Es sich leisten können

Viele schnelle Käufe werden unüberlegt getätig. Darauf zielt Werbung im Allgemeinen und das Verpackungsdesign im Kaufhaus im Speziellen ab. Wir sollen zum Kauf verführt werden. Soweit nichts wirklich neues.
In den letzten Woche ist mir, unterwegs in den Einkaufsstraßen mit ihren vielen Geschäften, immer wieder eine Phrase durch den Kopf gesprungen, die zentral für einen Spontankauf ist.

Warum eigentlich nicht? Eigentlich kann ich es mir ja leisten.“

Damit sind nicht mal große Teile gemeint, sondern eher die vielen kleinen Verlockungen im Alltag. „Diese Zeitschrift sieht doch interessant aus.“ „Das Deo riecht aber gut.“ „Diese leckere weiße Schokolade habe ich mir schon lange nicht mehr gegönnt.“”Was macht es schon, eine Hose mehr zu besitzen?” oder „Warum sollte ich jetzt auf einen kleinen Hamburger verzichten, wenn ich doch leichten Hunger habe?“
Diese und ähnliche Gedanken schossen mir bei einzelnen Produkten durch den Kopf. Mal bin ich schwach geworden, mal auch nicht. Aber grade der Verzicht fordert eine Menge Aufmerksamkeit und Willensfähigkeit.
Wenn ich kleinen Verführungen nachgebe, stelle ich schnell fest, dass es in der Summe gar nicht mal so wenige sind. Die einzelnen Ausgaben, Belohnungen und Spontankäufe läppern sich und am Ende eines (schwachen) Tages sind es gar nicht mal so wenige.

Aber wie kann ich diesen Käufen aus dem Weg gehen?

  • Aus dem Weg gehen ist schon mal ein guter Schritt. Wenn ich nicht in einem der modernen Konsumtempel unterwegs bin, kann ich auch nix kaufen.
  • Wenn ich aber nun dort hin muss, ist die gute, alte Einkaufsliste immer noch das beste Mittel gegen den spontanen Kauf. Rein ins Geschäft, das einpacken, was gebraucht wird und wieder raus. Kurz und schmerzlos.
  • Werbung gehe ich persönlich, da wo ich es kann (TV, Internet, etc.) aus dem Weg. Auch wenn natürlich jeder behautet, dass Werbung grade bei ihm nicht funktionieren würde, so ist es doch psychologisch erwiesen, dass sie funktioniert. Sonst wären Unternehmen wohl nicht bereit dafür hunderte Millionen Geldeinheiten dafür auszugeben.
  • Ferner lohnt es sich, die eigenen Gewohnheiten mal unter die Lupe nehmen. Welche Sachen kaufe ich regelmäßig? Brauche ich diese überhaupt? Oder suche ich regelmäßig, vielleicht sogar aus Langeweile, Geschäfte auf, die mich zum Kaufen anregen (Zeitschriftenläden, Supermärkte, Shoppingmalls im allgemeinen)?
  • Und zu guter Letzt, sollte einfach mal „Nein!“ gesagt werden. „Nein, ich brauche diesen Schokoriegel jetzt nicht.“ „Nein, ich habe noch genug Bücher zu lesen.“ oder „Nein, ich besitze schon genug Zeug in meiner Wohnung (oder der Küche, im Kleiderschrank, etc.).“

An diesem Punkt möchte ich auch nochmal auf die „drei goldenen Regeln“ von Isabell hinweisen, über die wir auch schon im Minimalismus-Podcast gesprochen haben.

Wie geht Ihr mit Spontankäufen um? Ärgert Ihr Euch auch manchmal drüber? Welche Strategien habt Ihr dagegen entwickelt?

Die Datenfresser

Gestern wurde ein Urteil des Landgerichts Frankfurt an mich herangetragen, welches darauf abziehlt, dass ich als Webseitenbetreiber auf sämtliche Trackingmaßnahmen explizit hinweisen muss. Tracking heißt für diese Seite und die meisten anderen Blogs, aus reinem interesse die Besucherzahlen zu messen. Um dies nun weiter rechtmäßig tun zu dürfen, würde ein Hinweis im Impressum dazu nicht mehr ausrechen. Ich hätte nun die Möglichkeit auf der Startseite präsent darauf hinzuweisen oder meine Leser mit einem Pop-Up-Fenster zu belästigen. Beides will ich nicht, denn es würde die Optik bzw. die Einfachheit dieser Webseite beschädigen, wie ich finde. Also habe ich das von mir selbst betriebene Tool „Piwik“ aus dieser Seite entfernt. Piwik ist im Vergleich zu anderen Trackingtools deshalb besonders freundlich, weil die anonymisiert erhobenen Daten auf der eigenen Seite, alos dem eigene Server verbleiben und nicht wie üblich an Google & Co. übermittel werden, wo niemand weiß, was noch alles mit den Daten angestellt wird. Naja…

Ich möchte in diesem Zug auf zwei Punkte aufmerksam machen. Wissen und Schutz.
Es gibt viele interessante Bücher und Webseiten zu diesem Thema. Eines möchte ich hier nennen. „Die Datenfresser* – Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen“ von Contanze Kurz und Frank Rieger. Beide sind Mitglieder und Sprecher des Chaos Computer Clubs und wissen somit, wovon sie reden. Ich muss zugeben, dass ich das Buch auch erst von einigen Tagen begonnen und es noch nicht zu Ende lesen konnte. Jedoch kann ich bereits jetzt sagen, dass es sehr gut und vor allem für Laien verständlich geschrieben ist. Inhaltlich geht es darum, wie Daten gesammelt werden und wie diese von den Firmen zu Geld gemacht werden können. Es wird beschrieben, wie mit den Daten umgegangen wird und wer von den Daten profitiert. Auch geht es um unsere biometrischen Daten und die, dem Mobiltelefon sei dank, einfach zu erhebenden Bewegungsprofile erstellt und genutzt werden können. Zudem wird ein Ausblick in die Zukunft gewagt und auch Maßnahmen zu eigenen Schutz erläutert.

Zwei möchte ich hier nochmals explizit nenne, auch wenn ich das in der Vergangenheit schon einmal getan habe:

  • Ghostery: Am effektivsten hat sich das Brower Plug-in Ghostery bisher bewährt. Es blockt derzeit ca. 1880 verschiedene Zählpixel und ca. 750 unterschiedliche Cookies, unter anderem solch bekannter Delinquente wie Google Analytics oder diverse Methoden von Facebook. Es muss aber auch gesagt werden, dass dadurch verschiedenen Webseiten teilweise auch mal nicht so reagieren, wie sie sollten. Aber dann kann man Ghostery ja kurz ausschalten oder die Webseite zu den Ausnahmen hinzufügen.
  • Eine weitere Methode sich zu schützen, ist den gesamten Cache des Browsers regelmäßig zu löschen. Ich habe meinen Browser so eingestellt, dass dieser alle angesammelten Daten bei jedem beenden löscht. Das geht derzeit, meines Wissens nach, nur mit dem Firefox-Browser.
    Hier mal exemplarisch meine Einstellungen, zu finden unter dem Punkt Einstellungen, Datenschutz:Bildschirmfoto 2014-03-22 um 10.42.25

Auch wenn versucht wird, uns immer wieder einzureden, dass es ja ganz böse ist: Ein Werbeblocker gehört natürlich zum Standard in jedem Browser. Ich persönlich nutze Adblock Edge. Dieser ist baugleich mit dem bekannten Adblock Plus, jedoch lässt dieser keine „akzeptablen Werbung“ zu.

Dies sind meine Wege, um mich Internet einigermaßen vor den „bösen“ Trackingmaßnahmen zu schützen. Ich jedem nur ans Herz legen, diese Punkte ebenfalls zu verwenden.
Und wer Ghostery einsetzt, wird auf dieser Seite erstmal nichts zu blocken haben.

minimalistisch reisen

Malta

In den letzten Wochen war es hier auch deswegen so still, weil ich verreist war. Das Reiseziel war die Mittelmeerinsel Malta.
Bereits im Vorfeld fand ich es spannend, mir Gedanken über mein Reisegepäck zu machen. Das ich nur wenig brauchen würde, war mir klar, aber mit wie wenig ich wirklich reisen könnte, war eine interessante Frage.

Für eine Woche wurden es dann zusätzlich zu der Kleidung die ich am Leib getragen habe 2 paar Socken, 2 mal Wäsche, 2 T-Shirts, ein Pulli, eine Hose, das Waschzeug, ein Netzteil mit den entsprechenden Kabeln sowie im Handgepäck noch ein bisschen was zu lesen, Reiseführer, ein Tablet und die wichtigen Reiseunterlagen. Dazu kam noch das Wichtige: Reisewaschmittel.
Und all das war ausreichend! Vermutlich wäre ich sogar mit nur einem paar Socken und einem T-Shirt ausgekommen, aber da ich nicht wusste, wie schnell die Sachen nach der Handwäschen trocknen würden, habe ich zur Sicherheit eines mehr mitgenommen.
Am Ende kam ich auf keine 10 Kilo Gepäck. Und damit wäre ich auch noch eine weitere Woche ausgekommen.

Wichtig ist es, sich genau zu überlegen, was man wirklich am Urlaubsort benötigt. Wie warm ist es? Könnte es regnen? Wie schnell trocknet die Wäsche?
Trotz genauer Überlegungen kam in mir beim Packen schon die Angst, dass es doch zu wenig sein könnte. Reines Sicherheitsdenken. Aber selbst wenn etwas zu wenig gewesen wäre, hätte ich das fehlende Stück auch vor Ort für ein paar Euros nachkaufen können.
Ein Teil musste ich dann aber doch noch in den Koffer schmeißen. Da das wenige Zeug den Koffer nicht wirklich gefüllt hat, habe ich mich entschlossen, ein Kissen mit einzupacken. So war der Koffer ausgefüllt und so blieb alles während des Fluges an seinem Platz.

Gibt es etwas, das ich hätte verbessern können?
Anstatt mehrerer Reiseführer hätte es auch einer getan. Ich war wohl einfach zu faul, mir diese bereits Zuhause genau anzuschauen und mich auf nur einen zu beschränken. Wieder dieses Sicherheitsdenken. Dazu hatte ich zwei Bücher mitgeschleppt. Ich habe zwar auch drin gelesen, aber nur in einem. Beim nächsten Mal würde ich wohl nur meinen eReader mitschleppen, anstatt zwei Bücher. Oder einfach nur das Tablet.
Zudem wäre es überlegenswert, nur noch mit Handgepäck zu reisen. Erlaubt sind im Flieger Rucksäcke bis ca. 45l und das hätte wohl bei weitem ausgereicht. Ich hatte sogar schon im Vorfeld darüber nachgedacht, aber mich dann doch dagegen entschieden. Es kam mir dann doch etwas zu komisch vor. Aber im Nachhinein halte ich es für eine gute Möglichkeit.

Mit wie viel Gepäck reißt Ihr? Koffer oder Rucksack? Und was würdet ihr trotz allem Minimalismus trotzdem mit in den Urlaub nehmen, obwohl es nicht nötig ist?

Streckung des Genuss

Ich weiß leider nicht mehr genau wo ich über diesen Gedanken gestoßen bin, aber er hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich glaube, es war in einem Podcast und er stammt von Niko Paech.

Es ging darum, den Genuss an, mit oder durch etwas zu strecken, indem man sein Bedürfnis danach nicht sofort befriedigt, sondern die Befriedigung auf- und herausschiebt.

Irgendwie wahr.
Schaue ich mir das letzte Jahrzehnt an, so sehe ich, dass wir immer schneller an das herankommen können, was wir begehren. Das Internet ist dabei das zentrale Organ der Bedürfnisbefriedigung geworden. Es stillt die Sucht nach Informationen sofort und durch Smartphones sogar fast überall auf der Welt. Durch den Internethandel und die Transportdienstleister die Übernacht-Zustellung anbieten, können wir alles Materielle, was wir begehren, über Nacht oder teilweise noch schneller, nämlich schon am selben Abend geliefert bekommen. Über Smartphones, Tablets und Computer können wir Medien sämtlicher Art fast sofort konsumieren. Kommunikation findet heute im Mintentakt statt und nicht mehr Tage, wie es noch zu Brief- und vielleicht Faxzeiten der Fall war.
All dies führt natürlich auch zu dem Phänomen einer beschleunigten Zeit und sich immer schneller bewegenden Umwelt.
Dazu kommt die Ausweitung der Auswahlmöglichkeiten. Das dies, auch für die Wirtschaft, nicht nur Vorteile bringt, hat Barry Schwartz in seinem Buch „Anleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger glücklich macht“  sehr treffend ausgeführt. Kurz: Mehr Wahlmöglichkeiten führen oft dazu, dass uns das Treffen von Entscheidungen schwieriger bis unmöglich fallen kann.

Ich habe die Bedürfnisaufschiebung, die Paech auch als Genusstreckung bezeichnet, fast verlernte. Zumindest aber vergessen. Spätestens seit ich Arbeiten gehe und mein eigenes Geld verdiene, kann ich mir im Grunde alles sofort besorgen, wonach es mit beliebt. Zumindest theoretisch. Bisweilen gelingt es mir auch ganz gut. Aber die negativen Folgen sind in meinem unbeholfenem Umgang mit Medien gut zu sehen: Durch Bücherei und Internet habe ich fast zu jedem Buch, Film, Spiel oder Musikstück kostengünstigen bis kostenlosen, schnellen Zugang. Ich muss nicht mehr zu meinem Händler des Vertrauens in die Stadt gehen, das Medium, falls nicht vorrätig bestellen und teilweise Wochen darauf warten. Auch müsste ich, falls nicht (kostenlos) ausleihbar, nicht mehr den vollen Preis zahlen, denn fast alle Medienformen bekomme ich heute gebraucht wesentlich günstiger. So kommt es, dass mein „pile of shame“, mein (Medien-)Stapel immer wieder viel zu groß wird.

Paech Gedanken kann für diese Phänomene ein gute Umgang sein. Es gilt wieder „Nein!“ zur sofortigen Bedürfnisbefriedigung zu sagen. Einfach mal ein paar Tage oder Wochen abzuwarten und zu schauen, was ein Wunsch mit uns anstellt und wie er sich im Laufe der Zeit verändert. Das Warten auf etwas und die damit verbundene Vorfreude, steigert den Wert einer Sachen doch immens!
Wie schön kann es sein, zu warten und die Vorfreude auf etwas zu genießen. Zu warten, bis wir endlich etwas bekommen, was wir uns gewünscht haben und zu lernen, wieder zufriedener mit dem zu sein, was wir bereits besitzen.

Wartet Ihr bei der Erfüllung Eurer wünsche? Wie lange? Oder werdet Ihr auch schnell ungeduldig und das Warten wird für Euch zur Qual? Ich freue mich auf Eure Gedanken zum Thema!

Unsubscribe

Nachdem ich nun über ein Jahr diesen Blog selbst hoste, habe ich mich dann doch endlich mal mit dem Thema eMails befasst. So habe ich es nach mehreren Versuchen dann doch geschafft, mir eine eigene Mailadresse mit Domainendung zu klicken.
Natürlich müssen die alten Mails noch eine gewisse Zeit nachgesendet werden, weshalb ich nun alle alten Mailadressen auf die Neue umleite.

So richtet sich mein Fokus im Moment etwas intensiver auf das Thema eMails. Und so ist mir mal wieder aufgefallen, wie viel Mist ich eigentlich jeden Tag bekomme. Zwar ist kaum etwas davon Spam, aber dennoch sind die vielen Mail nervig. Und da ich auch sämtliche Accounts auf die neue Mailadresse umstellen muss, fasse ich eh alles einmal an.
Also wird nicht nur umgeleitet, sondern auch abgemeldet und gelöscht, was das Zeug hält. Ich kann nicht genau sagen, wie viele Accounts und Newsletter diesem Prozess schon zum Opfer gefallen sind, aber auch das ist ausmisten, wenn auch nur digital.

Ich möchte hier mal wieder den Fokus in Eure eMail-Postfächer lenken und dazu aufrufen, ebenfalls mal jede einzelnen Mail zu überdenken und sich von nicht mehr benötigtem zu trennen.
Dies ist aber keine Aufgabe für nur ein paar Stunden. Es kann Monate dauern, bis man sich bei allem abgemeldet hat.
Oder kennt Ihr noch alle Eure Accounts, die Ihr Euch in den letzten zehn Jahren im Netz geklickt habt?

Vor Jahren habe ich schon einmal eine solche Aktion in Angriff genommen und dabei festgestellt, dass manche Seite sich teilweise jahrelang nicht melden und dann irgendwann flattert eine Mail ins Postfach und die Arbeit beginnt. Wie war mein Accountname? Wie das Passwort? Wo trage ich mich aus dem Newsletter aus? Wie kann ich meinen Account selbst löschen oder löschen lassen? Wen muss ich dazu anschreiben?
Das alles kann schon mal einige Minuten in Anspruch nehmen und ist arbeit. Aber das Ergebnis, ein sauberes Mailpostfach, ist die Mühe allemal wert!

End of Life

„End of life“ bezeichnet im Computerbereich das Ende des Lebenszyklus eines Produktes. Damit ist nicht gemeint, dass das Produkt nicht mehr funktioniert, sondern meist nur, dass es nicht mehr produziert und vom Hersteller weiter unterstützt wird.
In den letzten Jahren ist die Zeitspanne bis zum Ende eines Produktlebens immer kürzer geworden. Beispielsweise werden Mobiltelefone oft schon nicht einmal mehr während der Garantiephase von zwei Jahren mit Sicherheitsupdates des Betriebssystems versorgt. Und kaum jemanden scheint dies zu stören…

Wie komme ich auf dieses Thema?
Ein Gegenstand, den ich Besitze, und mehr oder weniger regelmäßig benutzte, kam in den letzten Tagen an sein physisches Lebensende. Es handelt sich um meine Laufschuhe. Die Schuhe haben mittlerweile schon viele Jahre auf dem Buckel, aber waren zum Joggen immer noch wunderbar. Am letzten Samstag musste ich dann feststellen, dass die Schuhe (mehr oder weniger) auseinander fallen. Und meine erste Reaktion war Freude.
Dies verwunderte mich etwas, bis ich dahinter gekommen bin: Es war nicht die Tatsache, dass die Schuhe kaputt waren und ich mir jetzt neue würde besorgen müssen, die mich freute, sondern das Ende einen Produktlebens miterleben zu dürfen. Denn diese Momente sind sehr selten geworden.

Wann hast Du zu letzten Mal erlebt, dass etwas wirklich kaputt war und sich nicht mehr wirklich reparieren lies? Wie mir bei meinen Schuhen klar wurde, passiert mir dies nicht wirklich oft, was im Grunde wirklich traurig ist.
Produkte werden heute kaum noch deswegen neu angeschafft, weil der Vorgänger kaputt gegangen ist.Vielmehr gibt es andere Gründe: Seien es Modeerscheinigen, Langeweile, das Nicht-mehr-schön-sein, Etwas-darstellen-wollen, der Wunsch nach einer besseren/leistungsfähigeren/hübscheren Version eines Produktes oder einfach nur das „Habenwollen“, was uns in die Geschäfte treibt.
Nur noch in den seltensten Fällen kaufen wir uns in schwedischen Möbelhäusern Kerzen, weil wir wirklich gar keine mehr Zuhause haben; kaufen wir einen neuen Computer, weil der Alte gar nicht mehr funktioniert oder zu reparieren ist; kaufen (oder leihen) wir uns ein Buch oder einen Film, weil wir nichts mehr zu lesen oder schauen haben; wollen diese hübsche Kaffeetasse erstehen, weil die Einzige, die wir besitzen kaputt gegangen ist oder benötigen neue Kleidung, weil die aktuelle Garderobe komplett verschlissen ist.
Das Lebensende eines Gegenstandes wird heute kaum mehr durch das physische Ende bestimmt!

Natürlich kann ich mich von keinem der oben genannten Gründe freisprechen. Aber mir wird anders, wenn ich drüber nachdenke, wie viel Geld (und somit durch Arbeit umgewandelte Lebenszeit) ich für die vielen Dinge ausgebe, von denen ich noch ein ähnliches Produkt besitze.
Ich finde es zum Einen ein Unding, zum Anderen jedoch auch sehr traurig, dass sich Eigenschaften wie Langlebigkeit, aber vor allem Zeitlosigkeit bei Produkten wie auch unserer Gesellschaft keinen hohen Stellenwert mehr zu besitzen scheinen.

Diejenigen, die diesen Text lesen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Menschen, die in irgendeiner weise versuchen, die oben beschrieben Gründe zu umgehen oder zu minimieren. Wie geht Ihr mit diesem Thema um? Habt ihr besondere Strategien? Welche Produkte nutzt Ihr bis zum Ende und welche werden warum vorher ausgetauscht? Und wann ist Euch das letzte Mal etwas wirklich kaputt gegangen?

Festplatte

Im Zuge meines Tabula-Rasa-Projektes habe ich mir natürlich auch Gedanken über meine digitalen Besitztümer gemacht. Über die Jahre haben sich bei mir viel zu viele externe Festplatten angesammelt. Dabei waren die meisten nicht einmal in Gebrauch. Dazu kamen noch eine ganze Hand voll USB-Sticks in alles Größen. Was soll ich denn bitte auf all den Speichermedien sichern???

Unumgänglich ist die Festplatte, oder mittlerweile SSD, in meinem Notebook. Ich bin seit ca. 6 Jahren dazu übergegangen, dass ich alles Digitale, was mir lieb und heilig ist, auf meinem Notebook speichere. Und genau an diesem hänge ich regelmäßig eine externe Festplatte, auf der sich eine komplette Sicherung des Systems mit allen Daten befindet. Geht etwas kaputt, dann ist alles nochmals da. Und sicher ist alles noch dazu, da sowohl der Laptop als auch die Sicherungen verschlüsselt sind.
Da ich ja durchaus paranoid bin, was meine Sicherung angeht, gibt es noch außerhalb meiner vier Wände ein Sicherung von allem Wichtigen auf Blu-Rays. Diese werden halbjährlich erneuert. Der Haltbarkeit wegen. Sicher ist sicher.

Noch vor einigen Jahren hatte ich zusätzlich massenweise Zeugs auf externen Festplatten. In einem ersten Schritt habe ich diese Festplatten sicher geleert und diese an jemanden verschenkt, der sich über diese Platten sehr gefreut hat.
Ich mein, was soll ich mit all dem Mist der sich darauf befindet? Wenn ich einen Film sehen will, dann gehe ich in die Bücherei oder leihe mir diesen über das Netz aus. Es gibt ja genug legale, kostengünstige Angebote. Bücher beziehe ich über meine frequentierten Büchereien (Gelsenkirchen, Essen und Unibib E-Du) inkl. Onleihe. Meine Musik befindet sich mittlerweile aussortiert auf meinem Laptop, schön in iTunes organisiert.
Das interessanteste sind meine digitalen Erinnerungen. Neben meiner Musik, sind meine Foto der größte Datenbatzen. Dazu habe ich mich hier ja bereits ausgelassen.
Daneben habe ich in den frühen 2000ern meine „Eigene Dateien“ immer komplett auf Rohlinge gebrannt, wenn diese ihn in etwa füllen konnten. Mittlerweile sind diese Datenträger nicht mehr lesbar, aber ich habe mir glücklicherweise eine Kopie auf meine Festplatte gezogen. Diese sind somit auch sicher.
Software macht den zweitgrößten Punkt meiner Daten aus. Es habe sich einige gekaufte Programme angesammelt, die ich nicht durch das digitale Vergessen des Internets verlieren möchte.
Bleiben noch meine Dokumente. Texte, Gedichte und Geschichten, mein Lernzeugs inkl. Videovorlesungen, Zusammenfassungen und Hilfsmittel aller Art. Ebenfalls alles auf dem Laptop. Aber zugleich, zumindest das Akute, in der Dropbox. Wegen Zugriff von überall und Versionssicherung.

Als ich Mitte diesen Jahres meinen alten Laptop, zumindest für die Nutzung durch mich, ausgemustert habe, stellte ich mir die Fragen ob ich denn wirklich „nur“ mit einer 256GB großen SSD auskommen würde. Ich rechnete und rechnete. Und irgendwann bin ich zu dem Ergebnis gekommen: Jep, sollte passen.
Seitdem habe ich selbst das Wichtige nochmals reduzieren können. Teils dadurch, dass ich das Unwichtige vom Wichtigem auf einer externen Platte lagere, teils durch ausmisten. Und siehe da: Ich habe ungefähr immer 60GB freien Speicherplatz. Geht also alles…

Zusammengefasst:
Aktuell besitze ich 3 Festplatten. Die im Laptop mit allem Wichtigem, eine Festplatte auf der ich unwichtigere Daten speichere und Eine, die beide Festplatten sichert. Alle anderen Festplatten habe ich genullt und abgegeben. Und da die meisten Medien online verfügbar sind, sammle ich auch nichts mehr.
Es ist schön, dass es auch bei den Daten immer weniger wird.

Noch ein kleiner Hinweis: Bereits Anfang diesen Jahres habe ich mich mit Marc Ritter ausführlich über das Thema Datensicherung unterhalten. Wer mag, kann sich dies hier nochmals anhören.

Wie sehen deine Platte aus? Was sind für Dich wichtige Dateien und wie viele hast Du davon?

tabula rasa

Vor einigen Wochen habe ich hier über mein Sperrgut berichtet.
Das Thema hat mich auch wegen der vielen tollen Kommentare nicht losgelassen. Und so habe ich mich in der Zwischenzeit an all diese Dinge herangewagt.

Der Text zum Thema verkaufen kam nicht von ungefähr. Ich habe mich just zu diesem Zeitpunkt genau damit befasst. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, habe ich in einer dreitägigen Hau-Ruck-Aktion auf den entsprechenden Internetportalen zum Verkauf eingestellt. Über zwei Wochen sah mich der Mitarbeiter meines bevorzugten Versandunternehmens fast täglich. Es verschwanden unter anderem ein Sessel eines bekannten Möbelhauses, viele Computerspiele und Bücher, meine Fotokameras (warum ich davon noch mehrere besaß…keine Ahnung…), Unterhaltungselektronik und mein alter Laptop.
Zudem habe ich meine Schubladen und Schränke nochmals durchforstet. Dabei ist auch viel zusammengekommen, was seinen Weg in die Verwertung gefunden hat. Allem voran eine riesiger Haufen Kabel.

Und dann ging es in den Keller. Dieser war schon immer sehr leer gewesen. Es befanden sich dort aber noch einige Kartons, kleinere Haushaltsgegenstände sowie der übliche Kleinkram. Weg damit.
Bei diesem Durchgang musst ich jedoch feststellen, dass meine Erinnerungsstücke dann doch nicht einen halben Umzugskarton ausmachen, sondern doch schon etwas mehr. Aber auch von einigen dieser Stücke habe ich mich getrennt, weil es einfach keinen Sinn mehr gemacht hätte, diese zu behalten. Eine alte Spielekonsole etwa, für die ich gar keine Spiele mehr besitze.
Nach all dieser Anstrengung bin ich immer noch nicht ganz bei Normalnull angekommen, bin aber dicht dran. Zudem gibt es da immer noch einige Dinge, die ich zwar nicht als notwendig erachte, aber bei denen es auch keinen Sinn macht, diese nur loszuwerden, damit ich Sie los bin. Prominentes Beispiel wäre da mein TV, der zwar dann leider doch etwas zu groß ist und eher wenig genutzt wird. Aber wenn, dann ist er ein eher sozialer Gegenstand den ich nutze, um mit anderen zusammen Filme zu schauen.

Alles in allem bin ich mit dieser Aktion voll zufrieden und es ist schön, langsam an dem Punkt anzukommen, der mir mittlerweile so viele Jahre im Kopf herum schwirrt.

Kennt ihr auch diese Hau-Ruck-Aktionen? Wie nach oder fern seit Ihr Eurer Wunschvorstellung?

Der Endowment-Effekt

Warum ist es eigentlich so schwer sein Hab und Gut loszulassen, wenn einem bewusst wird, dass es eigentlich gar nicht mehr benötigt wird?
Eine Antwort auf diese Frage hat der Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler bereits im Jahr 1980 gefunden, den Endowment-Effekt.
Der Endowment-Effekt, auch bekannt unter dem Namen Besitztumseffekt beschreibt, dass wir Menschen (Erwachsene wie Kleinkinder, aber auch Affen) den Wert eines Gegenstandes falsch einschätzen. Denn einem Gegenstand, der sich in unserem Besitz befindet, schreiben wir einen höheren Wert zu, als er objektiv ist.
Diese Erfahrung mache ich immer wieder, wenn ich Dinge loslassen möchte. Ein klassische Beispiel war meine DVD-Sammlung, für die ich pro DVD vielleicht noch einen oder zwei Euro bekommen habe. Das der Kaufwert höher war, ist logisch, aber der ideelle Wert der einzelne Scheiben war für mich ein ganz anderer.
Zusammengefasst: Wenn wir uns also mit dem loslassen von Gegenständen befassen, fällt demnach unsere Bereitschaft geringer aus, einen Gegenstand wirklich auch abzugeben (willingness to accept), weil dessen Wert für uns höher schein, als er es in Wirklichkeit ist.
Dieser Sachverhalt lässt sich aber auch umkehren. So kann unsere Bereitschaft etwas zu erstehen geringer sein, als der tatsächliche Wert (willingnes to pay). Deswegen ist alles immer viel zu teuer.

Spannend finde ich aber in diesem Zusammenhang die Erkenntnisse einer im August 2013 veröffentlichten Studie, welche besagt, dass dieser Effekt kein Grundsatz menschlicher Natur zu sein scheint.
Durch eine Untersuchung der sozialen Netzwerke des Volksstammes der Hadza aus Tansania, wurde gezeigt, dass Mitglieder, welche wenig Kontakte zu Menschen außerhalb ihres Stammes pflegen, eher bereit sind persönliche Gegenstände gegen einen Gleichwertigen zu tauschen; nämlich zu etwa 50%. Mitglieder, die mehr Kontakte nach außen besitzen, halten eher an Ihren Dingen fest und tauschen diese nur zu 25%.
Demnach scheint dieser Effekt nicht in der menschlichen Natur zu liegen, sondern sich auf kulturellen und zwischenmenschlichen Gepflogenheiten heraus zu entwickeln.

Quellen:
(1) „Evolutionary Origins of the Endowment Effect: Evidence from Hunter-Gatherers“ von Apicella, Azevedo, Fowler, Christakis
(2) Wikipedia: „Endowment-Effekt“

gelesen: “Freundschaft lebendig gestalten” von Thomas Hax-Schoppenhaus

Freundschaften sind eines der wichtigsten Punkte für ein gutes Leben. Freunde teilen, unterstützen, hören zu, geben Ratschläge, trösten und tun viele Dinge mehr. Und das alles ohne Hintergedanken oder eine Gegenleistung zu erwarten. Zumindest macht dies eine gute und ausgeglichene Freundschaft aus.

Bereits vor einiger Zeit bin ich mal auf die psychologischen und sozialpädagogischen Theorien zum Thema Freundschaft gestoßen, habe mich aber bis jetzt nicht näher damit beschäftigt. Als Einstieg in das Thema eignet sich das Buch “Freundschaft lebendig gestalten” von Thomas Hax-Schoppenhaus sehr gut. Es ließt sich gut, gibt einen weiten Überblick darüber, was Freundschaft eigentlich ist, wie eine gute Freundschaft gelingen kann und welche Fallstricke es gibt. Illustriert wird dies alles durch viele anschauliche Beispiele.

Wer sich also näher mit dem Thema Freundschaften beschäftigen mag, findet hier einen guten und verständlichen Einstieg ins Thema.

Falls jemand Interesse an diesem Buch haben sollte, kann er sich gerne bei mir melden.