Minimalismus, Psychologie
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Der Endowment-Effekt

Warum ist es eigentlich so schwer sein Hab und Gut loszulassen, wenn einem bewusst wird, dass es eigentlich gar nicht mehr benötigt wird?

Eine Antwort auf diese Frage hat der Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler bereits im Jahr 1980 gefunden, den Endowment-Effekt.

Der Endowment-Effekt, auch bekannt unter dem Namen Besitztumseffekt beschreibt, dass wir Menschen (Erwachsene wie Kleinkinder, aber auch Affen) den Wert eines Gegenstandes falsch einschätzen. Denn einem Gegenstand, der sich in unserem Besitz befindet, schreiben wir einen höheren Wert zu, als er objektiv ist.

Diese Erfahrung mache ich immer wieder, wenn ich Dinge loslassen möchte. Ein klassische Beispiel war meine DVD-Sammlung, für die ich pro DVD vielleicht noch einen oder zwei Euro bekommen habe. Das der Kaufwert höher war ist logisch, aber der ideelle Wert der einzelne Scheiben war für mich ein ganz anderer.

Wenn wir uns also mit dem loslassen von Gegenständen befassen, fällt demnach unsere Bereitschaft geringer aus, einen Gegenstand wirklich auch abzugeben (willingness to accept), weil dessen Wert für uns höher schein, als er es in Wirklichkeit ist.

Dieser Sachverhalt lässt sich aber auch umkehren. So kann unsere Bereitschaft etwas zu erstehen geringer sein, als der tatsächliche Wert (willingnes to pay). Deswegen ist alles immer viel zu teuer.

Spannend finde ich aber in diesem Zusammenhang die Erkenntnisse einer im August 2013 veröffentlichten Studie, welche besagt, dass dieser Effekt kein Grundsatz menschlicher Natur zu sein scheint.

Durch eine Untersuchung der sozialen Netzwerke des Volksstammes der Hadza aus Tansania wurde gezeigt, dass Mitglieder welche wenig Kontakte zu Menschen außerhalb ihres Stammes pflegen, eher bereit sind persönliche Gegenstände gegen einen Gleichwertigen zu tauschen; nämlich zu etwa 50%. Mitglieder, die mehr Kontakte nach außen besitzen, halten eher an Ihren Dingen fest und tauschen diese nur zu etwa 25%.

Demnach scheint dieser Effekt nicht in der menschlichen Natur zu liegen, sondern sich auf kulturellen und zwischenmenschlichen Gepflogenheiten heraus zu entwickeln.

Quellen:
(1) „Evolutionary Origins of the Endowment Effect: Evidence from Hunter-Gatherers“ von Apicella, Azevedo, Fowler, Christakis
(2) Wikipedia: „Endowment-Effekt“

3 Kommentare

  1. Wow… Danke für diesen informativen Artikel. Das Phänomen war mir bekannt, aber nicht wirklich bewusst.

    Du hast es in dem CD/DVD aber auf den Punkt gebracht: Der Trennungsschmerz wird nur durch einen höheren Preis als dem Marktwert “entschädigt”.

    Viele Grüße
    Emi

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