Konsum
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Wie soziale Netzwerke unterschwellig zum Konsum auffordern

by Mark Kens / flickr.com

Nicht kaufen, nicht konsumieren ist verdammt schwierig! In unser Gesellschaft werden wir nicht nur durch Werbung, sondern vor allem durch den sozialen Vergleich zum Kaufen angeregt.
Soziale Netzwerke sind dabei in meinen Augen die größten Konsumverführer. Denn sie präsentieren uns geschickt immer wieder Kaufanreize, die als harmlose Empfehlungen von „Freunden“ getarnt daherkommen.

Besonders auffällig ist mit dies in der letzten Woche via Instagram aufgefallen: Ein Videospielhersteller brachte am 03. März eine neue Spielekonsole auf den Markt. Und da ich einigen Bekannten und Unbekannten in diesen Bereich folge, war meine Timeline ab dem Veröffentlichungszeitpunkt voll mit Fotos dieser Konsole. Es waren nicht einfach nur Bilder der Verpackung oder des Gerätes. Die meisten haben neben der Konsole noch etliches Zubehör und diverse Spiele auf den Bildern fein säuberlich arrangiert und glamourös abgelichtet. Fast schien es so, als wolle jeder mit seinem Bild das der anderen allein im Wert der gezeigten Produkte übertreffen. Oft überstieg der Wert der auf den Bildern gezeigten Dinge den Betrag, von dem ich ohne Probleme einen Monat oder länger Leben könnte, ohne auch nur eine Minute mit Erwerbsarbeit zubringen zu müssen.

Das kuriose dabei war aber vor allem meine Reaktion auf diese Bilder: Auch ich hatte diese Konsole vorbestellt. Jedoch hatte ich mich bereits vor Wochen gegen den Kauf entschieden und diese Vorbestellung storniert. Aber durch den Anblick all dieser Fotos, machte sich in mir ein leichtes Gefühl von Reue, vermutlich auch Neid breit. Ich erwischte mich sogar, wie ich, ohne die Absicht mit dieses Gerät überhaupt zu kaufen, in einem hiesigen Elektromarkt nachschaute, ob denn das Gerät vorrätig und kaufbar sei.

Wie mein Kaufverhalten beeinflusst wurde

Ich weiß, dass wir mehr von dem in unser Leben ziehen, mit dem wir uns täglich beschäftigen. So wie ich mich in den letzten Monaten viel mit dem Thema Videospiele beschäftigt hatte, zog ich auch mehr davon in mein Leben. Und das ganz unbewusst. Mein Interesse, unbewusst angestachelt von Videos auf Youtube, Bildern auf Instagram, themenspezifische Podcasts oder Kaufanreize in Facebookgruppen, hatte meine Achtsamkeit für diesen Bereich Stück für Stück gesenkt und so mein Kaufverhalten durchaus beeinflusst.
Es ist nicht einfach, sich diese Beeinflussung auch einzugestehen. Denn in dem Moment wo mir dies bewusst wird, fühle ich mich schwach und irgendwie übers Ohr gehauen. Und so ungerne ich mir dies selbst eingestehen mag, so schlimmer ist dies, auch noch darüber zu berichten.

“Mir passiert sowas nicht!”

Natürlich werden jetzt viele lachen und sagen „Mir passiert sowas nicht!“. Aber ich denke, dass niemand von sich behaupten kann, keinen (versteckten) Kaufanreizen anheim zu fallen.
Genau zu diesem Thema, der unbewussten Beeinflussung von Werbung und Marken, lese ich gerade das Buch „Buyology – Warum wir kaufen, was wir kaufen“*. Es beschreibt, wie unser Unterbewusstsein auf verschiedene Marketingaspekte reagiert und uns unbewusst zum Konsum anregt. Und auch wenn ich noch nicht am Ende des Buches angelangt bin, so kann ich schon sagen, dass sich niemand von dieser Beeinflussung freisprechen kann.

Was habe ich durch diese Beobachtungen gelernt?

Nun, ganz einfach: Ich habe ziemlich viele „Abos“ bei Instagram, Youtube und unter meinen Podcasts beendet. Und dabei musste ich feststellen, dass es ziemlich einfach ist, auf den Folgen-Button zu drücken, aber verdammt schwer, auf etwas bewusst wieder zu verzichten.
Es ist durchaus vergleichbar mit dem inneren Widerstand, der sich beim Ausmisten von Dingen in einem regt. Vielleicht verpasse ich ja etwas wichtiges? Vielleicht kann ich dieses Abo irgendwann nochmal gebrauchen (z.B. als Gesprächsstoff)?
Natürlich weiß ich, dass das alles Quatsch ist. Aber dennoch ist es, auch nach Jahren des Minimalismus, nicht einfacher geworden.
Ich weiß aber auch, dass ich diese Art von Beeinflussung nicht in meinem Leben habe will! Mein Wunsch ist es, mich so weit es geht davon fern zu halten. Denn Konsumentscheidungen, die ich durch eine solche Beeinflussung treffe, sind genau diese, die mir hinterher ein schlechtes Gefühl in der Magengegend hinterlassen, wenn die erste Dopaminausschüttung nach dem Kauf verflogen ist. Kaufreue ist einfach nur ein Zeichen dafür, etwas gekauft zu haben, was man nicht wirklich braucht oder andere negative Eigenschaften mit sich bringt. Aber dazu in einem späteren Text mehr…

Ist dir eine solche Beeinflussung durch soziale Netzwerke oder andere Technologien auch schon aufgefallen? Wie sah dies bei dir aus? Und wie gehst du damit um?

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