Konsum

Türchen 18 – Wie verändert sich das Kaufverhalten durch Minimalismus?

Ich freue mich, heute einen Gastbeitrag im Zuge unseres Advendkalenders veröffentlichen zu dürfen! Zum heutigen 18. Türchen schreibt Miriam vom YouTube-Kanal “yes to less” darüber, wie sich ihr Kaufverhalten durch den Minimalismus verändert hat.

Wen meine Antwort auf diese Frage interessiert, der findet mein Video zum heutigen Türchen auf Miriams Kanal. Bitte hier entlang… 😉


 

Wie hat sich mein Konsumverhalten mit dem Minimalismus verändert? Eigentlich müsste die Frage andersherum lauten, denn bevor ich mein Konsumverhalten nicht geändert hatte, konnte ich keine Minimalistin werden.

Eine kleine Konsumgeschichte

Jahrelang hatte ich eine On/Off-Beziehung mit dem minimalistischen Leben. Es faszinierte mich schon, als ich mit zwölf Jahren in unsere Fernsehzeitschrift einen Artikel über die positive Wirkung des Aufräumens las. Mit 20 überzeugte mich Rita Pohles „Weg damit!“ davon, wie schön es war, alte Dinge loszuwerden und Platz für Neues zu schaffen. Ich war jahrelang der Meinung, ich sei eine Minimalistin. Bis ich mich irgendwann man mit offenen Augen in meiner Wohnung umsah: stapelweise ungelesene Bücher, Klamotten, die nicht mehr auf die Kleiderstange passten und irgendwelches Zeug ohne festen Platz. Nein, ich war nicht minimalistisch, ich hatte viel Kram und war dazu noch unordentlich. Es lag nicht daran, dass ich nicht ausmistete. Im Gegenteil: Ich sortierte viel aus, verkaufte viel. Aber ich kaufte auch viel. Nichts Teures, nichts Großes, aber auf diese Weise wurde mein Besitz nicht weniger, sondern mehr.

Gegen die Kram-Entropie

Meine erste richtige Minimalismus-Maßnahme war nicht, mehr Dinge auszumisten, sondern weniger zu kaufen. Ich begann zu zählen, was ich aus meiner Wohnung entfernte und was ich reinbrachte. So hatte ich Kontrolle über meinen Besitz und über mein Konsumverhalten. Das mache ich noch heute. Dabei geht es mittlerweile gar nicht so sehr um die absoluten Zahlen, sondern das Verhältnis. Wenn weniger oder gleich viel reinkommt, als rausgeht, ist alles im grünen Bereich. Das hilft mir gegen das Phänomen des „clutter creep“ – Zeug, das sich unbemerkt einschleicht. Kram-Entropie, sozusagen.

Sag „Nein!“ zum Konsum

Dann führte ich den „No Shopping“-Monat ein. Einen Monat lang nichts kaufen – der kurze Februar bietet sich für Anfänger an und auch der November ist ein guter Monat. Wellness fürs Portemonnaie vor dem Weihnachtsrausch. Die Idee dazu hatte ich von der Adbuster-Initiative und auch einigen Blogs – das Thema war gerade „in“. Eine Konsumauszeit ist ein genialer Weg, sich eine Weile aus dem Kaufwahn zu verabschieden. Ich meide Geschäfte (nicht leicht, denn ich wohnte in der Innenstadt), setze beim Lebensmitteleinkauf die Scheuklappen auf, lese keine Werbewurfsendungen und vor allem keine Zeitschriften mehr. Letzteres ist sowieso ein guter Tipp. Oh ja, auch ich liebe die Hochglanzblätter mit den schicken Damen, den gestylten Wohnzimmern und den Beautyempfehlungen. Leider wahr: Die papiernen Verführer bestehen zu 50 Prozent aus offensichtlicher Werbung, zu 49 Prozent aus versteckter Werbung. Zeitschriften sind für mich heute ein seltenes Vergnügen – in den letzten neun Monaten habe ich mir zwei gekauft.

Nachdenken über Alternativen

Jeder hat seine Shopping-Schwächen: H&M, Deko-Lädchen, Bücherläden, Dawanda, Amazon, Flohmärkte, Ebay – wer diese Geschäfte liebt und Zeit verbringt, wird garantiert etwas zu kaufen finden. Gerade Ebay und Flohmärkte versprechen scheinbar Schnäppchen. Das stimmt sogar. Leider. Aber nur wenn ich etwas nicht kaufe, spare ich tatsächlich Geld. Deswegen meide ich Ebay. Auch nach Jahren des Minimalismus passiert es trotzdem noch, dass ich Sachen unüberlegt kaufe (räusper, Kleid für die Weihnachtsfeier, das ich doch nicht getragen habe!). Gott sei Dank wesentlich seltener als früher. Weil ich seltener ziellos bei Ebay surfe, weil ich kaum noch bummeln gehe, weil ich länger überlege, bevor ich mir etwas kaufe, weil ich andere Zeitvertreibe habe (YouTube). Und weil ich als Minimalist weniger Zeit mit Konsum und dem Kümmern um Dinge verbringt, habe ich mehr Zeit über um Konsumalternativen (tauschen, leihen, selber machen) oder um die Qualität von Konsum (fair, zero waste) nachzudenken. Das Gegenteil von Konsum ist nämlich nicht Abstinenz, sondern bewusster Konsum, aber das ist eine Geschichte für ein anderes Adventstürchen.

 


 

Hier findest Du weitere Beiträge von:

Keri-Chaotic: kerichaotic.jimdo.com
Michael: www.minimalimus-leben.de

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1 Kommentare

  1. Evelyne sagt

    Hallo Daniel,
    bei uns in der Region gibt es sogar jemand, der Anlässe zur Selbstreparatur organisiert, wo man sich gegenseitig hilft, kostenlos defekte Geräte zum Laufen zu bringen (darunter freiwillig helfende Fachleute). Eine schöne Idee, aber mir persönlich fehlt die Geduld und Energie dazu. Ich pflege und warte meine wenigen Geräte sehr gut, sodass sie eine relativ lange Lebensdauer haben, wobei ich möglichst kostengünstige, leichtgewichtige, kleine, mobile Geräte anschaffe. Wenn sie defekt sind, entsorge ich sie vorschriftsmäßig und kaufe mir neue kostengünstige (Netbook, Smartphone, mobiler Druckerscanner, mobiler Internet-USB-Stick, Speicher-USB-Sticks, Holzschnitzgerät, Armbanduhr, Digitalkamera, Teleskop, Notfallheizer). LG Evelyne

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