so weiter führen. Jeder Ratgeber, jeder Blog- oder TV-Beitrag, viele Dokumentationen versuchen mir, eine entsprechende Lebensrichtung aufzuzwängen. Und zu oft widersprechen sich die Zielvorstellungen zudem noch.

Und ich? Ich fühle mich von alldem unter Druck gesetzt, wenn nicht alles so läuft, wie es sein soll. Und es läuft vieles nicht so, wie mir es durch all dies vorgegeben wird.

Ich bin kein Minimalismus-Superheld

Ich habe auch meine Schrömmelschublade; kann nicht morgen mit nur einem Rucksack durch die Weltgeschichte reisen; habe wertlose Sachen, von denen ich mich nicht trennen will; lebe nicht von meinem Blog; ernähre mich nicht korrekt; gebe Geld für Killefit aus… Auch diese Liste könnte ich endlos fortführen.

Ich finde diesen Druck an schlechten Tagen unerträglich

Den Vergleich von all diesen Anforderungen zu meinem Leben kann ich nur verlieren. Aber Vergleiche bringen sowieso nichts. Vergleiche machen unglücklich.

Ich muss meinen eigenen Weg finden. Aus all diesen Meinungen und Ratschlägen das Beste herauspicken, für mich einsetzen und meinen eigenen Weg durch diesen Dschungel finden. Anders wird es nicht gehen.
Daneben gilt es auch, sich gegen die Meinungen von außen abzuschotten. Nicht alles ist möglich, nicht alles wünsche ich mir. Zudem erleben wir von den erwähnten Personen auch immer nur einen Teil des Lebens. Niemand ist immer und überall alles, was er vorgibt zu sein.
Und wenn ich will, kann ich mit 100 Gegenständen leben! Aber muss ich es? Um einem Bild nach außen gerecht zu werden?

Wir Minimalisten sind nicht die Lösung für all die Probleme, die in dieser Welt herrschen. Ein einfaches Leben bringt jedoch viele Vorteile und es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Solange diese in meinem Leben zu finden sind, bin ich mit meinem Minimalismus auch glücklich so, wie er ist!

28 Kommentare

  1. Alexandra sagt

    Lieber Daniel, ich habe manchmal den Eindruck, daß Du dich selbst ziemlich unter Druck setzt. Mich würde schon das Blog schreiben ziemlich überanstrengen. Ich glaube, daß Du ziemlich perfektionistisch veranlagt bist. Ich sehe das so, werde einfach der, der Du bist.
    Such Dir aus den vielen Ratgebern und Lebensweisen der Anderen die für Dich passenden und stimmigen Textpassagen raus und übernimm‘ sie. Alles andere vergiss`!!!
    Hör‘ in Dich selbst rein, was für Dich stimmig ist und frag‘ bei allen Entscheidungen nicht nur Deinen Kopf, sondern auch und vor allem Dein Herz und den Bauch, denn die wissen oft am Besten, was für dich paßt. Du mußt nicht perfekt sein, sondern sollst Der werden der Du bist.
    Ich bin jetzt 38 Jahre und habe die letzten 13 Jahre damit verbracht, rauszufinden, wer ich bin und was ich will bzw. nicht mehr will. Da waren auch Gedanken wie: Will ich in einen Kommune (siehe Eurotopia.de) ziehen usw. usf. …
    Da mich die Schule wie die meisten anderen auch, mit viel Schrott im Hirn aber ohne Wissen über einen Selbst, also ziemlich dumm entlassen hat und ich in der Pubertät auch keine Zeit hatte, was über mich rauszufinden, mußte ich das jetzt nachholen. Es hat sich gelohnt!
    Was ich Dir auch noch empfehlen kann ist das Buch „Seelenruhe“ von Eva-Maria Altemöller, vom Pattloch-Verlag. Es ist eines meiner Lieblingsbücher, da stehen alte Lebensweisheiten (keine Sprüche) drin, die ihr ihr Opa mit auf den Lebensweg gegeben hat. Natürlich steht auch etwas sehr nützliches zu unserem heutigen Konsum etc. drin.
    Ich hoffe, diese paar Wörter bringen Dich etwas weiter. Setz Dich nicht zu sehr unter Druck!
    Viele Grüße, Alexandra

    • Hallo Alexandra,
      als einen Perfectionisten würde ich mich eigentich nicht sehen.
      Aber mich würde interessieren, wie Du es geschafft hast, herauszufinden, wer Du bist und was genau Du willst.
      Vielleicht magste dazu was schreiben?

      • Oooh tolles Thema! Mein bisherige Idee zum „Herausfinden wer man ist“
        1. Abwarten und Tee trinken. Wenn das Gehirn fertig ist (ca mit 30?) sieht man vieles klarer und auch nicht mehr so eng. Glaub ich.

        2. Das tun was man mag. ich nenne das Pubertätsloop, oder kurz: PLOOP. Ich glaube, man findet irgendwie immer die gleichen Sachen gut. Nur vielleicht in anderer Form und man vergisst sie.
        3. Ausdenken, welche Art von Mensch man sein will.
        4. Danach handeln.

  2. Absolut. Für mich ist Minimalismus nur ein Teilaspekt meines Lebens. Es gibt noch viel mehr, das mich ausmacht und mir wichtig ist. Auch auf meinem Blog nimmt der Minimalismus nicht mehr so viel Raum ein. Minimalismus soll für mich leicht sein und quasi nebenher laufen – ganz von selbst. Wenn es anstrengend wird, ist es nicht minimalistisch. Ich mag auch keine Öko-Klischees erfüllen und liebe es, hübsch zu wohnen. Ich kann Dich gut verstehen – es geht alles schon in eine ganz bestimmte Richtung (mit all den Aspekten, die Du so treffend aufgezählt hast).

    Minimalismus soll das Leben einfacher machen und bereichern – nicht einengen. Und Dein Minimalismus ist bestimmt wieder ein anderer als meiner. Na und? Ist doch auch gut so.

    Ich hab dazu neulich auch was Ähnliches geschrieben – über meinen „Minimalismus-Überdruß“, weil es mir zeitweise auch zu krampfig wurde:

    http://sofaheldin.blogspot.de/2014/12/minimalismus-uberdru.html

    Liebe Grüße & take it easy,
    Sofaheldin

    • Ich denke auch, dass jeder da seinen eigenen Weg finden muss. Ich finde es nur schwierig den goldenen Weg zu finden.
      Z.B. mein Bett: Ich finde die Idee eines Futons wirklich sehr gut. Aber ich habe ab und an auch schon mal Besuch, weswegen dieser schon etwas breiter sein müsste. Alles kein Problem. Nur habe ich ja ein Bett. Und es hält auch. Soll ich jetzt das Bett rausschmeißen, um mir einen Futon zu kaufen? Ich denke nicht. Aber es bleibt im Kopf. Und genau das ist der Punkt: Ich finde die Idee toll und auch sinnvoll. Aber ich kann sie nicht umsetzen, weil ich mich nicht von meinem Bett trennen mag, weil das nicht sinnig ist. Genau diese Konflikte meine ich mit meinem Post. Und das ist nur einer von etlichen…

      • Hallo Daniel!

        jetzt verstehe ich dich ein bisschen besser.
        Manchmal fehlt uns einfach ein Wasserschaden, der die offenen Fragen für uns löst, indem sie nachher beseitig sind – Bücher, Alben, Bett …
        Ernsthaft: nicht nur 1x habe ich in amerikanischen Foren, gelesen, dass dieser oder jener Taifun für jemanden ein Unglück und ein Segen war, weil sie dadurch von Gerümpel befreit wurden und nachher fing man fast bei 0 an.

  3. Mona sagt

    Hallo Daniel,

    „Ein einfaches Leben bringt jedoch viele Vorteile und es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Dieser Satz/diese Erkenntnis von Dir, ist auch für mich der Schlüssel zum Minimalismus. Wie immer dieser dann auch konkret aussehen mag. Denn Minimalismus hat, wie jeder Mensch, viele Facetten.

    Mein Minimalismus begann 2004. Damals habe ich mein Auto abgegeben und besitze seitdem keines mehr. Den Begriff Minimalismus kannte ich seinerzeit noch nicht, und es ging mir auch nicht um einen besseren ökologischen Fußabdruck. Mein Beweggrund war, dass ich es zunehmend absurd fand, ein Auto zu finanzieren, welches meistens nur in der Garage steht – zumal ich in einer Großstadt mit gutem öffentlichen Verkehrsnetz lebe.

    Auch mein nächster Minimalismus-Schritt war zunächst eine rationale Entscheidung. Ich bin 2010 in eine kleine Wohnung gezogen – von 90 qm auf knapp 40 qm. Die Verkleinerung hatte etwas mit den Mietpreisen vor Ort zu tun, die zu den höchsten hierzulande zählen. Ich hatte einfach keine Lust mehr, so viel Geld nur für die Miete zu zahlen und empfand dies zunehmend als Ballast. Minimalismus kannte ich damals immer noch nicht.

    Parallel zu diesen zunächst rein rationalen Entscheidungen hat sich jedoch mein Bewusstsein verändert. Konsum an sich bedeutet mir heute nichts mehr. Ich kaufe nur noch das, was ich entweder wirklich benötige oder womit ich mir einen Wunsch erfülle und mich dann über dieses Teil wirklich freue. Wirklich bedeutsam für mich war jedoch die Erkenntnis, dass finanzieller Ballast unfrei macht. Je höher meine Lebenshaltungskosten sind, desto größer ist die Unfreiheit. Und ich habe mich entschieden, so viel Ballast wie möglich abzuwerfen. Dies ist „mein Minimalismus“, der sich äußerlich zwar auch zeigt (Auto, Wohnung, Kosten), jedoch vor allem innerlich stattfindet (als Erkenntnisgewinn).

    Seit 2012 kenne ich auch den Begriff Minimalismus und bereits viele Blogs dazu. Mich fasziniert, wie Menschen ihn weltweit leben und was sie damit verbinden. In manchem erkenne ich mich wieder, andere Facetten sind mir fremd und ich merke, dass ihr Weg nicht meiner ist. Doch was ich auch gemerkt habe: Sie alle verbindet die Haltung „Weniger ist mehr“, und diese Haltung ist es, durch die ich mich mit Minimalisten verbunden fühle. Selbst dann, wenn ihr Weg ein ganz anderer ist als meiner und sie meist auch wesentlich jünger sind als ich (ich bin Mitte 50).

    Du hast Deinen Beitrag beendet mit dem Satz, dass Dein Minimalismus Dich glücklich macht, solange sich die Vorteile des einfachen Lebens in Deinem Leben zeigen. So ist es! Kein Vergleich, kein Druck, kein Wettbewerb – einfach nur Sein :-).

    Gruß aus dem Süden,
    Mona

    btw: dies ist mein erster Kommentar in der Minimalisten-Gemeinde, sicher ziemlich lang und gar nicht minimalistisch ;-).

    • Der Minimalimus, wie wir ein einfache Leben heute nennen, gibt es schon viel länger, als es all die Blog oder auch nur den Namen gibt. Der Wunsch ein einfacheres Leben zu haben, ist noch viel viel älter.
      Heute ist alles viel zu Komplex geworden. Der Zugang zu fast allem ist mit kaum welchen Hürden verbaut. Wir leben im Schlaraffenland und merken, dass wir es so eigentlich gar nicht wollen.
      Deswegen sehe ich jeden Schritt in Richtung Einfachheit auch als einen guten und richtigen Schritt an. Sei es, das Auto abzugeben, die Wohnung zu verkleinern oder einfach nur Ballast abzuwerfen.
      Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Geschichte.

  4. Felix sagt

    Sehr guter Post heut – Danke dafür!

    Gerade heute gelesen:

    “Ich bin davon überzeugt, dass der wichtigste Sinn unseres Lebens ist, voll Freude und mit Spaß das zu erschaffen, was wir erschaffen möchten.”

    UND

    „Spaß macht Selbstdisziplin überflüssig“

    LG, Felix

    • Ich denke auch, dass neben dem biologischen und evolutionären Sinn unserer Spezies, als nächstes die Freude am Leben kommt. Danke für die Zitate.

  5. Hallo Daniel,

    ich bin kein Öko. Das einfache Leben ist mir zu kompliziert. Ich will kein Holz spächteln sondern die Heizung aufdrehen und auf den Knopf drücken, wo Kaffee rauskommt.

    Außer mit Meer kann ich mit Natur nix anfangen. Veganer will ich auch nicht werden.
    Darf man das überhaupt schreiben?

    Mein Bett abzubauen, hab ich mir auch schon überlegt. Ich schlafe nie drin. Beim nächsten Umzug wird es rausfliegen. Hat man nicht eh immer 10% Möbel, die in der jetzigen Wohnung noch Sinn machen, die in die nächste aber nicht mehr mitkämen? Man muss seinen eigenen Weg und Minimalismus finden. Dann ist es auch dein Weg. Sich keinen Druck von innen oder außen machen. Super Thema übrigens!

    Liebe Grüße – Tanja

  6. Ich weiß, was Du meinst. Ich frage mich manchmal, was eigentlich los ist. Wir werden überflutet von Informationen aus allen Kanälen und gieren immer noch nach mehr. Auf der anderen Seite: Landlust, Achtsamkeit, Schweigeseminare, selbstgehäkelte Strickmützchen, vegane Fertiggerichte und Autarkie durch Balkonkastengärtnern im 4. Stock. Minimalisten zählen ihre Habseligkeiten und diskutieren erhitzt, ob ein Paar Socken nun 2 Teile sind, eines oder ob Wäsche gar nicht zählt. Die Stimmung wird hektisch und gereizt. Wohin wir blicken, tauchen Abgrenzungen und neue Impulse auf. Kauf dies, lies das, mach jenes, mach gar nichts, iss dies nicht, konsumier das nicht, engagier Dich, aber lass Dich nicht vereinnahmen… was jetzt?
    Wie Du sagst, wir alle müssen unseren Weg finden, und niemand kann uns das abnehmen. Dazu gehört dann auch der Mut, sich selber einzugestehen, dass man nicht zu allen Fragen in der Welt eine eigene Meinung hat. Wohlgemerkt, eine eigene Meinung, nicht irgendein generelles Vorurteil oder ein aufgeschnapptes Infoschnippselchen. Und das bedeutet nicht Stillstand oder Resignation, im Gegenteil! Anstatt hektisch irgendwelchen irrelevanten Themen und Meinungen nachzueifern, völlig unproduktiv die eigene Zeit mit rein passiven Konsumentenzeitvertreiben zu füllen (Handytest lesen, wenn das eigene Smartphone gerade ein paar Monate alt ist), immer wieder in die gleichen emotionalen und wirtschaftlichen Strudel zu geraten, sollten wir langsam, sorgfältig und bedächtig unseren Weg gehen, Schritt für Schritt.

    • „Minimalisten zählen ihre Habseligkeiten und diskutieren erhitzt, ob ein Paar Socken nun 2 Teile sind, eines oder ob Wäsche gar nicht zählt.“
      Wirklich?!

      Au weia.
      Diese Menschen haben offensichtlich alles aus den Augen verloren, wenn DAS* wichtig ist.
      Au weia.
      (ich fasse es gerade nicht)

      Wobei bei mir fängt es schon beim Zählen der Habseligkeiten an. Nicht erst beim darüber streiten.
      Vielleicht ist das so wie kcal zählen? Dass diese Minimalisten Angst vor dem „Zunehmen“ haben und es in eine Abnehm-Sucht kippt? Allzu gesund scheint das Verhalten nicht zu sein.

      • Es ist keine Angst vor dem Zunehmen, sondern eher ein schlechtes Gefühl, wenn dies passiert. Weil man ja nach außen ein bestimmtes Bild ausstrahlen „muss“. Schließlich habe ich einen Blog und einen Podcast zum Thema und da darf ich ja nicht mehr als 100 Teile besitzen… blablabla.

  7. Lieber Daniel,

    ich lese auch viele Sachbücher, darunter immer wieder Ratgeber. Manchmal wünsche ich mir richtiggehend, wieder mal einen Roman zu lesen. 2015 möchte ich Romane reinholen, wofür Bücher ja ebenfalls da sind.

    Was mich stutzig macht: Sagen die Autoren wirklich dass man eine schlechte Lebensführung hat?
    Vielleicht hilft dir, dass diese Bücher letztlich alles nur eines sind: Geschäftsmodelle.
    Wer sein Wissen mit anderen teilen möchte, könnte das auch mit einer Website machen.
    Ich erlebe englische Websites sehr positiv und aufbauend. Aktuell mach ich bei Apartment Therapy bei einem „Cure“-Monat mit. Man entrümpelt und putzt und verfeinert (Kunst!, Projekte!) die Wohnung und verändert sich damit zwangsläufig.
    Das ganze ist spielerisch und was das wichtigste ist: die Ansprache, der Ton sind warm und herzlich. Und wenn man frustiert ist, sind die anderen da in der Community, die einen zum Lachen bringen. Das ist jetzt vermutlich nicht das, wonach du gefragt hast. Und ich gebe es zu: das „Küchenwochenende“ hat mich gehörig unter Druck gesetzt, weil mein Kühlschrank am Sonntag Abend noch immer schmutzig war.
    http://www.apartmenttherapy.com/collection/january-cure-2015-468

    Was ich herauslese – behaupte ich mal frech – dass du mit deiner Ernährung und Lebensstil punkto Sport noch nicht dort bist, wo du hin möchtest?
    Vielleicht hilft dir da Gesellschaft, das kann ein Coach/Trainer sein, aber auch eine Gruppe, der du dich anschließt oder ganz niederschwellig eine online-Plattform. Womit ich wieder bei Apartment Therapy bin, das Projekt lebt ganz klar von der Community, die den Spaß reinbringt. Es tut gut, unterhalten zu werden. Und gemeinsam zu scheitern :-))

    • Das schlechte Gefühl kommt vom Vergleich des Idealzustandes mit dem des Ist-Zustandes. Das Ideal steht in diesen Ratgebern, Blog, etc. Aber die Realität sieht anders aus. nur sieht man diese nicht. Man sieht nur das Bild, das vermittelt werden soll.
      Genau das wollte ich mal ansprechen. Das ich kein Superheld bin, der nur mit 100 Teilen lebt und alles immer richtig macht. Ich wollte einfach mal sagen, dass das Ganze einen gewissen druck mit sich bringt und dieses einfach mal ablassen.
      Schön ist, dass ich damit wohl einen Nerv getroffen habe…

  8. Hallo Daniel,
    ich befasse mich ebenfalls seit kurzem mit Minimalismus. Was ich bisher gelernt habe: Jeder Mensch ist anders. Das zu erkennen und anzuerkennen ist, meiner Meinung nach, der wichtigste Schritt. Was für die einen perfekt funktioniert, geht für dich gar nicht. Macht ja nichts, deshalb ich nichts schlecht oder irgendetwas verloren!

    Sicher, man könnte mit 100 Dingen auskommen. Aber ist das wirklich das erklärte Ziel? Was ist dann mit selbermachen? Da braucht man dann mehr als 100 Dinge dafür. Aber das macht einen ebenfalls frei: frei vom Konsum, frei von der Abhängigkeit.

    Lass dich von alldem nicht unter Druck setzen. Das führt zu nichts. Ich finde, es sollte nicht darum gehen, wie viel und was man besitzt (immerhin haben wir ja alle unterschiedliche Hobbys und Geschmäker). Wichtig ist zu erkennen was für einen persönlich wichtig ist, sich dem voll und ganz hinzugeben und auf das andere Stück für Stück zu verzichten. Ich finde das ist wahrer Minimalismus.

    Liebe Grüße, Daniela

  9. Bettina sagt

    Hallo Daniel,
    ich kenne diesen Druck, ich mache ihn mir auch immer wieder. Will besser Ordnung halten, entrümpeln, abnehmen, Sport machen, mich engagieren, mich informieren, für andere da sein und noch viel mehr…
    Ich lese auch Ratgeber, sie vermitteln diese Aufbruchsstimmung – ab jetzt wird alles besser.
    Darüber vergesse ich leicht die Rückschau, das Feiern der Erfolge. Das sollte ich mir viel mehr angewöhnen.
    Außerdem ist das Leben kein Wettbewerb und es ist auch nicht alles machbar, auch wenn es einem dauernd suggeriert wird. Vielleicht kann man auch seine Ansprüche an sich selbst auf ein „genug“ zurückfahren.
    Ich finds schon toll, was du hier auf die Beine stellst, und höre auch gern den Minimalismus-Podcast. Genügt doch völlig.
    Bettina

    P.S. Ich finde es nachhaltiger, das Bett zu behalten, als ein neu produziertes Futon zu kaufen.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Mein Bett behalte ich natürlich solange wie ich hier wohne. Denke mal, dass würde auch keiner haben wollen, wenn ich es versuchen würde loszuwerden. Obwohl es nicht wirklich alt ist. Aber naja…

  10. Minimalismus mit Wettbewerb ist Materialismus mit umgekehrten Vorzeichen für mich.
    Ich sehe es so, dass es um tragfähige Konzepte für die Zukunft geht und da ist reduzierter Konsum ein dickes Thema.
    Übrigens ist der eigene Kopf mit 30 J. noch nicht „fertig“. Bei vielen Leuten schläft da erst mal vieles wieder ein.
    Ich werde demnächst 54 J. und finde das Leben so bunt und spannend wie nie, entdecke noch immer viel Neues. Mein Vorteil ist, dass ich nicht mehr konkurrieren muss und weiss, dass auch im Minimalismus vieles relativ ist – in 60er und 70ern hatte ich viel weniger Krams, als jetzt im minimalisierten Zustand.
    Ist einfach so.
    Konzum runter zu fahren, ist in jedem Fall eine gute Sache. Und wenn dann hier oder dort der Bogen überspannt wird: ok was solls…. Manchmal brauchts auch ein Extrem, um die eigene Mitte zu finden.

  11. Jens sagt

    Hallo!

    Gerade als ich begann mich mit Minimalismus zu beschäftigen, hatte ich ähnliche Überlegungen wie du. Mein Gefühl sagte mir, Minimalismus ist die richtige Richtung. Aber was man so in diversen Blogs las, da lag die Messlatte schon verdammt hoch. Wollte ich wirklich ein veganer Globetrotter werden, der mit seinen 25 Besitztümern plus Macbook im Rucksack ohne festen Wohnsitz durch die Weltgeschichte trampt? Da zweifelt man schon, ob man jemals ein „richtiger“ Minimalist werden könnte.

    Ich denke, ein Stück weit steht uns da die (deutsche) Mentalität im Weg. Wir neigen dazu, alles möglichst konsequent 100% richtig machen zu wollen, dafür tun wir uns mit Diskussionen und Grübelei bei der Umsetzung oft schwer. Amerikanern haftet ja eher das Klischee an, erst zu schießen und dann Frage zu stellen.

    So war es dann auch der Blog von http://www.theminimalists.com/ bei dem es „Klick“ machte. Explizit die Formulierung „… that adds value to your life“. Im Deutschen findet man ja oft „auf das Wesentliche konzentrieren“ beim Minimalismus. Nur, was ist das Wesentliche? Das, was meinem Leben einen Mehrwert bringt. Und wer könnte das besser festlegen als ich selbst?

    Minimalismus ist für mich erstmal eine egoistische Angelegenheit. Ich war mit meinem bisherigen Komsumleben nicht glücklich und suchte einen Ausweg. Der Minimalismus soll mich glücklicher machen, eine Aufgabe bei der der Konsum versagt. Jedesmal, wenn ich Krempel entsorge, etwas unnützes nicht konsumiere, durch eine Wanderung in der Natur dem Stress entgehe, fühle ich mich ein Stück weit glücklicher. Schon an dem „loswerden“ eines einzigen Teils kann ich mich freuen und den Erfolg feiern. Wen interessierts, ob ich dann noch 5.000 oder nur 100 Dinge in der Wohnung bleiben? Ich muss keine Quote erfüllen, oder in ein Klischee passen. Und wenn das (objektiv) unnützeste Ding der Welt mir Freude bereitet und meinem Leben einen Mehrwert gibt, dann bekommt es in der Wohnung einen Ehrenplatz.

    Dieser „gesunde Egoismus“ ist für mich ein wesentlicher Teil des Minimalismus. Ich bin nicht aus der Tretmühle des Konsumlebens ausgestiegen, um mich in die Minimalismus-Schublade zu quetschen. Egoismus hat immer ein wenig negativen Touch, aber in diesem Fall sehe ich das anders. Es ist ein Stück Freiheit die ich mir gönne, mein Leben wieder mehr selbst zu bestimmen. Davon profitiert aber auch mein Umfeld. Ich bin glücklicher, ausgeglichener, und habe mehr Spaß und Zeit für Familienleben. Nebenbei entlastet es die Haushaltskasse, bringt Ordnung in die Wohnung und gesünder ist es auch noch. Also eine Win-Win-Situation.

    Mach dir keinen Kopf, ob du schnell genug vorankommst und weit genug gehst. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein Fortschritt.

    Grüße
    Jens

  12. Minimalismus mit Wettbewerb ist Materialismus mit umgekehrten Vorzeichen für mich.

    Wow das haut rein! Danke Gabi!

    Trifft es ziemlich gut.

    Druck kommt meiner Meinung nach vom Vergleichen und bewerten. Wenn ich mich ständig mit anderen vergleiche und mich selbst und den anderen bewerte.

    Statt dessen wäre es besser zu schauen was ich brauche und was für mich wichtig ist. Ohne Vergleich mit anderen. Einfach nur für mich.

    Was ich bei anderen lese sind Anregungen. Jeder lebt in einer anderen Situation. Was für mich passt, muss für den anderen noch lange nicht passen.

    lg
    Maria

  13. Pingback: IntensivZimmer & Öffnung der Schublade Minimalismus › Intensivkind.pflegeminute

  14. Oliver sagt

    Hallo Daniel,
    wir kennen uns zwar nicht und ich kann mit natürlich auch nur eine Meinung aufgrund Deiner Texte bilden, aber das mit dem Druck, etc. und mit dem gelebten Minimlismus passt für mich irgendwie nicht zusammen. Mir scheint, als wenn sich Dein Minimalismus überwiegend auf Sachen bezieht. Aber für mich bezieht sich das z. B. auch auf die nichtmateriellen Dinge, die mich umgeben. Also auch auf die Anzahl der Freunde, die Fernsehsender, die ich am TV einprogrammiert habe und auch die Dinge, die ich noch verbessern möchte. Oben schreibst Du „diese Liste könnte ich endlos fortführen“ … Für mich geht es in meinem Minimalis mus eben auch darum, genau diese Listen im Kopf zu reduzieren und zwar radikal … und wenn dann auch noch die Dinge um einen herum auf einem Minimum sind, dann ist der Weg frei zu dem eigenen Ich, sofern man sich darauf gedanklich einlässt.
    Liebe Grüße
    Oliver

  15. Lieber Daniel, liebe Minimalisten,

    auch ich kenne das von dir beschriebene Problem und man erlebt es ja täglich. Aber das ist ja auch vollkommen logisch. Wir alle leben in einer Welt die nicht auf Minimalismus, nicht mal auf Suffizienz, sondern auf das genaue Gegenteil ausgelegt ist. Rahmenbedingungen und Strukturen formen unser Handeln! Wer kommt schon wirklich mal auf die Idee bewusst darüber nachzudenken, was er wirklich braucht, wenn man ständig mit Werbung den Kopf zugeballert bekommt. Entscheidungen zu Bahnfahrten oder gar interkontinental Schifffahrten fallen schwer wenn Flüge unglaublich viel günstiger sind.

    Was also gilt es zutun? Aus meiner Sicht aktiv werden! Sich in Politik und/oder Bewegungen und Vereine einbringen die wirklich versuchen was an diesen Rahmenbedingungen zu verändern.

    gute Leseempfehlung hierzu:
    http://www.itas.kit.edu/pub/v/2010/grun10c.pdf

    viele Grüße
    Leon

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