Minimalismus
Kommentare 5

Türchen 6 – Was will ich unbedingt noch loswerden?

Vor etwa einer Woche war ich bei Gabi von achtsame-lebenskunst.de zu Gast. Und wie ich den zahlreichen und immer wiederkehrenden Nachfragen nach einer Roomtour entnehmen kann, bin ich nicht der Einzige, der sich dafür interessiert, wie Minimalisten so leben. Und im Gegensatz zu meiner Wohnung sieht es bei Gabi auch so aus, wie man es bei einer Minimalistin erwarten würde.

Davon bin ich nicht unbedingt weit entfernt. Aber dennoch würde meine Wohnung eher als „normal“, durchgehen. Ich sage immer: Die Schränke sind leer, aber es ist trotzdem unordentlich. Aber warum ist das so?

Kein Bett?

Es gibt wohl einfach einige Dinge, ohne die ich nicht Leben kann und möchte. Zum Beispiel? Mein Bett. Ich hatte mir im Frühjahr diesen Jahres einen gebrauchten Futon gekauft. Einfach, weil ich endlich einmal testen wollte, wie es sich drauf schlafen lässt. Und es war auch nicht so schlimm, wie es sich viele vorstellen. Ganz im Gegenteil.

Allerdings machte sich in mir nach einigen Tagen ein ungutes Gefühl breit. Warum weiß ich nicht genau. Ich wollte mein Bett zurück. Also baute ich es wieder auf…

Kein TV?

Das, was viele Menschen unter Fernsehen verstehen, schaue ich bereits seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Damals bekam ich meine meinen eigenen Pay-TV-Reciever und schaute dadrüber alles, die ich sehen wollte.

Mitte der 00er Jahre kaufte ich mir dann einen DVB-T-Reciever mit eingebauter Festplatte, mit dem ich Sendungen aufnehmen und die Werbung einfach überspringen konnte. Dieser wurde, nach seinem Ableben, durch die Mediatheken und Podcastangebote des Öffentlich-Rechntlichen-Rundfunks ersetzt. (Und spätestens seitdem zahle ich sehr gerne meine Rundfunkgebühren. Anders ist eine freie Berichterstattung in Zeiten von Werbung, Produktplatzierungen und Influencern kaum möglich.)

Heute nutze ich meinen TV zu etwa Dreiviertel seiner Zeit als reines Display für Videospiele. In der restlichen Zeit schaue ich über die Mediatheken zumeist Dokus. Das hört sich erst mal viel an. Aber wenn das Gerät am Tag mal länger als eine Stunde an ist, dann ist das schon viel.

Nachdem ich bei Gabi war, die natürlich keinen TV besitzt, machte ich mir einige Gedanken um dieses Gerät. Denn es ist ja nicht nur das Gerät, sondern auch Möbel, Videospielkonsolen, Kabel und einige Medien, die ich nur wegen diesem TV besitze. Ist was wirklich notwendig?

Seit nun fünf Tagen habe ich das Gerät nicht mehr eingeschaltet. Ich wollte sowieso mal eine Videospielauszeit machen. Und Dokus kann ich auch sehr gut auf meinem kleinen Laptop schauen. Aber ob das auch so bleiben wird, weiß ich nicht. Und ob ich dann auch den Fernseher abgeben würde, weiß ich noch weniger. Vermutlich nicht.

Das gemachte Nest

Was ich aber wohl weiß: Wenn der TV kaputt gehen würde, würde ich mir erst mal keinen Neuen kaufen. Das gleiche gilt für meine Waschmaschine, Kühlschrank, Videospielkonsolen oder mein Auto.

Denn es ist schwieriger sich von noch funktionierenden und gern genutzten Dingen loszusagen, als durch einen Defekt von diesen getrennt zu werden. Zumal es auch weder wirtschaftlich noch ökologisch wäre, sich von funktionierenden Dingen zu trennen.

Ebenso würde bei einem Umzug wohl vielen einfach nicht den Sprung in die neue Wohnung schaffen.

Fazit

Ja, es gibt noch viele Dinge, auf die ich vielleicht verzichten könnte, die ich aber nicht ausgemistet und abgegeben habe. Aber Gewohnheit und Bequemlichkeit lassen mache Dinge wichtiger erscheinen, als sie vielleicht sind. Auch deswegen ist Minimalismus keine einmalige Hauruck-Aktion, sondern ein Prozess, der über einen sehr langen Zeitraum, stetige Veränderung mit sich bringt…

—-

Hier findest Du weitere Beiträge von:

Keri-Chaotic: kerichaotic.jimdo.com
Michael: www.minimalimus-leben.de

Wenn du auch einen Text zum heutigen Thema des Advendskalenders geschrieben hast, dann verlinke ihn bitte in einem Kommentar unter dem Beitrag. Ich werde deinen Post dann ebenfalls hier im Beitrag verlinken.

—-

Kostenlose Audioversion als MP3 aller meiner Videos (auch als Podcast): https://www.patreon.com/schlichtheit
Dort kannst Du mich und meine Arbeit auch unterstützen.
Oder teile einfach das Video oder den Blobpost. Auch das hilft mir sehr, die Idee des Minimalismus und der einfachen Lebens voran zu bringen!

Aber auch über ein Abo, einen Like oder deinen Follow in den sozialen Netzwerken würde ich mich sehr freuen!

5 Kommentare

  1. Hallo Daniel,
    das ist ja spannend. Auf die Idee, dass es bei mir so aussehen könnte, wie man es von Minimalist_innen erwartet, wäre ich nie gekommen. Nachdem ich gestern eure Beiträge zu „Minimalismus-Traum“ gesehen und gelesen hatte, fielen mir nämlich noch so etliche Dinge auf, die ich gerne anders hätte und am liebsten wäre ich gleich losgezogen und hätte meine Wohnung nochmal komplett auf den Kopf gestellt. Meinen Kleiderschrank z.B. möchte ich irgendwann mal durch Kommoden ersetzen. Kleiderschränke mochte ich noch nie. Warum habe ich ihn dann?? Das Thema „Sofa“ ist bei mir auch noch nicht durch. Aktuell träume ich von Kommoden, die ich auch als Sofa-Sitzgelegenheit nutzen kann – aber wer weiß, ob das funktioniert und welche Ideen ich nächste Woche habe…. Ich denke, es wird bei jede/m immer irgendwas geben, was noch verändert werden könnte und manchmal denke ich: Lieber Himmel, Gabi – lass es doch einfach mal wie es ist. Geht bei mir gar nicht, ständig neue Ideen…

    • Oh doch, Gabi! Deine Wohnung hat mich sehr beeindruckt! Im Vergleich ist mir aufgefallen, wie viel Quatsch ich noch besitze.
      Habe seit dem Besuch bei dir, meinen TV nicht mehr angehabt und nicht gezockt. Denn würde ich meinen TV nicht mehr „brauchen“, dann hätte ich wieder sooo viele Dinge, die ich loslassen könnte.
      Ich finde es aber spannend, dass du sagt, das du auch noch Dinge loswerden willst. Unser Ausmisten hört wohl nie auf… =D

  2. Evelyne sagt

    Hallo Gabi und Daniel
    Ich bin schon etwas weiter, höhö. Ich habe kein Bett, nur einen Klappliegestuhl, keinen TV, nur ein Netbook, keine Möbel, nur einen Klappstuhl und Klappboxen sowie ein paar Säcke, an deren Abbau ich noch arbeite, das alles in einem 5 qm-Lagerraum. Ich vermisse nichts, weil es überall in der Stadt und in der Bahn Infrastrukturen gibt, die ich kostenlos nutzen kann. Ich werde zwar nächstes Jahr ein kleines billiges Studiozimmer mieten, aber das brauche ich eigentlich nur, damit ich einen festen Wohnsitz und einen Schlafplatz habe.
    Liebe Grüße aus der Schweiz, Evelyne

  3. Hallo Evelyne,
    für mich ist es ehrlich komplett unwichtig, ob das, was ich habe, nun möglichst wenig ist. Das wäre nur relevant, wenn ich z.B. als digitale Nomadin mit Rucksack und Laptop durch die Gegend ziehen würde. Genau das habe ich aber definitiv nicht vor, geht in meinem Job auch nicht. Ich wohne in einer „normalen“ kleinen Mietwohnung, bin nach Abschluss meiner ersten Ausbildung (von insg. zwei Ausb.), seit 35 Jahren berufstätig und gehe einem „normalen“ Teilzeitjob nach und in dem Alter, wo ich noch irgendwas bei Mama und Papa im Keller bunkern würde, bin ich auch nicht mehr. Ich lasse mich sehr gerne von anderen inspirieren, vergleiche mich aber nicht – das habe ich minimalisiert 😉

  4. Evelyne sagt

    Hallo Gabi
    Das finde ich auch gut so. Ich bezog mich auf euer gegenseitiges Vergleichen und fand das lustig, denn stimmt, darauf kommt es nicht an. Also ich würde auch nichts im Keller der Eltern bunkern wollen, abgesehen davon, dass ich schon 49 bin und meine Eltern im Himmel auf mich warten, bis auch ich die letzte Reise auf Erden antrete. Von meiner sterbenden Mutter habe ich übrigens sehr viel gelernt in Sachen Minimalismus. Es war einzigartig, wie sie innerlich und äußerlich losließ, bevor sie im Januar starb. Mit ihr ließ ich auch vieles los, um frei zu werden wie sie auf anderer Ebene. Ich werde mit ihr reisen, sie über den Wolken, ich darunter, den Bergen zu, sagte ich ihr und sie lächelte. Lieben Gruß aus der Schweiz, Evelyne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.