Konsum, Minimalismus
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SmartPhone

Tja… Eigentlich hatte ich diesen Text schon fast fertig. Dann ist mir gestern mein 2,5 Jahre altes Smartphone über die Klippe gesprungen. Aber die Gedanken möchte ich trotzdem nicht versanden lassen.

Vor zweieinhalb Jahren habe ich ein Smartphone bekommen, welches ich mir bis dahin nicht leisten wollte. Klar, es war schick und toll, aber den Preis fand und finde ich echt etwas übertrieben. Aber gefreut habe ich mich trotzdem drüber. Diese ganze Apps-Geschichte war mir jedoch nicht neu. Ich besaß das erste Telefon auf dem Java lief und war auch ganz vorne dabei als Symbian ans Betriebssystem Anfang der 2000er startete. Spielkind halt. Aber ich merkte auch, dass ich Telefone, die sich durch Funktionen erweitern ließen, länger benutzte. Und mit dem letzten Smartphone war ich an einer guten Quelle und vermisste bis zum Ende (kaum) etwas.

Anfang diesen Jahres wurde ich durch einen Podcast auf die Idee gebracht, die untere Reihe des Startbildschirms des Telefon zu leeren. Erst empfand ich diese Idee als etwas abwegig, weil ich viel zu viele Programme installiert hatte und den Platz gute nutzen wollte. Aber mit der Zeit überprüfte ich jedes einzelne Programm. Brauchte ich das Programm wirklich immer auf dem Telefon? Oder könnte ich es bei Bedarf auch einfach neu Laden? Muss alles so überfüllt sein?

Mit der Überprüfung löschte ich ca. 80% der installierten Apps und blieb bis zuletzt unter der 20er Marke. Ich merkte, dass ich eigentlich nur ganz wenige Programme wirklich regelmäßig nutze. Und ich vermisste nichts.

Mit Ende des Mobilfunkvertrages Mitte diesen Jahres, wechselte ich wieder zu meiner alten Nummer und somit auch zurück zu einem Prepaid-Anbieter. Mobiles Internet bestellte ich testweise erstmal nicht, sondern testete auch hier aus, ob ich es wirklich brauchte. Dabei stelle ich nur Positives fest: Der Akku hielt plötzlich wieder zwei Tage oder länger, ich hatte mehr Ruhe, es konnten weitere Programme entfernt werden, die nur unterwegs sinnvoll funktionierten und Internet brauchten, ich wurde nicht ständig durch Mails abgelenkt, die nicht wichtig waren und ich sparte auch ein bisschen an meinen Ausgaben. Zwei Nachteile vielen mir aber auch auf: Zum einen konnte ich nicht mal eben schnell nach dem Weg schauen und zum anderen fehlte auch die schnelle Möglichkeit zu Preisvergleichen, wenn man im Laden steht.

Am Ende war ich mit meinem Telefon, so wie es ist, ziemlich zufrieden. Natürlich schaute ich immer mal wieder, was es so Neues gab, musste aber schnell feststellen, dass alles keine wirkliche Alternative war.

Als nun gestern mein Telefon nicht mehr startete, geriet ich etwas „in Panik“. Es muss ja schnell ein neues Smartphone her. Einige Stunden verbrachte ich in einschlägigen Schweineläden und Internetseiten und verglicht die einzelnen Telefone. Ich wollte schon auf „kaufen“ klicken, ließ es aber doch sein, als mir bewusst wurde, dass ich durch die Trennung von Musikplayer, Telefon und Internetzugangsgerät doch noch mehr Ruhe in den Alltag bekomme. Ich kramte mein altes Handy und den alten Festplatten-MP3-Player raus und machte alles startklar.

Bereits vor einigen Wochen habe ich mein Smartphone für zwei Wochen in die Schublade gelegt und mit obiger Konstellation gelebt. So merkte ich, dass Handys viel Zeit, Energie, Geld (was wiederum ja auch Zeit und Energie ist), Aufmerksamkeit und Ruhe in Anspruch nehmen können. Auch in diesem Bereich sollte man sich ab und zu fragen, ob und was genau man wirklich will und braucht, sowie der Frage nachgehen, wie etwas sein eigenes Leben berührt und verändert.

Ich bin ehrlich: Ob und wie lange ich mit dieser Konstellation zufrieden sein werde, mag ich nicht einschätzen wollen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich mir morgen wieder ein Super-Glitzer-5Zoll-MP7-AllesKannNixMuss-Telefon kaufen werde. Aber im Moment bin ich so zufrieden und das ist wohl die Hauptsache.

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