Minimalismus
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Türchen 16 – langsam leben

Heute muss alles schnell gehen. Wir gehen heute schneller als noch vor 10 Jahren. Wir konsumieren mehr, als es uns guttut. Und der Computer soll bitte schon sofort nach dem Anschalten benutzbar sein, hochfahren dauert doch viel zu lange…

Aber muss das sein? Warum muss alles immer schnell gehen? Und immer verfügbar sein?

Im Auto

Die Schnelligkeit wird mir vor allem beim Autofahren immer wieder bewusst. Vielleicht liegt es daran, dass ich nur selten das Auto nutze. Oder vielleicht auch daran, dass ich gerne langsam fahre. (Schon allein, weil mein Auto gar nicht schneller kann…)

Aber was für einen schnellen, aber vor allem gefährlichen Fahrstil viele der anderen Verkehrsteilnehmer an den Tag legen, verwundert mich immer wieder.

Ein Beispiel: Ich stehe an einer Ampel und möchte links abbiegen. Da ich diese Strecke genau kenne, weiß ich jetzt schon, dass wenn die Ampel auf Grün schaltet und ich auf die erlaubten 70 km/h beschleunige, dass ich an der unvermeidlich kommenden nächsten Kreuzung an der nächsten Ampel stehen werde. Schnell habe ich gemerkt, dass wenn ich nur auf 40 km/h beschleunige, ich genau mit dem grün werden der Ampel an dieser ankomme. Ich schone also Umwelt und mein Auto, wenn ich nicht beschleunige, nur um dann unvermeidlich abbremsen zu müssen, um dann wieder aus dem Stand anfahren zu müssen. Trotzdem scheint dies niemand zu machen. Im Gegenteil, ich werde noch von anderen Autofahren deswegen angepfiffen. (Diese rasend dann gerne mit weit über den erlaubten 70 km/h an mir auf der zweiten Spur vorbei, um dann ein paar hundert Meter sowieso abbremsen zu müssen.

Ein weiteres Beispiel, welches mich immer wieder zu einem Kopfschütteln verleitet: Die Autobahnabfahrt. Ich fahre meist nicht wirklich schneller als 100 km/h auf der Autobahn. Denn ich fahre rechtzeitig los und habe Zeit. Ich behindere auch niemanden damit, weil ich peinlichst drauf achte, immer auf der rechten Spur zu fahren. So kommt es aber oft vor, dass bei einer nahenden Abfahrt sich ein Auto hinter mir einordnet, um abzufahren. Oft merke ich schon, dass meinem Hintermann mein Tempo aber zu langsam ist. Kommt dann die Ausfahrt, wird der Beschleunigungsstreifen aber dazu genutzt, um mich zu überholen, nur um dann bei der bei einer Abfahrt unvermeidlichen Kurve an dessen Ende umso härter abbremsen zu müssen. Was soll so ein Verhalten??

Wir können keine Zeit sparen!

Im besten Fall gewinnen diese Menschen durch ihr Verhalten ein paar Sekunden Zeit. Jetzt kann man argumentieren, dass sich diese paar Sekunden im Laufe einer rasanten Fahrt addieren und man vielleicht wirklich einen Zeitvorteil erwirtschaftet. Aber wird diese Zeit nicht durch andere Kosten erkauft? Durch den Mehrverbrauch an Sprit? Durch ein höheres Risiko von Unfällen? Durch Stress?

Ich muss mich nur beeilen, wenn ich meine Zeit falsch eingeplant habe. Das heißt, für mich, dass mein Terminkalender wohl zu voll ist und ich mehr Freiräume einplanen sollte.

Auf der anderen Seite frage ich mich immer, was ich denn mit vermeintlich gewonnener Zeit anfange. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann nutze ich diese wohl eher für oft sinnlosen Konsum (von Fernsehen, Videospiele oder Büchern). Ich persönlich habe mich beispielsweise noch nie dabei erwischt, wie ich schnell nach Hause wollte, um Zeit zum Kochen zu haben…

Die Entdeckung der Langsamkeit

Ein weiterer Irrsinn, dem ich lange verfallen war, ist das schnellere Abspielen von Podcast. Was habe ich mich gefreit, als ich meinen Podcast-Player dazu bringen konnte, Podcast mit 1,3- oder 14-facher Geschwindigkeit abzuspielen. Schließlich spare ich so ja Zeit und kann mehr in kürzerer Zeit hören.

Dumm nur, dass das schneller Abspielen auch anstrengender ist und ich so vieles schlicht überhört oder nicht mitbekommen habe. Und Zeit habe ich dadurch auch nicht “gespart”. Ich habe nur mehr konsumiert.

Ich kam erst spät darauf, dass ich vielleicht lieber an meiner Auswahl von Konsumgütern feilen sollte, anstatt mehr in kürzerer Zeit zu konsumieren.

So habe ich festgestellt, dass ich manche Videospiele nur deswegen gerne spielte, weil ich mit einem Auge und beiden Ohren nebenbei Videos schaute oder Podcasts hörte. Heute spiele ich nur sehr wenige Spiele, bei denen mich die Geschichte wirklich so fesseln kann, dass es mir dabei nicht langweilig wird. Deswegen spiele ich solche Spiele heute auch nicht mehr.

Bei den Podcasts bin ich heute wieder, nach langsamen Schritten zurück, bei der einfachen Geschwindigkeit angelangt. Bei einigen Hörbüchern, welche sehr schnell gesprochen sind, stelle ich die Abspielgeschwindigkeit sogar noch weiter herunter. Das gibt mir Raum zu denken und verarbeitungen des Gehörtem. Einfach nur schnell reinspulen funktioniert halt nicht…

Lebe langsam!

Dies sind zwei Bereiche, in denen ich mein Leben verlangsamt habe. Und ich bin bei Weitem noch nicht dort angelangt, wo ich hinkommen möchte. Dies wurde mir beim Schreiben dieses Textes bewusst. Das langsame Leben scheint ein Bereich zu sein, der sehr komplex und weitläufig ist. Denn ich könnte hier noch viele weitere Dinge aufführen. Dies hebe ich mir aber definitiv für einen späteren Zeitpunkt auf. 😉

In welchen Bereichen lebst Du langsam? Und wo willst Du dein Leben noch weiter verlangsamen?? Ich freue mich schon sehr auf deine Kommentare!

Nicht vergessen: Am kommenden Sonntag, den 17. Dezember 2017  um 17 Uhr finden auf meinem YouTube-Kanal der Livestream von unserem Minimalismus-Podcast statt.

Dort werden wir über ein kleineres Thema sprechen und uns ausgiebig Euren Fragen widmen!

Wir freuen uns sehr, endlich einmal mit Euch live etwas aufzunehmen!!

 

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Hier findest Du weitere Beiträge von:

Keri-Chaotic: kerichaotic.jimdo.com
Michael: www.minimalimus-leben.de

Wenn du auch einen Text zum heutigen Thema des Advendskalenders geschrieben hast, dann verlinke ihn bitte in einem Kommentar unter dem Beitrag. Ich werde deinen Post dann ebenfalls hier im Beitrag verlinken.

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5 Kommentare

  1. Anette sagt

    Schönes Thema, danke dafür.
    Kennst du das Buch “Die Entdeckung der Langsamkeit“?
    Der Wunsch nach dem langsameren Leben in Verbindung mit der Reduzierung der Wochenarbeitszeit war bei mir der erste Schritt in Richtung Minimalismus, ohne dass ich damals diesen Begriff gekannt hätte.
    Ich bin irgendwie unfähig, mich zu beeilen, ob das angeboren ist? Deshalb dürfen meine Tage zwar ausgefüllt, aber nie überfüllt sein. Ausserdem mag ich etwas Abwechslung. Auch wenn ich viel zu erledigen habe, baue ich Trödelzeiten ein, in Form von Hundespaziergängen oder rumsitzen und, wie man zu Ommas Zeiten sagte, “Maulaffen feilhalten“. Diesen ausgestorbenen Ausdruck fand ich schon immer schräg, die Sache an sich umso besser. Macht aber heute keiner mehr.
    Ausserdem versuche ich, nur selten zwei Dinge gleichzeitig zu tun. Das geht bei mir im Alltag aber nicht immer, weil ich viel telefonieren muss und dann kann man das ja prima beim Zwiebeln schälen oder so…
    Zum Thema Autoverkehr: der blanke Irrsinn! Ich fahre allerdings eigentlich gerne Auto (früher auch gerne schnell). Aus einem Urlaub im Rentnerparadies Florida habe ich vor ein paar Jahren die dort übliche Fahrweise mitgebracht und auch wenn ich sie nicht immer beibehalten kann, treibe ich seitdem mit größter Freude gelegentlich andere Verkehrsteilnehmer zur Verzweiflung.
    Viele Grüße und einen geruhsamen Restsamstag, Anette

    • Danke für deinen Kommentar! Das Buch kenne ich leider nicht. Schaue ich mal in der Bücherei nach! Danke für die Empfehlung!

  2. Ohja, da erwische ich mich immer wieder dabei wie ich zum Beispiel beim spazieren viel zu schnell gehe.
    Mein PC-mann meinte letztens auch, da gäbe es aber schnellere Festplatten inzwischen…achja wenn ich die 60,- mal übrig habe, darf er mir die einbauen. Eilt aber nicht 🙂
    Wo ich gelassener wurde ist bei Verspätungen der Bahn. Eine Schlüsselsituaton gab es dabei in Spanien. Ich war in einem abgelegenen Bergdorf und wollte weiter. Alle sagten: ja HEUTE käme der Bus, aber keiner weiß WANN genau. Da saß ich also den ganzen Vormittag am Dorfplatz um den Bus nicht zu verpassen. Ich habe es sehr genossen.
    Und seitdem rege ich mich über die paar Minuten Verspätung der Öffis hier gar nicht mehr auf.
    Langsam ist immer noch das schnellste 🙂
    Schöne Weihnachten!

    • Ich denke wir hetzen so durch die Gegend, weil wir unserem Zweitjob als (Meiden)-Konsum nachkommen müssen. Deswegen ist es auch soo schlimm, wenn der Buss nocht kommt oder Stau ist. Das Leben beginnt ja erst nach dem Heimweg und nicht schon währendessen. Auch hier kann unsere Gesellschaft noch sehr vieles lernen…

  3. Evelyne sagt

    Hallo zusammen! Wegen den Verspätungen rege ich mich nur auf, wenn es schwierig wird mit den Anschlüssen, vor allem spät abends. Ansonsten konnte ich Wartezeiten schon immer gut für meine Träumereien nutzen. Auto fahre ich nicht, denn da muss man bei der Sache bleiben. ^^ LG Evelyne

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