Konsum
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Minimalismus ist unsozial!

Im letzten Video, welches auf meinem YouTube-Kanal erschienen ist, spreche ich über das Thema “Fallhöhe reduzieren”. Dort benutzte ich das Wort “Businesskasper”. Ein Wort, welches ich gerne nutze,, um die Absurdität heutigen Geschäftsgebarens zu beschreiben. Da ich jahrelang selbst sehr gute Einblicke in diese Welt hatte (und mich erfolgreich wehren konnte, selbst ein Teil dieses Kasperletheaters zu werden), fühle ich mich durchaus berechtigt, Kritik in diesem Bereich zu üben.

Die Werbebranche als Beispiel

Seitdem ich dieses Hamsterrad verlassen und mich auch thematisch immer wieder mit den Hintergründen unserer modernen Ökonomie beschäftigt habe, kam ich zu dem vorläufigen Schluss, dass viele der (grade neuen) Berufsbilder da draußen, dem Menschen mehr Schaden, als das sie uns nutzen.

Werbung ist da ein sehr prägnantes Beispiel: Die Werbe- und PR-Branche besteht im Grund nur aus reinem Selbstzweck. Ihre Existenz rührt allein daher, sich selbst zu rechtfertigen. Weitet man den Blick, so stellt man fest, dass Werbung genau das NICHT tut, wofür wir sie halten: Informationen über Produkte zu vermitteln.

Im Gegenteil: Es werden gezielt Desinformationen verwendet, um den Konsumenten zu verwirren und durch Emotionen statt Information zum Kauf anzuregen. (Ich stelle bei meiner Informationsbeschaffung vor einem Kauf immer wieder fest, dass ich für mich wichtige Informationen, wenn überhaupt, nur sehr schwer finden kann.)

Daneben ist Werbung nur für Produkte und Dienstleistungen notwendig, für die kein wirklicher Bedarf besteht. So gibt es keine (Image-)Werbung für Brokolie oder Leitungswasser. Grade in der heutigen Zeit stelle ich immer wieder verwundert fest, dass es viele teuer Produkte gibt, für die ich auch nach sehr langem Nachdenken, keinen wirklichen Nutzen finden kann, egal wie lange ich mich mit den vielen Werbeaussagen auch beschäftige. Diese neumodernen Lautsprecher mit Internetanbindung, die als persönliche Assistenten vermarktet werden, fallen mir aktuell besonders auf. (Diese werden auch in der Folge 44 des Minimalismus-Podcasts von uns erwähnt.)

Die Kritik

Die Kritik an dem Wort „Businesskasper“ (welches übrigens einem Sketch von Bully Herbig entstammt) meiner Zuschauer rührte daher, dass diese „Berufsgruppe“ ja vermeintlich einen sehr großen Teil der Steuern zahlen würde und somit all die vielen Dienstleistungen (wie die städtischen Büchereien oder öffentliche Parks) des Staates oder der Kommunen tragen würden.

Ich kann verstehen, wie man zu so einem Schluss kommen kann. Schließlich sind Büroangestellte in unserer Wahrnehmung eine sehr große Kohorte. Aber durch mein Studium der Psychologie, in dem sehr viel Wert auf die methodische Korrektheit gelegt wird, weiß ich auch, dass solche allgemeinen Wahrnehmungen oft falsch sind. Also fing ich zu recherchieren:

Woher kommen die Steuereinnahmen?

Laut Zahlen aus 2012 der Bundeszentrale für politische Bildung belaufen sich die Einnahmen aus Lohnsteuern bei 149,1 Mrd.€, was mit 24,8% „nur“ ein Viertel der gesamten Steuereinnahmen sind. Was aber trotzdem der große Punkt der Einnahmen der Bundesrepublik Deutschland ausmacht.

Aber schon auf den ersten Blick fällt auf: Die Einnahmen durch Umsatzsteuer sind annähernd genauso hoch. Diese liegen mit 23,7% nur 1,1% niedriger als die Einnahmen durch Lohnsteuern.

Wie viele potenzielle „Businesskasper“ gibt es eigentlich?

Ein Viertel der Einnahmen kommen aus Lohnsteuern. Da drängt sich mir natürlich sofort die Frage auf, wie viele dieser Lohnsteuer zahlenden Menschen überhaupt potenzielle Schlipsträger sind?

Diese Frage ist nicht wirklich einfach oder gar eindeutig zu beantworten. Ich fand bei der Recherche eine Statistik des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Die Tabelle „Berufe im Spiegel der Statistik“ gibt Aufschluss über die Verteilung der Berufe für das Jahr 2011 (und älter):

Nach dieser Statistik fallen 68,1% der Tätigkeiten in den Dienstleistungssektor. Wovon 23,3% auf Sektoren fallen, die eher „gemeinnützig“ sein mögen, wie Erziehung, Unterricht, Kultur, Sport, Unterhaltung, Gesundheits-, Sozialwesen, öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung.

Bleiben also 44,8 potenzielle „Businesskasper“. Wobei in diesen 44,8% Arbeitnehmern alle möglichen Positionen zu finden sind. Die Gebäudepflegerin oder der Facility Manager sind in dieser Zahl ebenso vertreten, wie die Geschäftsführer einer Tieraufbereitungsanlage oder der Abteilungsleiter in einem Automobilkonzern.

Ebenso konnte ich mit meiner bescheidenen Recherche nicht klären, ob diese 44,8% der Arbeitnehmer wirklich auch 44,8% der Lohnsteuern zahlen. Geschweige denn, ob diese gar überdurchschnittlich mit ihren Steuern zum Gemeinwohl beitragen. Dies würde uns wohl nur ein Volkswirt mit dem Zugang zu entsprechenden Statistiken beantworten können.

Minimalismus ist unsozial!

Ich kann also die Aussage, dass „Businesskasper“ den Großteil der Steuern zahlen weder belegen noch entkräften. Das muss ich aber auch gar nicht!

Denn schaue ich mir die bisher zusammengetragenen Fakten an, fällt mir etwas viel Gravierenderes auf: Minimalismus ist ökonomisch gesehen asozial!

Jeder, der sich mit den Kernthemen des Minimalismus beschäftigt, wird schnell darauf kommen, dass es per Definition vorwiegend um die Dinge und den Konsum geht.

Wir befreien uns von Dingen, die wir vermeintlich nicht benötigen und versuchen weniger zu kaufen, um so ein einfacheres, glücklicheres Leben zu führen. Und wie ich selbst weiß, erreicht man genau dies durch weniger Dinge, weniger Konsum und weniger Arbeit.

Aber durch genau diese neuen Verhaltensweisen schaden „Minimalisten“ unserer aktuellen Gesellschaft immens. Denn etwa die Hälfte der Einnahmen unseres Landes kommen stammen aus Arbeit und Konsum. Ich arbeite, also zahle ich Steuern. Und das erarbeitete Geld verkonsumiere ich und zahle wieder Steuern.

Ziemlich vereinfacht: 2014 betrug das mittlere Durchschnittseinkommen in der BRD 3.527€ pro Monat. Demnach betrug der Steuersatz bei 12 Monatseinkommen im selben Jahr etwa 23%. Hinzu kommen, nehme ich die 2016er Zahlen von Destatis zu der Verteilung der Konsumausgaben, 10,07% Umsatzsteuern aus Konsum.

Wie gesagt, ich bin kein Volkswirt und diese Rechnung mag an mehreren Ecken Fehler enthalten und ziemlich ungenau sein. Aber auch wenn ich mich um mehrere Prozent vertan haben solle: Etwa ein Drittel der Einnahmen eines hart arbeitenden Beschäftigten gehen direkt an den Staat.

Ein einfach lebender Mensch schadet unserer Solidargemeinschaft also in zweierlei Hinsicht: Er konsumiert weniger, was weniger Umsatzsteuer bedeutet(, zumal viele lebenswichtigen Dinge wie Wohnen und Nahrung gar nicht oder nur gering besteuert werden). Und zusätzlich arbeitet er weniger, was wieder dazu führt, dass er natürlich auch weniger Einkommenssteuer an den Staat abgibt.

Konsum ist die oberste Pflicht in unserer Gesellschaft!

Und so erklärt sich, warum die oberste Pflicht eines Bürgers westlich-orientierter Staaten der Konsum ist: Durchschnittlich etwa ein Drittel seines Einkommens durch Arbeit geht direkt an den Staat. Und auch wenn es wohl nur 10% in Summe sind, ist die durch Konsum generierte Umsatzsteuer noch bei Weitem wichtiger.

Demnach ist die in den Kommentaren zu meinem Video erwähnt Tatsache, dass „Businesskasper“ den größten Teil der stattlichen und kommunalen Dienstleistungen durch ihre Tätigkeit erwirtschaften schlichtweg falsch. Nicht durch ihre Arbeit werden diese Dinge vermeintlich gezahlt, sondern durch deren Konsum. Da die Umsatzsteuer trotz der kleineren Prozentzahl wesentlich mehr Geld einspielen.

Natülrich mag der Arbeitende mehr Geld verdienen. Aber auch „arme Menschen“ zahlen Umsatzsteuern und tragen somit zu den öffentlichen Ausgaben.

So lässt sich das Argument, dass Karrieremenschen einen überdurchschnittliche Beitrag zu diesen leisten nicht unbedingt halten. Ja, sie haben mehr Geld in der Tasche und können mehr Ausgeben, was wiederum die Summer der Umsatzsteuer steigen lässt. Der Konsum eines reichen Menschen ist jedoch freiwillig. Der „armer Menschen“ wörtlich lebenswichtig.

„Das System implodiert aber, wenn sich jeder nur nehmen und nicht geben würde.“

Wie ich wohl klar dargelegt habe, kann man nicht nur nehmen, ohne zu geben. Auch wenn die Umsatzsteuerausgaben mit den errechneten 10% sehr wenig erscheinen mögen, machen sie doch den größten Teil der Einnahmen der BRD aus.

Das „System implodiert“ also nicht direkt, wenn weniger Menschen arbeiten würden. Dies kann man auch aus vielen Finanzierungsmodellen des Bedingungslosen Grundeinkommens entnehmen, welche ich hier nicht noch zusätzlich wiedergeben möchte.

Das System würde zusammenbrechen, wenn wir weniger konsumieren würden. Deswegen ist es unsere oberste Pflicht zu kaufen! Klar war mir dies bereits vor meinen obigen Ausführungen. Aber erst nach diesen Recherchen verstehe ich nur wirklich, warum dies so ist. Auch wenn meine Zusammenfassung mit Sicherheit an vielen Punkten stark vereinfacht und inhaltlich oder methodisch falsch sein mag.

Wenn man mich also wegen dem Wort „Businesskasper“ kritisieren möchte, dann nicht deswegen, weil dieser mehr arbeitet, sondern weil er mehr konsumiert. Ergo: Ein Mensch, der nicht konusmiert oder konsumieren kann ist das wirkliche Problem!

Aber so kann es nicht weitergehen!

Diese Menschen, die viel Geld mit harter (und sinnentleerter) Arbeit verdienen und es verkonsumieren, arbeiten sehr an ihrem Ruf als gute Bürger. Sie arbeiten aber auch tatkräftig an der Zerstörung der Umwelt, der Verschwednung von Ressourcen und der Ausbeutung von Menschen, grade in den armen Ländern dieser Welt mit, welche unseren billigen Konsum durch ihre viel zu billige Arbeitskraft und Gesundheit erst möchlich machen.

Und so fällt unsere Abhängigkeit von Konsum und Wachstum nun sofort auf. Dies beißt sich aber mit unserem gesunden Menschenverstand, der schon lange registriert hat, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann:

Unser Hyperkonsum vernichtet die Ressourcen unserer Erde schneller als je zuvor und vernichtet systematisch unsere Lebensgrundlagen.*

Zudem macht es uns am Menschen zunehmend kränker. Psychische Erkrankungen aber auch sogenannte „Zivilisationskrankheiten“ schädigen uns als Person immer mehr.*

Und genau aus diesen Gründen erkennen immer mehr Menschen, dass es so nicht weitergehen kann. Und viele versuchen, neue Wege zu finden, mit diesen Problemen umzugehen. Ob dies nun Minimalismus, voluntary simplicity, ein veganes Leben, das Ablehnen von Konsum oder die teilweise Selbstversorgung aus dem eigenen Garten ist.

An dieser Stelle muss ich wieder einmal Björn Kern zitieren:

„Doch einfacher, als mit genesender Wirtschaft dem Menschen zu schaden, wäre es vielleicht, mit geschädigter Wirtschaft als Mensch zu genesen.“

Ich weiß, wie viel Angst Veränderungen machen können. Ich weiß auch, wie groß die Angst vor dem Verlust des erwirtschafteten Standards, privater aber auch gesellschaftlicher Natur, sein kann.

Aber wir brauchen ein neues Wohlstandsmodell (wie es die Stefanie und Carsten vom „Einfach vegan“-Podcast nennen und nicht nur im veganen Leben erkennen)!

Und dieses Modell zeigt Niko Paech in seiner Postwachstumsökonomie auf. Kurz angerissen: Weniger Arbeit, die auf mehr Menschen aufgeteilt wird (20 Stunde pro Woche reichen); viel weniger Konsum; Produkte sollen so lange wie möglich genutzt und repariert werden; Dienstleistungen und Dinge sollten regional getauscht oder verliehen verliehen werden.

Nicht ohne Wachstumsschmerzen

Meine Generation (der Menschen im Alter von 30-40 Jahren) werden wohl die ersten sein, die an die Grenzen des Wachstums gelangen. Und wir werden uns zwingend mit neuen Wohlstandsmodellen befassen müssen.

Dies wird nicht ohne (vermutlich große) Wachstumsschmerzen passieren. Aber ich hoffe, dass die Umwälzungen glimpflich ablaufen werden und nicht in Kriege um die letzten Rohstoffe enden.

Und ja, es ich nicht grade einfach, den gewohnten Lebensstandard und die vielen kleinen und großen Bequemlichkeiten aufzugeben. Aber ich kann auch berichten, dass dahinter kein Leben in kalter Wohnung mit einem Kartoffelsack als Kleidung steht.

Im Gegenteil: Der Gewinn an Lebenszeit durch weniger Arbeit und Konsum wieg bei weitem die vermeintlichen Verluste auf! Und ich kann sagen, dass ein Leben nach den Prämissen der Postwachstumsökonomie ein besseres, glücklicheres und einfacheres Leben ist.

Mehr werde ich zu den möglichen Lösungen unseres gesellschaftlichen Konsumdilemmas an dieser Stelle nicht verlieren. Zu empfehlen sind die diversen Vorträge von Niko Paech, welche man auf YouTube finden kann. Aber auch das Buch „Selbst Denken – Eine Anleitung zum Widerstand“ von Harald Welzer*. Auch die Ausführungen von Hartmut* Rosa* zur „Beschelunigung und Entfremdung“* sollen an dieser Stelle Erwähnung finden. Zu beiden findet man auch gute Vorträge auf YouTube oder einzelne Podcasts.

Am Ende

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich natürlich weiß, warum das Wort „Businesskasper“ vielen so aufstößt. Aber ich hoffe, dass ich zeigen konnte, dass die allgemeine Meinung nicht unbedingt immer der Wahrheit entspricht. Und dass es viel mehr hinter manchen Aussagen von mir steckt, als ich in einem kurzen Satz im Video oder einem Podcast aussagen kann.

Wenn du zu den oben genannten Statistiken Anmerkungen hast, (Denk-)Fehler findest oder weitere Quellen nennen kannst, dann freie ich mich sehr auf einen Kommentar von dir!

 

18 Kommentare

  1. Hallo Daniel,

    toller Artikel. Ich denke auch, dass uns etwas weniger Arbeit nicht schaden würde. Und auch ein gewisses Maß an Konsumverzicht nicht.

    Ich versuche die Möglichkeiten, die unser System bietet zu nutzen, um mich langsam, aber sicher in einen Zustand zu bewegen, in dem ich nicht mehr von einem Einkommen abhängig bin und auch dadurch mehr Freiheit habe. Bei gleichzeitiger Reduzierung des Konsums sollte das mittelfristig möglich sein.

    Letztes Jahr gab ich mein Auto ab und habe unlängst noch weitere Einsparmöglichkeiten gefunden. Jedoch muss ich aufpassen, dass ich nicht zum privaten Businesskasper werde, der sein eigenes Leben ökonomisch optimieren will und dabei vergisst zu leben (davon sind mir auch schon ein paar Downshifter, Minimalisten, Frugalisten, whatever aufgefallen). 😉

    Gruß,
    Marco

    • Hallo Marco!
      Ich kann nachvollziehen, was du mit dem privaten Businesskasper meinst. Ich denke, dass es schon sinnig ist, weniger auszugeben. Aber nicht, um dafür mehr zu sparen. Denn dann ist man wie der „Businesskasper“ in Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Anekdote_zur_Senkung_der_Arbeitsmoral) in seinen Gedanken gefangen.
      Und zum Thema „finanzielle Freiheit“ hatte ich mich ja bereits mal ausgelassen. Einfahc, weil immer wieder sehr junge Menschen dieser Geschichte verfallen sind und bei den Stammtischen hilfe erwarten. Diese mögen zwar beim Minimaliusmus nicht falsch sein. Jedoch ist der Grundgedanke hinterm Minimalismus ein komplett anderer….

      • Hi Daniel,

        da gebe ich dir Recht. Die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral wird oft und gerne auf Minimalismus- und Finanzblogs angeführt. Ich finde diese auch passend.

        Ob die finanzielle Freiheit das höchste Ziel sein muss, da bin ich mir auch nicht so ganz sicher. Es ist aber meines Erachtens nicht schlecht, wenn man einen Teil seines benötigten Einkommens von der Zeit entkoppeln kann. Dafür gibt es diverse Möglichkeiten und ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, die eine oder andere davon für mich zu nutzen.

        Ich kann im Gegenzug das Buch Eine kurze Gesichte der Menschheit von Yuval Noah Harari empfehlen. Dieses habe ich jetzt etwa zur Hälfte durch und konnte mich schon prächtig amüsieren.

        In Zukunft werde ich weiterhin versuchen, den Mittelweg zwischen gesundem Verzicht und fast passiven Einkommensströmen zu gehen. Ich habe einen maximalen Lebensstandard definiert und ab dann fließt alles, was ich an Geld sparen kann in Zeit (sprich Arbeitszeitreduzierung/Downshifting/Lifestyle-Deflation).

        Ob das letztendlich so klappt, weiß ich nur, wenn ich es ausprobiere.

        Gruß,
        Marco

  2. Chris sagt

    Hallo Daniel,
    nüchtern betrachtet ist die Geschichte vom ach so viel leistende „Businesskasper“ sowieso eine Milchmädchenrechnung, wenn wir Ihn in der Werbebranche verorten.
    Letztlich wird der preis für die Werbung 1:1 auf den Produktpreis aufgeschlagen, was letztlich heißt, dass wir alle die den „Businesskasper“ bezahlen und somit auch das, was er vermeintlich für den Staat erwirtschaftet.
    Letztlich ist er aber systemrelevant, da es in unserer Ökonomie zwingend erforderlich ist, dass wir unser Geld ständig für Dinge ausgeben die wir nicht brauchen und ohne Werbung wohl auch nie gekauft hätten.

    • Genau richtig, Chris. Das Beispiel der Werbebranche habe ich nur gewählt, weil ich mich kürzlich mit diesem Thema im Zuge meiner Recherchen beschäftigt hatte und es grade passte. Es wird natürlich in allen bereichen Businesskapser geben…

  3. Jens sagt

    Hallo Daniel, das klingt ja nach einem ziemlichen Rechtfertigungspost. Ich kann deine Gedankengänge verstehen und kenne auch Paech, Welzer & Co und Ihre Theorien. Ich bin ebenfalls dem Minimalismus zugewandt (sonst würde ich hier wohl nicht lesen), allerdings kann ich auch die globale Kritik zum Video verstehen. Allerdings spielt es meiner Meinung nach, zumindest zur Zeit, keine Rolle ob es ‚Minimalisten‘ gibt, die weniger arbeiten oder auf Konsum verzichten, da sie einfach im Vergleich zur breiten Masse, und da spreche ich von Millionen, absolut keine (null) Rolle spielen. Es beeinflusst die Wirtschaft/Gesellschaft schlichtweg nicht, ob ein paar hundert (mehr oder weniger) ab jetzt weniger arbeiten oder nicht mehr oder weniger konsumieren.
    LG, Jens

    • Hallo Jens!
      Da muss ich dir natürlich recht geben. Ob eine paar Leute wenige konsumieren, juckt niemanden. Auch die Steuereinnahmen nicht.
      Aber genau das war ja die Kritik, die in meine Aussagen hineininterpretiert wurde: „Wenn das alle so machen würden…“ Und genau darauf habe ich geantwortet… 😉

  4. Claudia sagt

    Hallo Daniel,
    was für eine Überschrift. Hola, die Waldfee… Haben sich wirklich so viele über den Begriff „Business-Kasper“ aufgeregt? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein echter „Business-Kasper“ (für mich ist, dass jemand, der ohne Skrupel nur aufs Geld-Verdienen aus ist und für seine Karriere sein Gewissen abgibt) Blogs über Minimalismus liest. Aber aufgrund deines Tons in dem Artikel und deiner provokanten These, gehe ich mal davon aus, dass sich einige deiner Leser von dem Begriff „auf die Füße getreten“ gefühlt haben. Ich glaube nicht, dass viele deiner Leser in der Werbebranche arbeiten oder alten Omas Aktien aufschwätzen…
    Also, was stört mehr oder weniger am Mnimalismus interessierte Menschen an dem Begriff? Mich hat es zunächst nicht gestört, eigentlich stört mich der Begriff auch jetzt immer noch nicht – und mich würde auch nicht stören, die Wochenarbeitszeit zu verkürzen (du rechnest 4 Stunden aus, Schweden experimentiert mit 6 Stunden), aber die Wertschätzung von „Arbeit“ in deinem Artikel kommt mir zu kurz. Gut, ich arbeite in einem sozialen Beruf und könnte damit argumentieren, dass ich „wichtige, sinnstiftende“ Arbeit leiste (Naja, auch da kann man drüber streiten, wenn ich mal wieder eine Klassenarbeit korrigiere, die mies ausgefallen ist oder man Himmel und Hölle für einen Schüler in Bewegung gesetzt hat…), aber das greift mir zu kurz.

    Auch, wenn ich oft über meinen Job stöhne (und über die Rahmenbedingungen natürlich) ist das Grundgefühl immer noch da, was ich im Referendariat beim ersten Gehaltsscheck hatte: „Die Arbeit macht so viel Spaß und dafür kriegst du auch noch Geld. Wie geil ist das denn!“ Mein Mann würde auch behaupten, dass ich niemals „nur“ eine 30 Stunden-Woche arbeiten könnte und vermutlich hat er da auch recht…. Aber darum geht es nicht! Bei dir klingt das so, als ob bezahlte Arbeit – bis auf wenige Ausnahmen – nicht sinnstifend und somit auch nicht wertgeschätzt werden müsste. Ich empfinde es umgekehrt, die meiste Arbeit (von Putzfrau über Handwerker bis hin zum Arzt) ist sinnstiftend und viel zu wenig wertgeschätzt.

    Und mir ist in der ersten Stufe auch erst einmal egal, ob Unternehmer XY mit seinen X-Milliarden oder der Konsum von allen mehr oder weniger Geld in die allgemeine Sozialkasse spült oder nicht. Während der eine Konzern seine Steuern aus der „Portokasse“ zahlt oder auch über irgendwelche Briefkastenfirmen vielleicht auch gar nicht, ist es für mich ein wichtiges Gefühl, dass auch ich Steuer gezahlt habe, dafür einige Stunden gearbeitet habe und von diesem Geld z.B. Alleinerziehende unterstützt werden oder der umweltfreundlichere Linienbusverkehr am Laufen gehalten wird. Ja, natürlich sind das in Summen ausgedrückt nur „Peanuts“ – aber ich habe dafür „mitgearbeitet“ und habe schon einiges an Arbeitsstunden dafür geleistet. Und viele andere Menschen auch…

    In der zweiten Stufe, ob das „Arbeits-Hamsterrad“ tatsächlich für viele Leute in dem Tempo laufen müsste und natürlich auch, ob der gesteigerte, oft unsinnige Konsum, nicht zu mehr Arbeit und weniger Lebensqualität führt, gebe ich dir recht. Wenn es nach mir ginge, dürfte die Gehaltsschere zwischen Geringverdienern und Spitzenverdienern nicht so groß sein -1000 Euro maximaler Unterschied fände ich absolut in Ordnung. Warum muss ein Fußballspieler, ein Fernsehmoderator oder ein Abteilungsleiter derart viel verdienen und die Putzfrau (oder auch Putzmann;-) kommt mit ihrem Full-Time-Job nie und niemals über die Runden? Und sorry, ja Fußballspieler oder Fernsehmoderator wäre z.B. auch niemals ein Job, der für mich persönlich sinnstifend wäre – für andere ist es das aber und es gibt ja auch genug Leute, die da gerne zugucken und sich prächtig unterhalten fühlen….

    Musiker, Künstler, Computerspieledesigner (wer hätte gedacht, dass gerade ich das jemals schreibe…;-)) ohne wäre unsere Gesellschaft viel, viel ärmer und auch z.B. die Verwaltungsbeamten muss es geben, wenn wir eine Chance haben wollen, als Gesellschaft gemeinsam funktionieren wollen. Ich brauche auch Verkäufer und Verkäuferinnen, die mich hoffentlich ehrlich und fair beim nächsten Waschmaschinenkauf beraten. Verzichten kann, meiner Meinung, die Gesellschaft aber locker auf Aktienhändler oder z.B. BWLer, die immer noch nach der Milchmädchenrechnung vom unbegrenzten Wachstum agieren. Das ist jetzt ein weites Feld….

    Also, um es kurz zu machen, ich kann Teile deiner Argumentation nachvollziehen. Aber das klingt mir zu sehr nach schwarz und weiß und die Überschrift klingt ganz schön nach „Bild-Zeitung“. Ich habe schon verstanden, du willst mit deinem Artikel provozieren, die Leute zum Nachdenken anregen, …aber wie ich dich kenne, auch ehrliches Feedback erhalte.
    Also, bei mir hast du auf jeden Fall was ausgelöst, sonst hätte ich ja nicht den Abend verbracht dir zu schreiben – Mission also geglückt;-). Ich gebe den „Ball“ also hiermit zurück.
    Liebe Grüße Claudia
    P.S. Wenn es nach mir ginge, würde die Putzfrau/der Putzmann 1.000 Euro mehr bekommen als der Fernsehmoderator oder der berühmte Fußballspieler, da ich diese Arbeit viel „wichtiger und sinnvoller“ halte. Das nur zur Ergänzung…

    • Liebe Claudia,
      vielen Dank für deinen langen Kommentar! Ich war mal so frei und habe diesen in einen zusammengefasst.
      Meine Wertschätzung der Arbeit kommt deswegen zu kurz, weil potentielle „Businesskasper“ eher in Branchen arbeiten, die nicht grade dafür bekannt sind, die Welt zu retten. Eher das Gegenteil ist der Fall. Schaue ich mir mal die diversen Branchen an, dann muss ich leider zu dem Schluss kommen, dass nur gearbeitet wird, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Und nebenbei verschwendet es wahnsinnig viele Ressourcen. Die Werbebranche war da nur ein Beispiel.
      Zudem stellt sich die Frage, ob denn diese immense Vielfalt an Dingen überhaupt notwendig ist. Klar, wir sind mittlerweile dran gewöhnt und würden es als schlimm empfinden, wenn die Wahlmöglichkeiten abnehmen würden. Aber psychologisch erwiesen ist das Gegenteil. Die Auswahl bereitet uns nicht unbedingt ein besseres Leben. Sie dazu Barry Schwartz.
      Es ist schwierig mein ganzes Hintergrundwissen in einen kleinen Artikel zu packen, ohne dass sich darauf Fragen ergeben. Das im Text verlinkte Buch von Stephen Emmott – 10 Miliarden (wozu es auch eine Dokumentation gibt) sei hier nochmals zu erwähnen. Genauso wie die nicht humorfreie Doku „Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“.
      „Warum muss ein Fußballspieler, ein Fernsehmoderator oder ein Abteilungsleiter derart viel verdienen…?“ Ganz einfach: Weil diese mehr Geld erwirtschaften als sie kosten. Und genau hier liegt das Problem. Die erwirtschaften auf Kosten der Umwelt und anderer Menschen Geld. Und oft sind die Produkte und Dienstleistungen, die erschaffen werden, dem Menschen nicht dienlich.
      Frage dich selbst einmal bei einem beliebigen Produkt, warum es denn hergestellt worden ist. Nur ein Bruchteil all der vielen Dinge sind da, um unser Leben zu bereichern. Werbung spielt hier die Rolle uns dennoch zu überzeugen, dass das Produkt unser leben „besser“ macht.
      Produkte werden nur erschaffen, um den Herstellern mehr Geld zu erwirtschaften!
      Mit unserer Arbeitskraft ist es ja nicht anders. Wir bieten diese auf dem Arbeitsmarkt an und erhalten dafür Geld, damit wir unsere Rechnungen bezahlen können und im besten Fall uns mit schönen Dingen und Dienstleistungen ein „besseres“ Leben zu ermöglichen.
      Nur definieren die meisten Menschen heute ein gutes Leben mit mehr Geld und mehr Konsum. Alles in allem ein Teufelskreis.
      Und ohne es zu wissen gibst du mir auch recht, weil ich in meinem Text die von dir erwähnten Verwaltungsbeamten (und weitere Berufsgruppen) bewusst ausgeklammert habe.
      Die von dir angesprochenen Kulturschaffenden sind natürlich sehr wichtig für uns als Menschen. Allerdings ist es leider so, dass diese oft nicht von ihren Künsten leben können. Vor allem auch deswegen, weil wir heute mehr den je nicht mehr dazu bereit sind, diese angemessen zu bezahlen. Das gibt im Übrigen auch für Ärzte, KrankenpflegerInnen, Erzieherinnen, LehrerInnen etc.. Also Berufsgruppen, die wirklich etwas für die Menschen tun.
      Und zu guter Letzt: Ich bin halt nen kleiner Klugscheißer. Der Text ist nur entstanden, weil mir offensichtlich falschen Argumentationen versucht wurde, mir an den Karren zu pissen. Deswegen habe ich das im Text richtig gestellt und darauf verwiesen, wie man mir denn bitte argumentativ korrekt vor den Bug schießen kann… =P
      Ich gebe zu, dass es oft schwer ist, bestimmte Aussagen von mir richtigeinzuordnen. In den letzten 2 Jahren hat sich mein Leben so radikal geändert und so habe ich komplett andere Sichtweisen entwickeln können.
      Weil ich aus manchen Zwängen befreit wurde und so überhaupt erst anders denken kann. Mein Konsumbuch soll ein Versuch sein, dies alles richtig einzuordnen. Und dieser Artikel wird ein kleiner Teil dieses Buches sein. Nur ist das Thema und die Zusammenhänge viel zu komplex, um sie in einem Artikel zusammenzufassen.
      Und zudem hat das Gehirn natürlich die wunderbare Funktion, sich gegen schädliche Gedanken und Ansichten für das eigene Leben zu wehren. Deswegen kann ein Businesskaper gar nicht anders, als anders zu denken. Die meisten Menschen stecke zu tief in unserem ökonomischen System, um anders handeln zu können. Denn wenn man schon die eigene Arbeit in frage stellt, führt die nicht grade zu einem wohligerem Leben. Aber dazu an anderer Stelle mehr…

  5. Claudia sagt

    Hallo Daniel,
    deine Argumentationskette und deinen Gedankengang kann ich nachvollziehen und besonders interessant beim Diskutieren und Weiterdenken wird es, meiner Meinung nach, immer dann, wenn man die Dinge nicht mehr nur an eindeutig „guten“ oder „bösen“ Beispielen durchdenkt. Ich werde also versuchen Beispiele zu finden, die nicht nur einfach schwarz und weiß sind. Bleiben wir beim Begriff „Businesskasper“. Ich habe dich so verstanden, dass für dich „Businesskasper“ also eindeutig z.B. der Banker ist, der Omas zu risikoreichen Geldanlagen überredet oder der Werbestratege, der uns dazu bringt, den letzten Scheiß zu kaufen, aber nicht alle Menschen, die einen bezahlten Beruf nachgehen und somit aber auch irgendwie im Hamsterrad „Arbeit – Geld – Konsum“ stecken. Ganz konkretes Beispiel: Ich bin Lehrerin in Vollzeit, muss offiziell 42 Stunden arbeiten, aber wie viele engagierte Lehrer komme ich auch oft – trotz mitgerechneter „mehr“ Ferienzeit- auf eine 50-Stunden-Woche … „Karriere“ will ich keine mehr machen, ich bin im Klassenzimmer sehr glücklich – dennoch, wie viele Extra-Stunden und Projekte habe ich im Referendariat gemacht, danach, um dann endlich doch einen festen Job an einer Schule zu bekommen oder dann vielleicht doch noch verbeamtet zu werden. Mit damals noch kleinen Kinder ein Balance- und ein Kraftakt. Sicher, da ist auch ganz viel ehrliches Engagement… Aber oft hätte ich gerne auch mehr Zeit für meine eigene Kinder gehabt. Also, doch Businesskasper?! Jetzt sind meine Kinder selbst erwachsen und rollen immer noch genervt die Augen, wenn selbst abends um 9 Uhr noch eine besorgte Mutter anruft oder eine Kollegin noch dringend etwas klären muss. Zudem arbeite ich zu 90% immer auch noch Samstagsvormittag von ca. 8 – ca. 13.30 Uhr. Und da bin ich als Lehrer überhaupt kein Einzelfall. Also, bin ich ja wohl nach meiner eigenen Überlegung und Betrachtung doch auch irgendwie ein „Businesskasper“… Hinzu kommt, dass man viele Dinge nicht mehr selber machen kann, weil man ja mit „Arbeit, für die man Geld bekommt“ beschäftigt ist. Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen haben eine Putzfrau. Ich nicht – aber ich habe eine Mittags-Hundefrau bzw. bezahle eine Hunde-Tagesstätte, weil ich ja den ganzen Tag in der Schule bin (und mein Mann mittlerweile auch kein Schichtdienst mehr arbeitet, sondern ebenfalls normale Bürozeiten hat). Eigentlich verrückt, ich bezahle andere Leute von Mo – Fr, damit sie mit meinen Hunden Gassi gehen, obwohl natürlich eigentlich ich mit ihnen die frische Luft draußen genießen sollte… Klar, Luxusproblem – aber unsere Hunde gehören zur Familie, auch, wenn sich unsere berufliche Situation so im Laufe der Jahre verändert hat, dass wir eine „Hundefrau“ brauchen. Mit unseren eigenen Kinder haben mein Mann (damals noch Schichtdienst) und ich (damals Studium bzw. damals war die Schule noch Halbtagsschule und ich habe viel auch „nachts“ oder schon morgens um „5 Uhr“ gearbeitet) noch abwechselnd mit der Betreuung hingekriegt – dafür haben wir zwei uns aber relativ selten zu Gesicht gesehen… Also, doch Buisnesskasper! Bei meinen jüngeren Kolleginnen (und Kollegen) sehe ich die Situation ähnlich – da arbeitet „Mama“ dann auch hauptsächlich, um die Tagesmutter zu bezahlen… Wir sind also bei einen der Kernfragen des Minimalismus – nicht nur die „bösen“, eindeutigen Buisnesskasper. Wer nicht als Selbstversorger und Aussteiger irgendwo in der Pampa sitzt, hat vermutlich sein mehr oder weniger großes eigenes „Buisnesskasper-Hamsterrad“ bei sich …

  6. Claudia sagt

    Minimalismus ist unsozial! Klar, du hast das extra so provokant formuliert, um zum Nachdenken anzuregen. Klar, Minimalismus ist sozial – zu 90% beschäftigen sich Menschen damit, die u.a. auch wichtig finden, dass sie nicht die Ressourcen der Welt und der nachkommenden Generation verbrauchen. Hoch sozial! Hinzu kommt: viele Minimalisten sind sehr soziale Wesen, die an Austausch interessiert sind: Tauschbörsen, Arbeitspunkte-Nachbarschaftssysteme, Stammtische, Blogs…. 😉 Gut, darüber brauchen wir nicht diskutieren und du hast auch sehr gut dargelegt, wie bestimmte Aspekte des Minimalismus, der bewusste Konsumverzicht und das zumindest teilweise Aussteigen aus der Arbeitsspirale das bestehende Arbeit-Geld-Konsum-System unterlaufen. Deine Argumentationskette mit dem Schluss: „Minimalismus ist unsozial“ kann ich nachvollziehen. Den Schluss, den man danach ziehen muss, (bleibt man beim „Schwarz-Weiß-Denken“) ist eigentlich: Konsum ist unsozial und schädlich. Ne, eigentlich kann ich das so schon gar nicht stehen lassen: Übertriebener Konsum ist unsozial und schädlich. Eine Kernthese des Minimalismus, die ich in der zweiten Form, gerne sofort mit unterschreibe. Knackpunkt ist also, und darum drehen sich ja viele der Blogs und Diskussionen, welcher Konsum ist (noch) „okay“, welcher nicht mehr… Ab wann wird man zur ungenießbaren Spaßbremse, zu nervigen Ökotante, ab wann beschneidet man seine eigenen Bedürfnisse so sehr, dass man eigentlich nicht mehr „lebt“, sondern nur noch einem „strikten Plan“ folgt?

  7. Claudia sagt

    Gibt es auch Fälle, wo „Konsum doch auch sozial ist“? Die Frage habe ich den ganzen Tag mit mir rumgetragen… Ich glaube ja. Die Kernidee des Minimalismus ist klar und unterstütze ich voll. Ich bin aber eher ein „Bunt-Denker“ statt „Schwarz-Weiß-Denker“ und da ich denke, dass du auch Spaß am „noch Weiterdenken“ hast, versuche ich meine Gedanken zu den Randgebieten des Minimalismus, da wo es knirscht, da wo es spannend wird, zu ordnen. Also, Punkt 1. Ich war letztens in einem Theaterstück: Revolution – Alles wird gut. Was muss man können, um die Welt zu retten? Als alte „Ökotante“ mit WG und Kommune-Erfahrung und die ständig dabei ist „irgendwie die Welt zu retten“ waren mir viele Ideen und Anregungen aus dem Stück schon bekannt, aber zum Nachdenken haben mich die vielen Zahlen gebracht, dass die Welt zwar bei weiten nicht perfekt ist, aber dass viele Dinge sich in den letzten 200 Jahren deutlich verbessert haben: Sieht man sich die Zahlen genau an, gab es nie weniger Kriege z.B. in Europa als jetzt, gab es nie mehr soziale Absicherung, wurden die Menschen auch weltweit gesehen statistisch nie älter als jetzt. Mehr Menschen können lesen und schreiben usw. Durch Medien und Co. sind wir darauf getrimmt immer nur das Schlimme zu sehen, selten das, was gut läuft. Ich stelle jetzt mal die für Minimalisten provokante These auf: Konsum ist (auch) sozial und ohne Konsum geht es auch nicht. Nur Tauschen oder sich immer nur einschränken (müssen) ist auch doof.
    2. Denkanstoß, den ich erhalten habe: Eine Dokumentation in Venezuela. Klar, die Sache ist komplizierter, aber Fakt ist, die Regale in den Supermärkten sind dort seit einigen Jahren ziemlich leer. Alles ist ultimativ teuer und man kommt auch kaum noch an Waren. Froh ist, wer selber etwas Obst- und Gemüse anbauen kann, wer Dinge zum tauschen hat… Eine entfernte Bekannte war in Südamerika zwei Jahre Hebamme und sie sagt, dass sie es wieder genossen hat hier in Deutschland einfach alles wieder so kaufen zu können. Ja, bin ich auch – erst recht mit den Bilder aus Venezuela im Kopf. Einkaufen ist doch nicht so blöd….
    3. Denkanstoß: Sabine S. aus Österreich und Minimalismus-Bloggerin hat gerade ihre persönliche No-Buy-Challenge gestartet. Ich habe die Überschrift gesehen, aber mir das erst mal nicht angesehen … Andere Dinge waren da erst mal interessanter für mich. Am nächsten Tag habe ich gemerkt, wie mich das doch beschäftigte: Nix mehr kaufen? Wie macht die das denn? Die lebt doch in einer Stadtwohnung. Da ist doch nix mit Anbau im Garten und Selbstversorgung… Also, am Abend doch das Video angeschaut…

  8. Claudia sagt

    Aha, no-buy heißt also Lebensmittel einkaufen ist doch okay. Auswärts einen Kaffee-Trinken auch okay und, wenn ich richtig verstanden habe, geht ein Gegenstand oder ein Kleidungsstück kaputt, kann nicht aus dem eigenen Bestand „nachbesetzt“ werden und ist aber „lebenswichtig“ dann auch okay. Aha, no-buy-Challange ist also doch anders als ich mir vorgestellt habe. Ich war eher auch bei der Selbstversorgung. Dazu muss ich sagen, ich komme vom Bauernhof, meine Großeltern war die Kriegsgeneration, die noch viel selbst improvisieren musste… Ich habe als Kind noch „Selbstversorgung“ miterlebt – meine einen Großeltern haben sich schätzungsweise zu 80% selbstversorgt, die anderen Großeltern bzw. meine Familie als ich Kind war schätzungsweise zu 40%. Ich kenne noch die „Einmach-Sessions“, das Bohnen-Schnibbeln-Einkochen, Petersilie hacken und einfrieren, die Hausschlachtungen, das Obst ernten und Marmelade-Kochen, das Gänse-Mitrupfen usw. Die hauseigenen Kaninchen habe ich nicht gegessen, die Gänse oder Hühner jedoch waren unwiderstehlich, selbstgekochte Marmelade ist immer noch die Beste und ich habe auch gerne beim Gemüse putzen zum Einfrieren geholfen. Aber bei aller „Bauernhofromantik“ – das ist insgesamt harte Arbeit, oft Knochenarbeit. Man muss eigentlich Allrounder sein und auch Glück haben, dass z.B. die Witterung mitmacht. Wer mal 3 Stunden beim Rübenhacken geholfen hat, der kann trotz „Ökogewissen“ absolut nachvollziehen, warum die Großeltern damals den Einzug der Pestizide und der Kunstdünger gefeiert haben … Zudem habe ich einen langen Kommune-Winter mit Anfang 20 im Gedächtnis – immer nur Kartoffeln mit Kohl, Porree und Möhren. Da feiert man jeden Lagerapfel, den man noch von irgendwo geschenkt bekommt, und auch die wöchentliche Lieferung des einen kg fair gehandelten Bananen … Erdbeeren im Winter sind echt Quatsch und kauf ich nicht, aber ehrlich, ich bin froh, dass ich im Supermarkt auch mal ne Salatgurke oder Tomate kaufen kann …

  9. Claudia sagt

    Nächster Denkanstoß: Vor ca. vier Jahren habe ich eine Sendung gesehen über Landwirtschaft in Deutschland. Auch, weites kompliziertes Feld…. Aber Kernaussage: Alle wollen möglichst gesunde Bio-Lebensmittel. Alle wollen „Bauerhof-Romantik“. Die Realität sieht oft anders aus. Ein Bio-Hof zu führen ist viel, viel Arbeit – alle müssen mit anpacken, man braucht viel Know-How, der Stundenlohn ist umgerechnet mehr als bescheiden… und der Bauer trägt trotzdem das volle Risiko: Wetter, Tierkrankheiten, … Die konventionelle Landwirtschaft liefert aber aufgrund der Niedrigstpreise die meisten unserer Nahrungsmittel. Das sind keine Bauernhöfe mehr, das sind Fabriken mit allen Konsequenzen für Tier, Mensch und Umwelt. Klar, das wusste ich schon vorher. Ich komme ja aus dem Umfeld… Dennoch: seitdem bestelle ich wieder die regionale Bio-Obst- und Gemüsekiste. Ich will Bio-Landwirtschaft bei mir in der Region; ich will daneben auch Platz für „echte Natur“. Kaufen kann auch ökologisch und sozial sein!

  10. Claudia sagt

    Letzter Denkanstoss: Milchkrise. Mein Bruder arbeitet im Landmaschinenhandel und betreut ein großes Gebiet von Landwirten. Als die Milchkrise auf ihrem Höhepunkt war, haben sich innerhalb von 10 Tagen, vier seiner Kunden, alles Landwirte, die er sehr gut kannte und die er seit Jahren betreute, selbst umgebracht. Alles durch die „moderne“ Landwirtschaft getriebene und völlig überschuldete Bauern, die den Quatsch mit den Konzept der „Milchfabriken“ mitgemacht haben. Alles Männer, die aus alten Bauernfamilien stammten, wo der Hof über Jahrhunderte weiter an die nächste Generation weitergegeben wurde. Männer, die sich überreden lassen haben, bzw. auch schon deren Elterngeneration, statt 20 Kühe – nicht 200 Kühe- sondern Ställe für 500/800 Kühe zu bauen, Melkkarusell usw., Millionenkredite, immer weiter expandieren, … Und der Liter Milch kostet für uns Verbraucher eigentlich fast nix….. Klar, viele überzeugte Minimalisten sind Veganer. Ich nicht, da ich mit Genuss Milchprodukte esse und weiß, dass es auch anders geht: für Tier, für Mensch und für die Umwelt. Da kaufe ich doch mit Überzeugung teure, regionale, selbstvermarktete und faire (Bio-) Milchprodukte. Konsum kann ganz schön „sozial“ sein! So genug „Ökotanten-Gequatsche“ für heute!
    Also, lieber Daniel. Ich hoffe, ich konnte deine schwarz-weiß-These etwas bunter machen und freue mich schon aufs nächste „Weiterdenken“.

  11. chaoskaempferin sagt

    Hi Daniel,
    Deine Überlegungen hinsichtlich Business Kaspern hinken in einem wesentlichen Punkt:
    Die Aussage, für Wohnen entstünden keine Steurzahlungen ist schlicht falsch.
    1. Müssen (Wohn-)häuser, errichtet, gepflegt, instandgehalten, saniert, den Bedüfnissen ihrer Bewohner angepasst, umgebaut… werden.
    Die Baubranche, die damit ihre Brötchen verdient, schafft natürlich Arbeitspläze und alle Beteiligten zahlen natürlich auch Steuern.
    Jetzt könnte man sich natürlich in einer Detailanalyse verlieren, welche Arbeitsplätze in der Baubranche eher überflüssig im Sinne von Business-Kaspern und welche sinnvoll sind. Aber ich würde jetzt mal behaupten, die „Sinnlos-Quote“ liegt in dieser Branche relativ niedrig. Wohnen ist schließlich ein Grundbedürfnis.
    Am Beispiel des Hausbaus kann man auch gut darlegen, wie problematisch ein generelles Verurteilen von Konsum sein lann.
    Jemand der heute neu bau baut im Regelfall wesentlich umweltfreundlicher, schon weil ihn die ENEV (Energieeinsparverordnung) dazu zwingt. Ist das jetzt „böser“ oder „guter“Konsum?
    Bestandsbauten sind meist wesentlich ressourcenverschwendender (gar nicht bis schlecht gedämmt – nicht selten mit toxischen Altlasten behaftet) und die Sanierung ist häufig nicht so gut machbar, wie komplett neu zu bauen. Es ist gar nicht so einfach, abschließend festzustellen, ob ein Abriss/Neubaau nicht letztendlich ölologisch sinnvoller als eine Sanierung sind (häufig ist ees noch nichtmal einfach festzustellen, was wirtschaftlicher wäre)
    Gerade bei Grundbedürfnissen, wei „wohnen“ oder „Essen“ ist nicht konsumieren schlicht nicht möglich. Weniger oder ökologischer konsumieren allerdings schon. Da ökologisch sinnvolle Alternativen häufig teurer sind, als „herkömmliche“ ist nicht der Konsum an sich (im Hinblick auf das ausgegebene Geld) das Problem also nicht nur das „wieviel“ sondern viel mehr das „was konsumiere ich?“.
    Insofern ist Minimalismus für mich dann asozial, wenn jemand sich rühmt, nichts zu besitzen – z. B. keine Wohnung, aber dann im Jahr als digitaler Nomade zig km im Flieger zurücklegt und wer weiß wo unterkommt.
    LG

  12. Öko-Theosoph sagt

    Ein Mensch sollte seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Es ist wichtig, gesundheitsbewusst zu leben und sich unegoistisch zu verhalten. Es ist sinnvoll, die körperliche Leistungsfähigkeit zu vergrößern, diverse Herausforderungen zu meistern, die Natur zu schützen usw. Und dann sollte man sich morgens unmittelbar nach dem Aufwachen auf einen Wunsch konzentrieren und sich (nochmal) in den Schlaf sinken lassen. Durch Traumsteuerung (oder im halbwachen Zustand nach dem Aufwachen) kann man zu mystischen Erfahrungen (und Heilen wie Jesus) gelangen. Der Mensch (genauer: das Ich-Bewusstsein) kann mystische Erfahrungen nicht bewirken, sondern nur vorbereiten. Bestimmte Meditations- und Yoga-Techniken, Hypnose, Präkognition usw. sind gefährlich. Traumsteuerung ist auch ohne luzides Träumen (das u. U. gefährlich ist) möglich. Man sollte sich nur dann einen luziden Traum wünschen, wenn man durch Traumdeutung herausgefunden hat, dass man dafür die nötige Reife hat. Oder man kann sich vor dem Einschlafen wünschen, dass sich nur Dinge ereignen, für die man die nötige Reife hat. Es ist gefährlich, während eines luziden Traumes zu versuchen, den eigenen schlafenden Körper wahrzunehmen. Luzide Träume dürfen nicht durch externe Reize (Drogen, akustische Signale usw.) herbeigeführt werden. Man kann sich fragen, ob eine echte (nicht nur eine eingebildete) Zeitdehnung in Träumen möglich ist. Zudem, wie sich Schlaf-Erlebnisse von Tiefschlaf-Erlebnissen (und Nahtod-Erlebnissen usw.) unterscheiden. Die Bedeutung eines symbolischen Traumgeschehens kann individuell verschieden sein und kann sich im Laufe der Zeit ändern.
    Es bedeutet eine Entheiligung der Natur, wenn Traumforscher die Hirnströme von Schlafenden messen. Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung der Beschaffenheit des Willens seinen freien Willen verliert. Zudem besteht die Gefahr, dass ein Mensch verrückt wird, wenn er sich fragt (wie schon vorgekommen), ob das Leben nur eine Illusion ist. Das Leben ist real. Es kann in Teilbereichen auf wissenschaftlichen (und technischen) Fortschritt verzichtet werden. Es ist z. B. falsch, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Man sollte möglichst dort wohnen, wo man arbeitet (in Verbindung mit wirtschaftlicher Subsidiarität). Dadurch werden viele Privatfahrzeuge (nicht Firmenfahrzeuge) überflüssig. Es ist sinnvoll, überflüssige Dinge (nicht-leistungsgerechte Vermögen, Kreditwesen, Werbung, Urlaubsindustrie, Luxusgüter, Rüstung usw.) abzuschaffen. Der MIPS muss gesenkt werden (Regionalisierung senkt Transportkosten, ein Öko-Auto fährt über 50 Jahre, ein 1-Liter-Zweisitzer-Auto spart Sprit usw.). Ein Mensch kann im kleinen und einstöckigen 3-D-Druck-Haus (Wandstärke ca. 10 cm) mit Nano-Wärmedämmung wohnen. Wenn die Menschen sich ökologisch verhalten, kommt es zu einer günstigen Erwärmung im Winter. Denn das Klima ist (so wie das Leben) in der Lage, sich positiv weiterzuentwickeln. Außerdem muss man bedenken, dass vielleicht nicht immer Menschen auf der Erde geboren werden müssen, sondern sich in anderen Dimensionen entwickeln können. In der Medizin sollte u. a. die Linsermethode gegen Krampfadern (auch dicke) eingesetzt werden. Es ist wichtig, den Konsum von tierischen Produkten (und Süßigkeiten und Eis) zu reduzieren oder einzustellen. Hat man eine bestimmte Reife, kann man sich vegan ernähren oder von Urkost ernähren (oder sogar fast nahrungslos leben). Es ist sinnvoll, das Renteneintrittsalter abzuschaffen (es gibt kein biologisches Altern). Die berufliche 40-Stunden-Woche kann durch die 4-Stunden-Woche ersetzt werden (Lohnausgleich erfolgt nur zu einem kleinen Teil). Wenn die Menschen sich richtig verhalten, werden die Berufe zukünftig zunehmend und beschleunigt (!) beseitigt.

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