Finanzen
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Warum finanzielle Freiheit nichts mit Geld zu tun hat…

Seit einiger Zeit wir eine neue Sau durchs Internet getrieben: Die sogenannte „finanzielle Freiheit“. Vor allem Finanzblogger werden nicht müde, dieses hypothetische Konstrukt zu propagieren. Dabei zweckentfremden sie gerne spezifische Bereiche des Minimalismus.

Anhänger des Konstruktes der finanziellen Freiheit teilen diese in drei Bereich auf:

  1. Viel Geld verdienen, am besten natürlich passiv, also ohne ständig Zeit in Geld tauschen zu müssen.
  2. Daneben Konsum und Ausgaben so gut es geht reduzieren um
  3. das Geld in Finanzprodukte zu investieren und „für sich arbeiten zu lassen“.

Klingt auf dem Papier ziemlich einfach und toll. Und genau das soll es auch. Wobei man schon bei Punkt Eins erkennen kann, wie falsch diese Herangehensweise ist.

Mit drei Dingen kann man im Internet viel Geld verdienen

Man sagt, im Internet kann man mit drei Dingen Geld verdienen: Sex (wovon die vielen Porno-, aber auch Datingseiten zeugen), mit dem Abnehmen bzw. der eigenen Schönheit (was man sehr schön an all den „Influenzern“ auf YouTube oder Instagram schon sehen kann) und natürlich damit, dass man anderen Leuten zeigt, wie man schnell und einfach Geld (im Internet) verdienen kann. Und genau Letzteres ist das, was der erste Punkt auf der Liste der finanziellen Freiheit darstellt. Kaum ein Blogger, der nicht ein eigenes eBook verkauft, sein Wissen als Coach anbietet oder Affiliatelinks zu Finanzprodukten bereitstellt, um damit das erwähnte passive Einkommen zu generieren.
Um dann das Geld nicht für Konsum auszugeben, wird auf viele Sichtweisen des Minimalismus zurückgegriffen. Auf einer Art mag dies ja löblich sein, jedoch hat dies nicht viel mit dem Minimalismus zu tun, wie wir diesen definieren. Es nicht etwa aus Konsumkritik oder nachhaltigen Gesichtspunkten weniger gekauft, sondern einfach aus zielgerichtetem Geiz.
Und am Ende wird all das so gesparte Geld investiert, um es zu mehren. Geld vermehrt sich aber nicht von alleine, sondern immer durch die Arbeit von Menschen, die im besten Fall kaum, meist aber gar nicht vom Erfolg des jeweiligen Unternehmens profitieren. Häufiger ist der Fall, dass die global organisierten Unternehmen des Aktienmarktes ihre Profite durch Ausbeutung von Menschen sowie der Ressourcen unserer Erde erwirtschaften. Es mag hier natürlich Ausnahmen geben. Jedoch werden diese wohl kaum zur wundersamen Geldvermehrung geeignet sein, da die Rendieten dieser Unternehmen weitaus niedriger ausfallen.

Die alte Geschichte vom Banker und dem Fischer

Ziel des Ganzen ist es, am Ende von den Kapitaleinkünften und dem erwirtschafteten Geld leben zu können, ohne weiter einer Erwerbsarbeit nachgehen zu müssen. Dabei geht es, wenn man das Konstrukt der finanziellen Freiheit auf wahren Kern herunter bricht, niemals um den Wunsch reich zu sein und Geld zu besitzen, sondern um die gewonnene Zeit. Wir sehnen uns niemals nach dem Geld, sondern nach der frei verfügbaren Zeit (und wohl auch nach den sich ergebeneden Einsatzmöglichkeiten), welche uns vorhandenes Geld ermöglichen würde.
Dabei ist es wie in der Geschichte vom Banker und dem Fischer.

Lässt man Punkt 1 sowie Punkt 3 der obigen Bereiche einfach weg, dann kommt man der gewüschnten Freiheit schon zeimlich nahe. Ein einfaches Leben, in dem es um die wirklich wesentlichen Dinge geht, nicht um entleerten Konsum, ist weder teuer noch unerreichbar.
Niko Paech beschreibt in seiner Postwachstumsökonomie ziemlich genau, wie ein solches Leben aussehen kann. Mit 20 Stunden erwerbsarbeit, sowie als in der gewonnen Zeit aktiver Prosument, lässt es sich sehr gut leben. So lerne ich auf den Minimalismus-Stammtischen immer wieder Menschen kennen, die durch eine Teilzeitbeschäftigung genau so viel verdienen, wie sie zum Leben benötigen. Sie sind nicht finanziell „frei“, aber sie haben genau das, was sie sich wünschen: frei verfügbare Zeit und genug verfügbares Geld zu leben!

Apell

Falle nicht auf die verlockenden Worte all die vielen Finanzblogger, Autoren und Coaches herein. Sie machen genau das, was sie selbst sagen: Sie verdienen ihr Geld damit, anderen Leuten zu erzählen, wie sie Geld verdienen können.
Schiebe dein Leben nicht auf, sondern kreiere es so, dass du einfach, aber glücklich Leben kannst. Und dabei die Zeit für die Dinge hast, die dir in deinem Leben wichtig sind. Und zwar jetzt und nicht erst dann, wenn du vermeintlich genug Geld zusammen hast. Leben ist jetzt, nicht irgendwann…


Wer mehr Denkanstöße für ein einfaches Leben haben möchte, sollte einmal auf meiner Facebook-Seite vorbeischauen. Dort versuche ich täglich kleine Anregungen und Texte von mir und anderen, die zum Nachdenken bringen sollen. Ich freue mich sehr über deinen Like dort!

8 Kommentare

  1. Chris sagt

    Zum einen sehe ich es ähnlich wie Du, auf der anderen Seite leben wir aber nicht in besagter Postwachstumsökonomie, sondern in der kapitalistischen Wachstumsökonomie.
    Was viele der Teilzeitarbeiter auch vergessen ist, dass man irgendwann mal in Rente geht und da sieht die Zukunft momentan nicht gerade rosig aus, wenn man sich mal anguckt mit wie viel vom Netto unsere Generation in Rente gehen wird.
    Wer mit dem staatlichen Existenzminimum auskommt, kann das natürlich machen, aber alle anderen sollten sich dann doch überlegen, ob man nicht irgendwie für die Zeit nach der Erwerbsarbeit vorsorgt.
    Es muss ja nicht gleich ein passives Einkommen sein. Zudem funktioniert dieses Modell auch nur für einen bestimmten Teil der Bevölkerung, denn wie Du schon sagst: irgendwer muss ja immer noch die Rendite durch Arbeit erwirtschaften und man muss es sich erst einmal leisten können, einen Teil seines Einkommens in Aktien zu investieren.

    • Ich denke, dass es an einem selbst liegt, wie man lebt. Wenn ich ein einfaches Leben lebe, dann komme ich auch mit einer Teilzeittätigkeit aus. Und auch mit einer kleinen Rente kann man gut einfach leben. Viel wichtiger sind die sozialen kontakte und Hilfen die man dann hat.
      Wir sind zu einer Dienstleistungsgesellschaft geworden, in der heute je Tätigkeit ein Euro-Wert zugewiesen wird. Heute wird man nicht mehr von der Familie oder Freunden und Bekannten gepflegt, sondern von einem Pflegedienst, der Geld für seine Leistungen haben will. Genau das ist das Problem: Tätigkeite, die man aus Familienzugehörigkeit und Nächstenliebe gemacht hat, werden heute gekauft. Mit all den mitschwingenden Nachteilen (auch Pflege muss wirtschaftlich sein, was die „Qualität“ natürlich drückt).
      Es würde jetzt zu weit führen, dass alles weiter auszuführen. Wir haben über genau dieses Thema beim letzten Ruhrgebiets-Stammtisch gesprochen und waren und einige, dass es im Alter nicht an Geld, sondern am Sozialen scheitern würde…
      Ich persönlich spreche immer von einem einfachem Leben. Wer beim Wachstums- & Konsumspielchen mitmachen will, der hat da natürlich schlechte Karten…

  2. Chris sagt

    Ihr habt ja beim Podcast auch ein wenig über das Thema gesprochen. Ich sehe das halt recht zwiespältig.
    Einerseits kann man klar sagen, anders wäre es besser, aber dazu müsste sich halt das komplette Wirtschaftssystem in dem wir leben ändern und da bin ich dann auch auf der anderen Seite realistisch, dass dies wohl nicht passieren wird oder nicht in absehbarer Zeit.
    Zudem sehe ich viele Widersprüche in der gesamten Debatte.
    Du sprichst davon, dass die Pflege im Alter von der nächsten Generation geleistet werden kann, bist aber selbst soweit ich weiß kinderlos, wie die meisten männlichen Minimalisten.
    Das Mehrgenerationen Haus, das es früher noch öfter gab wurde angesprochen. Auf der anderen Seite steht aber individuelle Entfaltung, eine möglichst kleine Wohnung und die Option jederzeit mit seiner geringen Habe umziehen zu können weit oben auf der Liste vieler Minimalisten. Auch Du hattest ja mal Pläne dich örtlich zu verändern und nicht immer kann man es sich aussuchen, wenn man sonst keine Arbeit findet z.B.
    Ich meine das jetzt nicht böse oder als herbe Kritik nur finde ich, dass man immer über viel philosophieren kann, aber am Ende kommt halt irgendwann doch der Abgleich mit der Wirklichkeit. Zudem lassen sich verschiedene Dinge wie selbstbestimmtes freies Leben nur schlecht mit der häuslichen Pflege von angehörigen in Einklang bring.
    Mal davon abgesehen, dass man das Thema auch nicht unterschätzen sollte. Das Spektrum reicht von mal Besorgungen erledigen, zum Arzt bringen und kochen bis hin zu Demenzkranken, bettlägrigen die eine 24/7 Betreuung brauchen. Da ist auch nicht jeder für gemacht solch einen Fall zu Hause zu betreuen oder man kommt in die komplette Selbstaufgabe und das über Jahre.
    Ich selbst habe Kinder, würde von diesen aber nie erwarten mich zu Hause zu betreuen, sollte ich mal zum Pflegefall werden, da ich Leute kenne die das machen oder gemacht haben und weiß wie belastend das sein kann.
    Da sorge ich lieber heute für den Fall X vor und verzichte auf etwas Freizeit bzw. Teilzeit.
    Letztlich ist das aber wie vieles eine individuelle Entscheidung. Mir ging es nur darum mal einen realistischen Blick auf das ganze zu geben, damit nicht hinterher das böse Erwachen kommt.

  3. Matthias sagt

    Hallo Zusammen!

    Ich glaube, Daniel hat es ziemlich gut in einem Artikel beschrieben und dem kann ich mich nur anschließen. Vielleicht würde ich noch ergänzen: Es ist, wie bei allen Dingen im Leben, eine Frage des Blickwinkels und hat deshalb natürlich auch immer beide Seiten.

    Es fasziniert mich z.B. selbst immer, wenn ich mich durch div. Blogs klicke und feststelle, von welch faszinierenden Orten auf der Welt die Blogger/innen von heute „arbeiten“, oder ihre Podcast-Folgen aufnehmen. Dabei wird den Lesern und Hören durch diese Berichte natürlich immer suggeriert: „Das kannst du auch, mach es einfach so wie ich.“
    Wie viel Arbeit und wie wenig Freizeit hier tatsächlich dahinter steht, sieht ja keine auf den schönen photogeshopten Bilder. 😉

    Natürlich mag dieses Konzept der digitalen Nomaden, genau so wie das hier beschriebene Konzept der (ich nenne sie jetzt einfach mal 😉 „Finanz-Nomaden“ für einige Wenige funktionieren (die ihr Geld, wie Daniel schon anmerke, auch durch das Internet verdienen und dadurch, dass sie anderen Menschen sagen, wie sie Geld durch das Internet verdienen können – Ein Paradoxon an sich…) aber dies ist ganz bestimmt, und das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, kein praktikables Konzept für einen Großteil der Bevölkerung.

    Meiner Meinung nach ist es die Vielfalt, die das Leben bunt macht. Es wird immer, wie in vorherigen Kommentaren schon geschrieben, „Minimalisten“ (mit 20 Stunden Woche 😉 und „Kapitalisten“ (mit 40 Stunden Woche 😉 nebeneinander geben. Es wird sich vermutlich nicht irgendein „-ismus“ für alle durchsetzten können und auch nie von der Gesamtbevölkerung angenommen und praktiziert werden. Jeder kann seinen eigenen Beitrag zu einer besseren Welt leisten, aber selbst wenn wir uns Alle in unseren Augen „richtig“ verhalten würden, würde das trotzdem bestimmte Mechanismen auf der Welt weder aufhalten, noch umkehren können.

    Dafür sind wir Menschen doch ein wenig (und Gott sei Dank) zu unwichtig…

    Wichtig finde ich, dass ich mein Leben und meine Finanzen so gestalte, dass es für unterm Strich 😉 angenehm und einfach ist. Wenn es einem Menschen vermeintlich „mehr“ Sicherheit gibt für eine (von vielen) möglichen Versionen der Zukunft zu sparen, so sei es ihm gegönnt. Ich überlege mittlerweile auch, weniger zu Arbeiten und dadurch mehr Zeit für mein Leben zu haben (was meiner Meinung nach nicht mit Geld aufzuwiegen ist). Und das kann sowohl der „Single-Minimalist“ als auch der „Familien-Minimalist“ (das Zeit u. a. auch Marco mit seinem tollen Podcast u. Blog) gleichermaßen machen.

    Natürlich braucht es dazu ein gewisses Grundvertrauen und einen Willen zum Leben im Jetzt und nicht ein Leben für irgendwann…

    LG 🙂

  4. Hallo Daniel,
    ich habe diesen Artikel wirklich gerne gelesen. Den ein oder anderen Finanzblog habe ich auch schon gelesen. Einerseits mag es sich verführerisch lesen, andererseits ist es irgendwie auch so grottenlangweilig. Mich in diesen ganzen Aktienwirrwarr einarbeiten? Da werden heute die Aktienpakete im Millisekundentakt verschoben. Wieviel Zeit soll ich denn da investieren, um durchzublicken? Dann in Aktien von Firmen investieren, die auf Maximierung ihres finanziellen Erfolges raus sind und sich nicht um Umwelt und Menschheit kümmern?

    Und das alles, damit ich Freiheit habe? Die kann ich auch so haben. Z.B., wenn ich dann ab und an mittags frei habe und mir genüsslich eine Kaffee genieße, während andere noch arbeiten. Ich bin froh, meine Arbeitszeit reduziert zu haben. Und um Rente kann ich mir zwar lange Gedanken machen, aber ehrlich gesagt: Ich muss erstmal annähernd gesund bis dahin kommen. Das wäre mir mit Vollzeittätigkeit definitiv nie gelungen. Dann gehöre ich zur sog. Babyboomer-Generation. Da ist ohnehin ein Rätsel, wie das funktionieren soll, wenn die alle in Rente gehen. Und: Wenn ich bei Rentenbeginn so ausgepowert bin, dass ich mit der dann höheren Rente einen schicken Grabstein finanzieren kann, das brauche ich auch nicht.

  5. Ich habe mich zuerst mit einem einfachen Leben auseinandergesetzt. Anschließend suchte ich, ein wenig motiviert durch Simplify your Life, einen schlichten und praktikablen Weg, meine Überschüsse zumindest werterhaltend (Rendite >= Inflation) anzulegen.

    Dadurch kam ich letztlich auf den Weg der finanziellen Freiheit. Für mich so definiert, dass meine (bestenfalls) passiven Einkünfte die Ausgaben meines festgelegten, maximalen Lebensstandards decken können.

    Dabei greife ich aktuell auf folgende Einnahmen zurück:
    – Gehalt (nicht passiv)
    – Dividenden (ziemlich passiv; für mich auch in der Verwaltung)
    – Prämien von hauptsächlich verkauften Aktienoptionen (für meinen Geschmack auch noch recht passiv)

    Ich habe diverse Dinge, wie Nischenseiten etc. ausprobiert und muss sagen, dass das wiederum für mich nichts mit einem einfach Leben zu tun hat, denn hier wartet eine Menge Arbeit. Sei es eine ordentliche Landingpage zu bauen, ein eBook zu schreiben, oder ähnliches. Das ist das Gegenteil von dem, was ich erreichen möchte.

    Ja, auf meinem Blog schalte ich Werbung und habe ein paar Affiliate-Links von Amazon. Damit bekomme ich wenige Cents, mit Glück mal einen Euro im Monat.

    Ich habe auch beobachtet, dass viele mit ihren Finanzblogs irgendwelche Coachings oder digitale Produkte verkaufen möchten. Das gibt es im Bereich Minimalismus und vielen anderen Themenfeldern ebenfalls.

    Siehst du es denn negativ sein Geld für sich arbeiten zu lassen? Wenn ja, würde mich der Grund interessieren.

    Sie sind nicht finanziell „frei“, aber sie haben genau das, was sie sich wünschen: frei verfügbare Zeit und genug verfügbares Geld zu leben!

    Ich denke auch, dass genau das die Freiheit ist, die viele anstreben. Wenn man aber durch angespartes Geld einen Puffer im Rücken hat und dieser Puffer eventuell noch ein paar Euro zusätzlich abwirft, kann das für den sicherheitsorientierten Deutschen eine große Hilfe sein, diesen Schritt zu wagen. 😉

    Gruß,
    Marco

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