Minimalismus, Psychologie
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Was ist Überfluss?

Überfluss

by assillo/flickr.com

Der Weg hin zu einem minimalistischem Leben beginnt mit der Frage, was genau denn im eigenen Leben Überfluss, beziehungsweise überflüssig ist.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Überfluss

Meist besteht schon seit längerer Zeit eine gewisse Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben. Es muss nichts tiefgreifendes sein. Schon ein zu voller und unaufgeräumter Kleiderschrank kann die Ursache sein. Denn genau in diesen sichtbaren Manifestationen wird auf klare Weise der eigene Überfluss sichtbar.
Diese sichtbaren Dinge, lassen sich meist schnell beseitigen. Ein wenig Zeit und der Wille zum Ausmisten reicht meist aus und der erste Schritt in eine Zukunft mit Weniger ist getan.

Der Überfluss unserer heutigen Zeit ist aber viel tiefgreifender. Der Ballast, der unser Leben in jedem Moment beschwert, ist nicht nur materieller Natur. Was genau dieser Ballast genau ist, hängt von den eigenen Erwartungen, Wünschen und der eigenen Lebensweise ab.
Für jeden Menschen mag Ballast etwas anderes Bedeuten. Während dem einen es mehr darum gehen mag, sich von den materiellen Dingen zu lösen und so leichter durchs Leben zu gehen, mag eine andere Person eher unter zu wenig Zeit für die persönlichen Belange leiden.

Doch wie genau findet man nun heraus, was der eigene Überfluss genau ist?

Im Grunde ist diese Frage ganz einfach zu beantworten. Den eigenen Ballast erkennt man ziemlich deutlich, indem man sich selbst etwas Zeit nimmt, stehen bleibt, zur Ruhe kommt und dann ganz einfach in sich hinein horcht. Die richtigen Gedanken und Fragen kommen dann ganz von alleine.
Wie viele X brauche ich eigentlich wirklich? Tun es nicht auch ein paar weniger?
Benötige ich wirklich das neue Y?
Warum habe ich eigentlich so wenig Zeit/Geld/Freude/etc. in meinem Leben? Was kann ich dagegen tun? Was kann ich reduzieren damit ich mehr habe?

Wer willst du sein?

Es geht im Grunde darum herauszufinden, was wir selbst wollen. Die Gesellschaft lebt uns viele verschiedene Dinge vor, die wir zumeist ungefragt übernehmen. Mehr von etwas ist für viele Menschen immer noch besser.
Zudem geht es in der Wirtschaft immer nur um Wachstum. Wir sind mit diesen Konventionen groß geworden und hinterfragen vieles nicht mehr. Aber ist ein Auto zum Leben wirklich notwenig, wenn man in einer Großstadt wohnt? Muss die gesuchte Wohnung wirklich größer sein, als die aktuelle, damit mehr Stauraum vorhanden ist? Muss man eine Fernreise unternehmen, um vor den Kollegen etwas zu erzählen zu haben? Oder noch schlimmer, um mithalten zu können? Muss alles immer schön/neu/perfekt sein?
Nicht andere sollten den Maßstab für das eigene Leben vorgeben, sondern es sollte sich auf einem selbst heraus entwickeln können! Nur wir selbst sind die Skala und entscheiden, was wir für wirklich notwenig und was wir für überflüssig halten.

13 Kommentare

  1. Hallo Daniel,
    die letzte Zwischenüberschrift ist die Frage, die für mich die beste Technik geworden ist, um herauszufinden, was ich noch in meinem Leben ändern will. “Wer will ich sein”. Die Frage stelle ich mir immer dann ganz konkret, wenn mal wieder etwas nicht so läuft, wie es sollte. Ich rege mich darüber auf, dass die Katze auf den Tisch gesprungen ist und an unserem Essen war. Kurz bevor ich die Katze anschreie, frage ich mich: “Will ich wirklich der Typ sein, der eine Katze anbrüllt?” Nein, natürlich will ich das nicht sein. Die Frage hilft, ist wie eine Art Messgerät für den Alltagsgebrauch.
    Blick in den Kleiderschrank: Will ich wirklich der Typ mit zwölf Hemden sein, dem nur fünf davon gefallen? Nein, wollte ich nicht. Also ist der Weg plötzlich ganz klar. Und Schritt für Schritt werde ich (so der Plan) immer mehr der Typ, der ich sein will.

    Toller Artikel! Gruß, Marco

    • Du hast recht. Das ist die Frage der Fragen.
      Ich stelle jetzt aber mal die Behauptung auf, dass die wenigstens sich wirlich einmal überlegt haben, was sie wer wo sein wollen. Der am Freitag kommende Artikel beschäftigt sich auch mit diesem Thema…

  2. Die Frage hilft mir auch immer wieder, zu erkennen, was mir gut tut und was nicht. Denn häufig stelle ich fest, dass ich … gar nicht will.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Einfach mal für kurze Zeit stehen zu bleiben und in sich zu schauen, haben wir irgendwie verlernt. Es ist eine sehr Eigenschaft, die wir wieder lernen sollten.

  3. Huhu Daniel,

    vielen Dank für Deinen Artikel… Du hast wirklich recht, das Stehen-bleiben und Mal-kurz-inne-halten ist wohl das Beste, was man sich selbst antun kann.

    Zu oft gerät man in diesen Strudel von vermeintlichen Verpflichtungen und -noch schlimmer- man strebt Ziele an, die irgendwie gar nicht die eigenen sind.

    Doch bevor man das merkt, steckt man bis zum Hals drin. Bei mir ist wohl immer der wichtigste Indikator, dass “es alles zu viel ist”, wenn ich genervt von etwas bin oder mich unter Druck gesetzt fühle – sprich, wenn sich etwas so richtig schlecht anfühlt.

    Dann ist es, wie Du schreibst, Zeit, die Handbremse zu ziehen, die Welt mal kurz auf stumm zu schalten und ganz ehrlich zu sich zu sein. Will ICH das hier alles?

    Aber ehrlich, dazu gehört immer und immer wieder viel Disziplin, Achtsamkeit und Selbstkenntnis. Ich bleib dran 😉

    LG aus Essen
    Emi

    • Einfach ist es mit Sicherheit nicht, diesen Schritt zurück zu treten und sich drüber im Klaren zu werden, was man eigentlich will. Aber ich denke, er ist essenziell für ein einfaches Leben.

  4. Was will ich?
    Wenn ich mir schon meine 2 wichtigsten Gewohnheiten wegnehme, brauche ich wenigstens mein Space, meine Wohnung gerade für mich. Hab gerade eine Einladung mit im Wald zu leben. Das will ich genauso wenig wie digitaler Nomade zu sein. Das geht alles in so eine Richtung, wo ich nie hin wollte. Leben vereinfachen und Besitz optimieren ist mein Ziel. Die freigewordene Zeit für Sachen nutzen, die mich persönlich weiterbringen. Dazu gehört gerade Gewohnheiten verabschieden und neue etablieren. Anstrengend genug.

  5. Hallo Tanja.

    Leben vereinfachen und Besitz optimieren ist mein Ziel. Die freigewordene Zeit für Sachen nutzen, die mich persönlich weiterbringen. Dazu gehört gerade Gewohnheiten verabschieden und neue etablieren. Anstrengend genug.

    Ich finde, genau dabei handelt es sich um einen nicht endenden Prozess, der das Leben interessant und vielseitig machen kann.

    Ansonsten kann ich Daniel zustimmen. Überfluss ist für mich all das, was ich nicht brauche. Dabei ist es manchmal schwierig, sich über gesellschaftliche Vorgaben hinwegzusetzen. Aber je länger man übt, desto besser wird man darin.

    Viele Grüße,
    Marco

    • Hallo Marco,

      ich hab im Überfluss Menschen die mir reinquatschen. Klingt auch alles toll, Ideen für mein Leben. Nur: Es sind nicht meine Ziele. Wie Emi schreibt. Ich möchte einfach keine Bewertungen mehr von anderen. Minimalismus stellt die Werte auf den Kopf.

      Ich finde keine Initialzündung in mir für die Pläne von anderen für mich. Das muss aus mir selbst kommen. Auf meine eigene Stimme hören. So leise werden, dass ich sie höre. Das ist mir gerade wichtig. Grau aushalten. Ich muss gar nicht wissen, was ich will. Zwischen Nichtmehr und Noch-nicht, weiß man es auch einfach nicht. Verwirrung ist das beste was einem passieren kann.

      Gesellschaftlich wird was an uns ran gequatscht, was gar nicht unser Ding ist oder ich lebe es und bin nicht glücklich damit. Überall lese ich z. B., dass ich mich jetzt alt fühle in meinem Alter. Tue ich aber gar nicht. Einen auf Familie machen, war einfach nicht meins. In 2 Wohnungen mit Kind ging viel besser für mich 16 Jahre. Und alle drei waren glücklich. Ich hab nachgefragt. Die, die das Modell untragbar fanden, haben Jahre später nachgefragt und wollten Tipps bei ihrer Trennung.

      Liebe Grüße – Tanja

      • Ich hab nachgefragt. Die, die das Modell untragbar fanden, haben Jahre später nachgefragt und wollten Tipps bei ihrer Trennung.

        Zu einem einfachen Leben gehört wohl auch die Ehrlichkeit und Treue sich selbst gegenüber. Ich merke jedenfalls, dass ich mich so souveräner Bewegen kann.

        Andererseits mag anderen Menschen dies nicht so viel bedeuten wie mir. Dann finde ich das auch okay.

    • Dieser Übungsprozess, den du beschreibst, ist wie ein Muskel. Ich war mal vor zwei Jahren viel weiter und heute habe ich mir wieder zu viele Dinge angewöhnt, die überflüssig sind. Aber davon weg zu kommen ist schwer. Es ist, als ob ich auf etwas verzichten müsste. Und heute macht man ja alle, nur nicht gerne auf etwas verzichten.

      • Hallo Daniel,

        wenn du sie dir einmal abgewöhnt hast und nun wieder in deine Routinen aufgenommen hast, vielleicht haben sie dir doch gefehlt? Oder sind eventuell nicht gänzlich überflüssig?

        • Einiges ist überflüssig im Sinne eines einfachen Lebens, was ich im Grunde anstrebe. Aber wenn man eine Zeit mal nich sonderlich drauf achtet, dann schlicht sich das ein oder andere wieder ein. Und dann kämpft man wieder mit den gleichen Gedanken, wie als man sie sich das erste Mal abgewöhnt hat…

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