Konsum, Technik
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Warum Altes nicht immer schlechter ist…

sony-walkman-mz-n510Im Sommer bin ich mehr durch Zufall auf das Thema Retro-Videospiele gestoßen. Aus Neugier besuchte ich die Retrobörse in Bochum Anfang September und war begeistert.

Es wurde eine Art Nostalgiegefühl in mir getriggert. Ausgelöst durch die vielen Konsolen und Spiele, die mich in meiner Kindheit umgaben. Allerdings dachte ich zu diesem Zeitpunkt, dass Retrogames und -konsolen ja verdammt teuer sein müssen. Dies wurde teilweise auch durch die Preise auf der Börse bestätigt.

Zeitgleich stieß ich aber auch auf Videos bei Youtube, die mir das Gegenteil zeigten. Videos von Menschen, die sich auf Flohmärkten rumtreiben und Kleinanzeigenportale durchforsten und ihre Funde in Videos präsentieren. Mehr oder weniger Haul-Videos für Männer, die altes Zeug lieben. Zumeist wird in den Videos auch der Preis genannt, zu denen die Schätze erworben wurden. Und genau dadurch änderte sich meine Sichtweise.

So begann ich ebenfalls, an den letzten waren Tages dieses Sommers früh aufzustehen und mich auf Flohmärkten herumzutreiben. Ebenso richtete ich mir ein paar Suchen auf den gängigen Kleinanzeigenportalen ein. Und was soll ich sagen … ich wurde auch fündig.

Erste Erkenntnis

Durch die Beschäftigung mit dem Retrokrempel ist mir eines ganz zentral aufgefallen:

Wir geben verdammt viel Geld für neues Zeug aus, was schon nach kurzer Zeit wesentlich weniger Wert ist.

Diese Erkenntnis ist nicht neu für mich. So ist sie der zentrale Gedanke hinter meinem Blog BudgetGames.de:

Kommt etwas, z.B. ein Videospiel, neu auf den Markt, so kann ich es zum vollen Preis sofort erwerben. Ich kann aber auch einige Zeit warten und bekomme den gleichen Artikel um einiges billiger. Bei Spielen kann man sagen, dass der Wert nach 1-2 Monaten bereit um 30-40% fallen wird.

Man kann noch einen Schritt weiter gegen und sagen, dass wenn ich den Artikel dann noch in gebrauchtem Zustand kaufe, ich nochmals weniger zahlen muss.

Spannender wird es aber, wenn ich mir Technik anschaue: Durch einen Stapel MiniDiscs auf einem lokalen Trödelmarkt erinnerte ich mich daran, dass ich mich Ende der 90er und Anfang der 2000er selbst viel und durchaus gerne mit diesem Medium beschäftigt habe.

Aus Spaß schaute ich mal nach, was genau das Gerät, welches ich damals besaß, ein Sony MZ-R700, aktuell kostet. Und ich war sehr erstaunt. So erstaunt, dass ich mir eines dieser Geräte für nur 25€ inkl. 40 MiniDiscs (MDs) und Versand kaufte. Interessanterweise lag dem Paket noch der Kaufbeleg aus dem Jahr 2001 bei, der einen Preis von 499 DM für das Gerät auswies. Ohne MDs versteht sich.

Zweite Erkenntnis

Und hier traf mich eine weitere Erkenntnis:

Ein Artikel, der mal verdammt teuer gewesen war, als die Technik „the cutting edge“ war, ist heute fast nichts mehr wert.

Ich recherchierte einmal weiter und fand dabei weitere Beispiele:

  • Spielekonsolen: Abgesehen von einigen Ausnahmen, bekommt man viel alte Konsolen hinterhergeworfen. So fand ich in den letzten Wochen eine Xbox Classic für 10€, mehrere Nintendo DS für um die 15€ oder eine PS3 in der Erstausgabe für 15€. Natürlich ist die Technik aus heutiger Sicht veraltet. Aber machen die Spiele, dies es für ein paar Euros gibt, weniger Spaß?
  • Musik-Player: Der erworbene MD-Player ist ein Beispiel. Wer aber lieber auf MP3s setzen will, der kann einen hochwertigen MP3-Player ebenfalls schon für 20€ bis 30€ bekommen. Damit meine ich nicht diese Ramschplayer aus der Grabbelkiste, sondern Apple iPods oder Sony Walkman in den verschiedensten Ausführungen. Zu diesen Preisen werden die Player nämlich auf den verschiedenen Kleinanzeigenportalen gehandelt. Alternativ kann man aber auch auf ein altes, ausrangiertes, aber damals hochwertiges Smartphone (z.B. ein Galaxy S) zurückgreifen, welche für die gleichen Kurse zu haben sind.
  • TV und Video: Bereits vor Jahren habe ich mir einen gebrauchten BluRay-Player für grade mal 20€ gekauft. Mit diesem kann ich alle Scheiben aus der Bücherei wunderbar abspielen. Aber auch Flachbild-TVs bekommt man für wenig Geld, wenn es nicht die neusten Modelle sein müssen. Diese sind dann zwar dicker, haben einen breiteren Rand und sind nicht Smart, aber das Bild trotzdem gut. Und grade jetzt wollen viele ihren „alten“ Fernseher loswerden, denn 4k ist „der neue heiße Scheiß“, der viele Menschen sehr viel Geld ausgeben lässt, ohne dass es nötig wäre.

Fazit

Ich denke, es wurde klar, was ich ausdrücken will: Altes muss nicht schlechter sein. Ein bisschen in der Vergangenheit zu leben und nicht jedem neuen Trend hinterher zu laufen, kann Wunder bewirken. Auf für den Geldbeutel.

Und es verbindet sich wunderbar mit meinem Gedanken von Minimalismus: Weniger Geld für Konsum auszugeben und damit mehr Zeit durch weniger Arbeit zu haben.

Es gibt aber auch noch weitere Vorteile, die ich mit „alten“ Dingen verbinde. Dazu aber in einem kommenden Text mehr.

2 Kommentare

  1. Chris sagt

    Hallo,

    Eigentlich ja kontraproduktiv was du da betreibst. Ich selbst kenne das aber auch nur zu gut. Da sieht man was, oft auf youtube, und sofort kommt dieses „das möchte ich auch haben“ Gefühl. Hätte mir fast einen alten Rechner für alte DOS-Spiele hingestellt. Letztlich aber wenig minimalistisch wieder anzufangen alten Krempel zu kaufen und zu horten und so habe ich von der Idee schnell wieder Abstand genommen, auch wenn mich das Thema immer noch reizt. Letztlich ist es nüchtern betrachtet Quatsch. Oder was bietet der MD Player für 25€ für einem Mehrwert gegenüber dem Smartphone, das ohnehin Musik anspielen kann?
    Ich will hier alte Sachen nicht schlecht machen, finde sie aber nur sinnvoll zu nutzen, wenn man sie ohnehin schon besitzt. Obsolete Technik jetzt noch anzuschaffen, halte ich für weniger zielführende. Ist dann mehr eine Spielerei.
    Aber solange es Spaß macht ist ja alles erlaubt.

    Grüße

    • Hallo Chris!
      Im Grunde hast du schon recht. Auf den ersten Blick wieder ein Teil zu viel.
      Der Text ist aber auch eigentlich viel länger. Nur wegen der Lesbarkeit habe ich diesen in zwei Teile aufgeteilt. In nächsten Text habe ich mal aufgeschlüsselt, warum ich mittlerweile lieber wieder ein Gerät für einen Zweck nutze, anstatt alles mit so wenig Geräte wie möglich zu machen (vorwiegend dem Smartphone).
      Dazu werden wir das ganze Thema Medien und Co. wohl im nächsten Minimalismus-Podcast aufgreifen und dazu auch ein bisschen was schreiben.
      Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob einfach nur alter Mist gekauft wird, der kurz später in der Ecke landen wird. Aber wie vieles sind die Beweggründe ein bisschen differenzierter.
      Liebe Grüße!

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