Minimalismus, Psychologie
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Warum Minimalismus nach dem Ausmisten verdammt weh tun

Wunderkerze

by Jamie Street / via unsplash.com

Vor ein paar Tagen habe ich mich nach einer verdammt langen Zeit mal wieder mit meinem Reader beschäftigt. Auch wenn dieser automatisch alle Beiträge löscht, die älter als ein Monat sind, musste ich mich durch ziemlich viele Beiträge und Artikel all meiner verfolgten Blogs klicken.
Dabei ist mir bei den vielen Schreiberlingen im Bereich des Minimalismus wieder aufgefallen, dass viele Minimalismus fast ausschließlich über die Anzahl der Gegenstände definieren. Dies finde ich entschieden zu kurz gegriffen. Ich kann aber auch verstehen, warum dies so ist.

Viele finden zum Minimalismus über ein Gefühl des Zuviel. Es ist erst ein unbewusstes und nicht allzu leicht zu fassendes Gefühl. Sie merken, dass sie etwas belastet und glauben irgendwann, dass es an all dem Zeug liegt, welches sich in ihren Wohnungen angesammelt hat. Mir erging es vor über fünf Jahren ähnlich.
Dann wird ausgemistet, verkauft, verschenkt und weggeworfen, was das Zeug hält. Nicht alles auf einmal sondern in vielen Wellen. Und am Ende fühlen sie sich tatsächlich erleichtert und besser.

Und nun?

Tja… Danach wird immer weiter auf diesem Thema herumgeritten und es aus allen möglichen Sichtweisen interpretiert. Dazu, von all dem Eifer gepackt, wird mit dem Ausmisten weiter gemacht. Auch wenn schon nix mehr da ist. Aber da muss ja noch was gehen. All die Leute in den Videos und Blogbeiträgen habe ja (vermeintlich) auch fast nix in ihren Wohnungen. Da muss man doch auch irgendwie hinkommen.
Und so wird über die eigene Wohlfühlschwelle hinaus reduziert. Da muss der Fernseher dran glauben, weil es in diesen Kreisen verpönt ist, einen zu besitzen. Einen TV haben ja nur Leute, die ein bisschen blöd sind. Oder das Auto, denn eines zu besitzen ist ja total umweltzerstörend, zudem total teuer und natürlich doof…

Mag ja alles richtig sein. Aber irgendwann stellen viele dann fest, dass es eigentlich doch ganz schön ist, sich mal auf der Couch einzukuscheln und einen Film zu schauen. Oder mit dem Auto schnell und ohne große Mühe irgendwohin zu kommen. Und dann werden die Sachen wieder angeschafft. Auch ich kann mich von diesem Fehler nicht freimachen…

Worum geht es beim Minimalismus wirklich?

Ich behaupte, dass hinter all dem der Wunsch nach Freiheit steckt. Der Wunsch, sein Leben so leben zu können, wie man es gerne würde. Hinter weniger zu besitzen und durch Konsumreduzierung weniger Geld auszugeben steht der Wunsch, sein Leben einfacher nach den eigenen Wünschen gestaltet zu können. Wir wollen nicht mehr in diesem RatRace mitmachen und mit den Nachbarn um das tollere Auto konkurrieren.
Wir wollen vielleicht lieber malen, schreiben, einen Garten bepflanzen, in der Sonne oder auf der Couch liegen und die Gedanken schweifen lassen…
Und deswegen wollen wir eigentlich weniger Arbeiten, uns mit den Menschen umgeben, die uns wirklich wichtig sind, mit den Sachen beschäftigen, die für uns Sinn ergeben und an dem Ort leben, an dem es uns wirklich gut geht.

Mein Wunsch nach Freiheit

Genau diese Freiheiten habe ich mir insgeheim gewünscht, als ich mit dem Reduzieren begonnen habe. Ich wollte nicht in einer leeren Wohnung sitzen und kahle Wände anschauen. Ich wollte nur noch die Sachen um mich haben, die mir wirklich etwas bedeuten und die mir Freude schenken. Und ich wollte eben dieses Zeug einfach von einem Ort zu andern umziehen können. Mehr Zeit für die Tätigkeiten haben, die mich wirklich interessieren, die für mich einen Sinn ergeben und die mir Freude machen. Und nicht zuletzt wollte ich auch einfach Zeit für Muße* haben…

Aber…

Und hier wird die ganze Sache interessant: Das einfache Ausmisten ist nur mit wenig Schmerz verbunden. Klar, wir trennen uns vielleicht von Dingen, die uns etwas bedeuten. Aber der (Wachstums-)Schmerz, den wird dabei empfinden, hält sich in Grenzen.
Vor allem deswegen, weil wir auch direkt belohnt werden: Denn entweder bekommen wir schon durch den Verkauf von unserem Zeug etwas Geld in unsere Kassen. Oder wir geben weniger aus und haben so mehr Geld in der Tasche. Geld ist hier ein wunderbarer Verstärker, denn er lässt sich ziemlich einfach erfassen und messen.

Aber wenn ich mich ernsthaft mit der Frage beschäftige, ob ich die Arbeit in die ich tagtäglich mehr als 8 Stunden investiere, auch wirklich ausüben möchte, kann es ziemlich schnell sehr, sehr weh tun. Wenn ich zu dem Entschluss kommen würde, dass ich meine (Lebens-)Zeit lieber mit anderen Dingen verbringen möchte, dann ist dies mit sehr großen Schmerzen verbunden. Denn dann müsste ich mich eigentlich damit beschäftigen, wie ich aus dieser Falle herauskomme. Und dadurch kommen genau die Fragen hoch, die ans Eingemachte gehen!
Genauso habe ich vor einigen Monaten schon mal die Frage nach dem Lebensort gestellt. Dabei war den Kommentaren zu entnehmen, dass die wenigstens sich den Ort, an dem sie Leben wirklich ausgesucht haben. Hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen, wie viele Schmerzen es mir bereitet hat (und weiterhin tut), genau diesen einfach Schritt zu machen. Aber dazu ein andermal mehr.

Die wichtigen Fragen im Leben sind Schmerzhaft!

Fakt ist, die Beschäftigung mit den wirklich wichtigen Fragen zu unserem Leben und der eigenen Zufriedenheit, sind verdammt schmerzvoll. Aber ich kann auch verstehen, dass diese Fragen nicht gestellt oder umgangen werden. Denn diese könne im schlimmsten Fall sogar krankmachen. Denn wenn ich zu dem Schluss komme, dass ich vermeintlich nichts an meiner Situation ändern kann, so kann dies in einer handfesten Depression oder schlimmerem enden.

Trotzdem bleibe ich dabei, dass die wirklich wichtigen Fragen des Minimalismus noch nicht angegangen wurden! Für das Problem mit dem vielen Zeug bestehen schon genug Lösungsansätze, damit jeder dem Herr werden kann.
Aber zu den oben genannten Themen existieren so gut wie keine Herangehensweisen und Lösungen, die jedem Einzelnen da draußen helfen können, der diese Zeilen hier ließt und sich nicht nur oberflächlich mit dem Minimalismus auseinandersetzen möchte. Wobei ich aber auch weiß, dass das nicht viele Personen sein dürften…

Was ist für Dich die Motivation hinter einem einfachen, minimalistischen Leben? Was sind für Dich die Themen, die nach dem Ausmisten kommen? Und beschäftigst Du Dich mit den Themen, die Dir wirklich wehtun? Welche sind dies für Dich?

18 Kommentare

  1. Chris sagt

    Gute und wichtige Frage, die auch m.A. nach zu wenig behandelt wird. Aber warum ist das so? Vielleicht liegt es am unserem Mindset. Die Anzahl der Dinge von denen man sich trennt oder die Anzahl der Dinge die man besitzt, kann man halt gut vergleichen. „Ich habe mit diese Woche wieder von 50 Sachen getrennt!“ Damit kann jeder etwas anfangen. Aber die von dir genannten wichtigen Fragen lassen dies nicht so einfach zu und sind oftmals sehr subjektiv und immateriell.

    Warum machen wir denn Minimalismus? Bzw. wobei soll er uns denn helfen? Vielleicht fehlt hier das „Große Ganze“ oder das übergeordnete Ziel. Der Minimalismus macht irgendetwas. Wie du schon sagtest zählen dazu Geld und ein neuer Fokus. Man geht eher im Wald als in der Mall spazieren.

    Aber letztendlich sind wir doch im System gefangen und verbringen unsere Zeit mit Dingen die wir nicht machen wollen. Aber sollten wir nicht Dankbar sein? Medizinischer Fortschritt, eine hohe Lebenserwartung. Das sind doch alles tolle Entwicklungen.

    Aber was bringt es, wenn man bis 70 den Großteil seiner Zeit mit Tätigkeiten mit Menschen verbringt, die man freiwillig nicht machen bzw. kennen würde.

    Minimalismus soll für mich dazu beitragen freier und glücklicher zu sein. Trotzdem hänge auch ich (uns meine Frau) quasi fest. Wir haben ausgemistet. Kaufen mittlerweile selten, dafür hochwertig ein, aber letztendlich geht es oftmals um die Knete.

    Mein Ziel wäre ein glückliches Leben zu führen und möglichst viel Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen. Der Minimalismus kann dazu beitragen diesem näher zu kommen, aber der Minimalismus ist nicht die Lösung oder das Ziel. Denn „minimal“ bedeutet geringstmöglich. Aber was wir suchen ist doch das „größtmögliche“ Glück.

    • Vielen Dank für deine Kommentar, Chris.
      Dein Gedanke, dass wir im System gefangen sind, finde ich interessant. Ich kann diesen Gedanken sehr gut nachvollziehen. Aber mir fallen dazu ein paar Denkaufgaben ein, die dich vielleicht weiterbringen könnten:
      – Wer oder was hält DICH in diesem System gefangen? Meine Antwort: Nur DU selbst, DEINE Gedanken, Vorstellungen, Wünsche und Träume.
      – Warum verbringst DU „den Großteil DEINER Zeit mit Tätigkeiten, mit Menschen, die DU freiwillig nicht machen bzw. kennen würdest“? Meine Antwort: Geld?
      – Welche Schritte kannst Du tun, wie kannst DU DEIN Leben verändern, um weniger von Geld abhängig zu sein?
      Und bei der letzten Frage entscheidet sich alles: Wie viel bin ich bereit auszugeben? Auf wie viel bin ich bereit zu verzichten, um nicht mehr „gefangen“ zu sein und mehr Autonomie (passt wohl besser als Freiheit) über mein zu erlagen?
      Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig Klarheit verschaffen!

      • Wenn ich eins im Leben gelernt habe, dann ist es das, das es nie das Geld ist. Geld wird immer nur als Grund benutzt, um die eigene Unfähigkeit oder Angst zu verstecken.

  2. Ein wunderschöner Artikel, der genau das trifft, über das ich viel nachdenke:
    Wie schafft man sich Sinn? Weder Geld scheffeln noch fanatisch minimieren können das Ziel sein, denn ob ich eine für mich sinnlose Existenz in einer Villa oder einem leeren Zimmer friste, ist letztendlich doch egal.
    Aber welchen Preis muss man zahlen für den Sinn, für das lebendige Leben? Und wie weiß man, ob es das richtige ist?

    Danke dir für den Gedankenanstoß.

    • Vielen Dank für dein Lob!

      Ob etwas Sinn für dich ergibt, dass entscheidest nur du selbst. Das ist ja die Essenz mein meine vorangegangenen Artikels.
      Die Frage nach dem Preis ist eine andere. Hier kannst nur du allein entscheiden, was für dich das richtige ist. Dafür muss man aber über die Grenzen der gesellschaftlichen Normen und Konventionen hinweg denken. Und genau dies löst die Gedenken und Ängste, also die Schmerzen aus.

      Es ist ein Aushandeln zwischen den eigenen und den gesellschaftlichen Vorstellungen. Und dieser Prozess benötigt sehr viel Zeit. Ich habe mich dem Minimalismus 2007 zugewandt und heute bin ich an einem Punkt, an dem ich vieles verändert habe in meinem Leben. Aber ich bin bei weiten noch nicht am dieses Prozessen angelangt.

  3. Lieber Daniel,

    danke für deinen Beitrag. Ich empfinde die von dir aufgeworfenen Fragen als essentiell und, da gebe ich dir recht, sehr fordernd. Sie lassen mich zur Zeit mit schweren Beinen durchs Leben gehen. Ich stelle sie mir nämlich auch. Und ich komme zu keinem befriedigenden Schluss.

    Bin ich eine Minimalistin? Ich weiß es nicht. Ich würde mich als Optimiererin bezeichnen. Optimale Nutzung unserer kleinen Wohnung und optimale Nutzung von Gebrauchsgegenständen durch Weitergeben. Das ist es, was mich beim „Ausmisten“ und „Simplifying“ motiviert. Auch Zeit optimiere ich gerne. Wie schaffe ich möglichst viel Arbeit in möglichst kurzer Zeit, um Raum für andere Dinge zu haben?

    Als Arbeitnehmerin war es mir immer ein Anliegen, nicht mehr zu arbeiten, als ich Geld brauchte. Ein höheres Gehalt war für mich nie ein Anreiz mehr zu arbeiten, da meine Freizeit heilig war. Mittlerweile bin ich nicht mehr angestellt, sondern selbstständig. Ich arbeite mehr als je zuvor in meinem Leben. Und das, obwohl ich vehement Frigga Haugs Position vertreten habe, dass für alle 4 Bereiche in der Zeiteinteilung gleich viel Platz sein muss – also gleich viel Zeit für Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesenarbeit und Entwicklungschancen.

    Als Selbstständige erlebe ich das Streben nach der Verteilung der Zeit plötzlich von einer neuen Seite. Zur Zeit arbeite ich zwischen 60 und 70 Stunden pro Woche. Viel Erwerbsarbeit, wenig aus den anderen 3 Bereichen. Weniger Erwerbsarbeit wäre toll! Leider bedeutet das, wir brauchen mehr Angestellte und mehr Angestellte bedeuten kein Gewinn. Also habe ich dann ein bisschen weniger Arbeit und kein Geld. Das will ich auch nicht.

    Die Frage nach der Zeit für von Arbeit, Muse, Sozialleben, Kultur und Bildung ist eine Luxusfrage. Eine schmerzhafte Luxusfrage, der Menschen sich stellen können, die Sicherheit und Freiheit gleichermaßen genießen. In manchen Phasen des Lebens stellt sich die Frage nach der richtigen Verteilung nicht. Da stellt sich nur die Frage nach dem Über-die-Runden-Kommen. Zum Glück sieht auch Frigga Haug das so. In machen Phasen überwiegt einer der vier Bereiche. Aufs Leben gerechnet muss es sich ausgehen.

    Ich versuche gerade zu akzeptieren, dass ich alle 4 Bereiche sehe und nur für einen Ressourcen habe. Ich möchte die Situation mit Humor und Zuversicht zu nehmen. Ja, ich arbeite viel. Ja, ich hätte gerne mehr Freizeit. Der Aufbau von einem eigenen Unternehmen macht mir gerade wahnsinnig viel Spaß. Und morgen wird es schon leichter sein. Und übermorgen erst! Da mach ich dann ganz viel Familienarbeit und Gemeinwesenarbeit und nutze meine Entwicklungschancen. Darauf freue ich mich schon!

    So dürfen all jene, mit Schmerzen bei der Annäherung an die Frage der richtigen Verteilung von Ressourcen zumindest eine kleine Freunde darüber verspüren, dass sie an einem Punkt im Leben angekommen sind, an dem sie Platz für diese schmerzhafte Frage geschaffen haben.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar! Aber irgendwie haben deine Ausführungen bei mir ein schlechtes Gefühl ausgelöst.
      Gerade drei Wörter sind mir so entgegen gesprungen, dass sie ein schmerzhaftes ziehen in meinem Bauch ausgelöst haben: „Wir brauchen mehr…“. Ich weiß, diese Wörter sind etwas aus dem Zusammenhang gerissen und ich kann die Situation in der du dich befindest absolut nicht einschätzen. Ich weiß nicht, wie viele Personen du durchbringen musst. Und ich weiß auch nicht, ob du in einer hochpreisigen Region wohnst.
      Aber… Du nennst dich selbst eine Optimiererin. Es hört sich aber so an, als wärst du dies nicht aus Spaß sondern aus der Not heraus. 60-70 Stunden Erwerbsarbeit? Was versuchst du denn zu erwerben? Besitz? Geld? Oder nur Zeit (die irgendwann mal kommen soll)?
      Du stellst dir die Frage vom „ Über-die-Runden-Kommen“. Mir drängt sich da die Frage auf: „Wie viel benötigst du, um „über die Runden“ zu kommen?
      Mein Antwort darauf, wie viel ich benötige, habe ich hier gefunden: http://www.intelligenter-konsum.de/simpleliving14.htm Meine persönliche Rechnung für mein Leben kommt dem sehr nahe.
      Mir persönliche ist meine Lebenszeit viel wichtiger als Geld und Konsum. Deshalb habe ich mein Leben über Jahre hinweg so verändert, dass ich wenig Geld zum Leben benötige. Das war mit nicht wenigen Schmerzen verbunden.
      Erzähle ich anderen, wie viel Geld ich im Monat zur Verfügung habe, dann ernte ich erstaunte Blicke: „Davon kannst du dich niemals Leben!“ oder „Das liegt doch unter dem Existenzminimum“. Mag sein. Mir fehlt es aber an nichts. Ich habe alles, was ich möchte und brauche. Dafür habe ich Zeit! Zeit mich mit den Dingen zu befassen, die mein Leben bereichern und verschönern. Das kann ich nicht mit Geld oder Konsumgütern aufwiegen.
      Falls ich total am Ziel vorbeigeschossen bin, tut es mir leid. Ich weiß, dass das Leben extrem komplex sein kann und ich viele Sicht- und Verhaltensweisen erst wirklich nachvollziehen kann, wenn ich selbst in dieser Situation wäre. Dazu hat jeder von uns andere Wünsche und Vorstellungen über sein Leben. Da wäre es töricht, jemand anderem vorzuschreiben, wie er sein Leben gestalten soll. Dies waren nur meine Gedanken, die in mir beim Lesen deines Kommentar aufkamen. Vielleicht bringen sie dich ja irgendwie weiter.
      Liebe Grüße und alles Gute!

      • Lieber Daniel,

        danke für deine Antwort. Wie viel Geld ich zum Leben brauche? Fast gar keines. Geld ist auch in keinster Weise Motivator für die viele Arbeit. Ich möchte einer Arbeit nachgehen, die für mich sinnvoll ist. Ich habe mich gemeinsam mit meinem Partner für die Selbstständigkeit entschieden. Wir machen etwas für mich sehr sinnstiftendes: Wir versorgen 1000 SchülerInnen mit gehaltvollem Essen. Dass das zu zweit eine Menge Arbeit bedeutet, war uns klar. Und dass ein Unternehmen nicht von heut auf morgen wie geschmiert läuft, wird uns immer mehr bewusst. Ich übe mich gerade in Geduld. Das tut mir sehr gut. Ich denke langfristig und baue Wege, die uns langfristig ans Ziel führen. Das Ziel, das ich vor Augen habe, ist eine 30-Stunden Woche bei gutem Einkommen. Gut heißt für mich, dass wir für unsere Arbeit im Verhältnis ähnlich viel verdienen wie unsere LieferantInnen, unsere MitarbeiterInnen, unsere KundInnen. Zur Zeit leben wir von sehr wenig Geld. Das gehört auch dazu zum Beginn einer Selbstständigkeit.

        Ich finde deinen Artikel sehr gut und wichtig. Minimalismus hört beim Ausmisten nicht auf. Dennoch finde ich es wichtig, sich in Phasen, in denen die Arbeit schier nicht enden will, sich nicht noch zusätzlich unter Druck zu setzen, weil man keine Zeit hat, anderen Bereichen des Lebens zu fröhnen. Ein Licht am Ende des Tunnels muss ich sehen können. Dann schaffe ich es, auch die arbeitsintensiven Phasen des Lebens zu meistern. Und Schritt für Schritt kann ich mich deinen wirklich inspirierenden Fragen wieder widmen.

        • Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg bei deinem Weg! Du hast schon recht, dass es wichtiger ist, seine Zeit mit etwas für sich sinnvollem zu verbringen, auch wenn es nicht viel Geld abwirft. Solange man das nicht auf Kosten seiner Gesundheit macht, ist da auch nichts gegen einzuwenden!

  4. Hallo Daniel. Minimalismus-Themen, die über das reine Reduzieren von Dingen hinaus gehen. Erstmal danke dafür. Ich werde immer etwas kritisch-hellhörig, wenn sich alles so super easy anhört. So, wie es eine Illusion ist, dass das Leben mit all dem Krempel leichter wird, wird es auch nicht automatisch leichter, wenn ich den Krempel weglasse. Es entlastet in vieler Hinsicht. Das tut gut und befreit. Aber ich entdecke dann, wenn der Kram an die Seite geräumt ist, auch vieles andere. Die Verdrängung durch Konsum funktioniert halt nicht mehr, aber der minimalistische Entusiasmus hält auch nicht ewig. Dann wird es schwierig, aber auch interessant. Welchen Interessen, Leidenschaften folge ich weiter, welche lasse ich aber auch los? Das ist mitunter schmerzhaft, ich kenne das auch. Bei mir war es die Akzeptanz körperlicher Grenzen und die Verabschiedung mit Schwerhörigkeit aktiv Musik machen zu wollen. Schwierige Entscheidung, schwieriger Prozess, aber letztlich doch sehr befreiend.

    • Liebe Gabi,
      ich kenne das, was du beschreibt sehr gut. Wie du ja weißt, habe auch ich mit einigen kleinen und einem ziemlich großen Handicap zu leben. Akzeptanz heißt da das Zauberwort. Ich kann mir mein Leben verschlechtern und damit hadern. Oder aber ich akzeptiere es so, wie es ist und richte mit drum herum ein gutes Leben ein. Dieser Prozess ich bei mir noch in vollen Gange und mir vielen Wachstumsschmerzen verbunden.
      Einfach ist das alles nicht! Aber genau deswegen bin ich der Meinung, dass wir als Blogger und alle Teilnehmer der Stammtische in Zukunft mehr mit den Themen des Post- oder NeoMinimalismus auseinandersetzen müssen. Ich hoffe, dass ich diese Gedanken an viele Menschen weitergeben kann. Und die sich dann wiederum selbst mit den Themen auseinander setzen und neue Ideen und vielleicht sogar Lösungen ausarbeiten können. Das wäre ein Traum!

  5. Hallo Daniel,

    ich finde deine Gedanken (wie immer) interessant. Auch schon im Podcast. Abläufe optimieren. Durch Minimalismus. Das hilft doch auch bei Krankheit. Keine Pläne für das ideale Ich machen, sondern sich fragen: Was ist realistisch in der veränderten Lebenssituation? Wie will ich leben? Was ist mir eine Vereinfachung? Welche Abläufe will ich optimieren? Was ist mir im Weg? Innerlich entrümpeln: Gedanken. Wertfrei leben. Meditation. Bin mit empty nest beschäftigt. Klar, erst mal hat mir das Entrümpeln geholfen. Meine Tochter ist im Ausland. Wie will ich jetzt leben? Wozu meine neu gewonnene freie Zeit nutzen? Das ist ein Prozess. Ist nicht mit einmal entrümpeln getan. Ich lese auf Blogs aber das ist oft nicht meins. Kochen, was selbst machen, habe ich wieder gecanzelt. hat mich nur gestresst. Das Projekt „Kleiner Wohnen“ ist gescheitert. Auch da hinkt der Minimalismus. Ein Jahr Wohnungssuche war bei mir erfolglos. Wäre es überhaupt eine Verbesserung? Zu teuer oder umgebaute Kaufhäuser und andere Katastrophen. Es fehlen so 30 qm Container-Siedlungen, innen chic, nachhaltig im Energieverbrauch. Das wird kommen.

    Liebe Grüße – Tanja

    • Das mit der Wohnungssuche kenne ich nur zu gut. Und das Menschen wie uns der geeignete Wohnraum fehlt, sehe ich ebenfalls so. Ich würde auch gerne unabhängiger Wohnen. Das sind Themen, die aber bei mir, auch als Texte für den Blog, auf dem Plan sind.
      Denn nachdem ich das Thema ausmisten nicht mehr als zentral für den Minimalismus ansehe, sprudelt es nur so vor Idee… =)

  6. Robert sagt

    Hallo Daniel
    Stimmt alles….Das “ wenig DINGE besitzen“ sollte nur der SCHLÜSSEL zum Minimalismus an sich sein….Mir hat es jedenfalls geholfen viele Dinge in meinem Leben zu verbessern.Fokus auf mich, meine Umwelt etc.
    Mehr Zeit da weniger Arbeit und weniger Verpflichtungen….Das betrifft durchaus auch Menschen von denen man sich trennt etc….
    Zeit zu haben für das was wirklich PERSÖNLICH für einen wichtig ist ( was ja sehr individuell sein kann)
    Ich lebe tatsächlich so wie du es ein bisschen beschrieben hast mit extrem wenig Dingen, und mir gefällt es aber so und ich liebe die Einfachheit und Klarheit die mich auch dazu bringt das Leben an sich EINFACH zu gestalten und ich in vielen Dingen KLAR mit mir bin…. und naürlich heisst MINIMALISMUS nicht sich nur von den Gegenständen zu trennen und sonst nichts zu verändern und im sogenannten HAMSTERRAD steckenzubleiben…
    Für mich ist MINIMALISMUS eben der SCHLÜSSEL für diesen Lebensweg….Lieben Gruß aus Köln, Robert

  7. Ein sehr interessanter Artikel! Ich bin noch recht neu in der Minimalismus-Szene, auch wenn mich „leere weiße Räume“ schon immer angezogen haben. Zwischenzeitlich ist mir auch klar geworden, dass „ein weniger an Gegenständen“ es mir erleichtert, den Kopf frei zu kriegen, um letztlich bewußt(er) zu Leben.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar Andreas. Ich kenne die Faszination von leeren, weißen Räumen auch, aber selbst durch mein minimalistisches Leben bin ich nicht in der Lage, mir meine Eigenen zu schaffen. Aber dafür habe ich durch all das losgewordene Zeug zumindest viele freie Flächen dazu gewonnen…

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