Finanzen
Kommentare 5

Guthaben

Und nochmals dieser kleine Disclaimer: Im folgendem Text gebe ich lediglich meine eigenen Sichtweisen und Gedanken wieder, die durchaus vereinfacht wurden. Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Text nicht jedem zusagen wird oder kann, da es zu viele verschiedene Lebensweisen und -umstände gibt, die mit dieser Sichtweise nicht in Einklang zu bringen sind. Ich bin kein Finanzexperte (Gott bewahre) und gebe hier ausdrücklich keine Handlungsaufforderungen oder Ratschläge! Jeder entscheidet selbst über seine Finanzen und ist allein für die Ergebnisse und Konsequenzen verantwortlich.

Kurz nachdem ich den letzten Beitrag über das Thema Schulden online gestellte, wurde die Nachrricht über das „Rettungspaket“ für die Republik Zypern durch die Medien getragen. Nach diesem Stand sollten an der „Rettung“ alle Bankguthaben um einen Prozentsatz von 6,7 bei Guthaben unter 100.000€ beteiligt werden. Mir ist neu, dass dies bei bestehenden Währungen passiert. Jedoch ist es in der Vergangenheit schon öfters vorgekommen, dass Guthaben beschnitten wurden, Schulden jedoch blieben Schulden.

Zuletzt passierte dies in unserem Lande bei der Währungsreform 1948. Vereinfacht gesprochen, wurde Guthaben in dem Verhältnis 100 : 6,5 umgerechnet, also 100 Reichsmark wurde zu 6,50 Deutsche Mark umgerechnet.
Schulden verfallen bei einer Währungsreform natürlich nicht. Schulden, in Form von Hypotheken, Schuldverschreibungen oder andere Verbindlichkeiten wurden jedoch in einem Verhältnis von 10 : 1 umgestellt. Bestanden also zum Zeitpunkt der Währungsreform 100 Reichsmark Schulden, so mussten für die Beseitigung 10 D-Mark gezahlt werden. Wäre der Wechselkurs mit dem Guthaben gleich, so hätten nur 6,50 D-Mark zurückgezahlt werden müssen.

So ungerecht eine Abwertung von Guthaben, wie im aktuellen Fall in Zypern, auch sein mag. In solchen Zeiten Schulden zu haben, ist die weitaus schlechtere Situation.
Angenommen ich hätte am Tag der Währungsreform 1948 100 RM in meiner Tasche gehabt, aber würde aber der Bank noch 100 RM Schulden, so hätte ich am Ende 4,50 DM Schulden gehabt.
Hätte ich aber meine Schuld schon vorher beglichen, dann würde ich diese 4,50 DM Schuld nicht besitzen.
Wäre ich schuldenfrei gewesen, so hätte ich am Ende von meinem 100 Reichsmark immer noch 6,50 D-Mark in der Tasche. Besser als nix bzw. -4,50 DM, oder?

Warum erkläre ich das hier so breit?
Zum einen, weil wir schon seit Jahren so an der Grenze einer Währungsreform vorbeischrammen. Immer wieder wurde und wird bezüglich der aktuellen Verhältnisse unserer Währung über Reformen, wie etwa einen „Nord- oder Süd-Euro“ nachgedacht. Sollte etwas in diese Richtung passieren, so würde dies mit den oben beschriebenen Mechanismen durchgeführt werden.
Auf der anderen Seite möchte ich damit zeigen, dass auch so mancher „Ausweg“, der in so manchem Ratgeber zur aktuellen Krise vielleicht gar keiner ist. Grade Immobilien gelten im Moment als „Krisensicher“. Mal abgesehen von den aktuell hohen Preisen, ist eine Finanzierung dieser durch die aktuellen wirtschaftlichen Ereignisse riskant. Vor allem, wenn die Immobilie Finanziert werden muss, also in fast alles Fällen.

Demnach sind und bleiben Schulden, auch unter dem Blickwinkel aktueller Ereignisse, keine vernünftige, „krisensichere“ Entscheidung, sondern sind und bleibt etwas, dem man aus dem Weg gehen sollte.

5 Kommentare

  1. Mark Ritter sagt

    Absolut richtig, leider ist die Meinung „dann sind meine Schulden ja auch nix mehr wert“ recht weit verbreitet.

  2. WolfR sagt

    Na ja, deine Rechnung ist schon etwas seltsam. Die gilt ja nur, wenn jemand gleichzeitig 100 RM Guthaben und 100 RM Schulden hatte. Der hat dann am Ende plötzlich 3.50 DM Schulden.

    Gewinner der Sache ist doch dennoch eindeutig der, der nur Schulden hatte. Insbesondere, wenn er mit dem geliehenen Geld Sachwerte angeschafft hat. Angenommen, er hätte für 10.000 geliehene RM vor dem Krieg ein Haus gekauft, dann müsste er dafür gerade noch 1000 DM zahlen, während der Wert des Hauses gleich geblieben wäre, er ginge also mit einem Gewinn von 9000 DM aus der Sache raus.

    Der brave hauslose Sparer hätte gerade mal noch 650 DM.

    Allerdings ist diese Situation mit dem Euro nicht vergleichbar, da in einem solchen Fall Preise und Löhne ebenfalls umgestellt würden, was ja bei der Währungsreform 48 nicht der Fall war. Löhne, Preise, Mieten wurden ja 1:1 umgestellt. Wären auch die Löhne 10:1 umgestellt worden, hätte der Schuldenmacher nichts gewonnen, da er nun für seine Restschuld von 1000 DM genauso lange hätte arbeiten müssen, wie zuvor für die 10.000 RM.

    Ich spare auch lieber, als Schulden zu machen. Dummerweise muss aber nun einmal irgendjemand bereit sein Schulden zu machen, damit ich überhaupt sparen kann. Und ich kann nur hoffen, dass der seine Schulden dann irgendwann bei mir auch wieder zurückzahlen kann.

    • Knut sagt

      Du musst nicht zwingend so sparen, dass andere Schulden dafür machen. Wenn Du Dich direkt an Produktivkapital (Firmen, Genossenschaften etc.) beteiligst, wirst Du Miteigentümer und kein Gläubiger. Früher (auch im Christentum gab es mal ein Zinsverbot) wurde Vermögen nur über produktive Projekte erwirtschaftet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.