Wohnen
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Lebe ich wirklich dort, wo ich leben will?

by dorena-wm /flickr.com

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Immer wieder denken wir über die Dinge und Verhältnisse in unserem Leben nach. Wohin wir in den Urlaub fahren sollen, wie wir uns ernähren, ob ich wirklich ein Auto brauche und vieles mehr?
Auffällig ist aber, dass die meisten Menschen sich nie so richtig Gedanken über den Ort machen, an dem sie leben. Es ist einfach, wie es ist.

Aber wer bestimmt den Ort des eigenen Lebens?

Die wenigsten von uns wählen ihren Wohn- und vor allem Lebensort aktiv, sondern werden von außen dazu gebracht. Erst einmal bestimmt die Geburt den Wohnort für viele Jahre. Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir in der Regel durch eine Ausbildung, sei es betrieblich oder durch ein Studium, an einen Ort gebannt. Oft, ohne die Möglichkeit, diesen Frei zu wählen. Danach bestimmt meist der Job, wo wir uns niederlassen. Mit etwas Glück mischt vielleicht auch die Liebe irgendwann einmal bei der Entscheidung mit.

Aber sind das wirklich freie Entscheidungen?

Wenige machen sich wirklich Gedanken darüber, wo sie gerne leben würde. Natürlich sagt man im Urlaub schnell einmal den Spruch „hier würde ich aber gerne Leben“. Oder aber es wird sich über die fehlende Natur, zu viel Verkehr oder andere Dinge aufgeregt.
Vielmehr wird sich mit dem Ort arrangiert, an den man gestrandet ist.

Aber haben wir nicht die Wahl?

Haben wir nicht auch die Wahl uns den Ort, an den wir wirklich Leben wollen, auszusuchen?
Ich bin immer fasziniert, wenn ich in amerikanischen Filmen sehe, wie flexibel die Menschen dort zu sein scheinen. Da wird quer durchs lang gezogen, teilweise tausende Kilometer weit weg. Irgendwie scheinen die Menschen dort wesentlich flexibler zu sein. Warum können wir es dann nicht?

Wir machen uns durch den Minimalismus von so vielen Dingen frei und postulieren, dass wir das tun sollten, was wir lieben. Dann sollten wir es aber auch an einem Ort machen, den wir uns dafür ausgesucht haben.

Freiheit kann sehr einschüchternd sein

Ich persönlich denke schon eine sehr lange Zeit über meinen Wohnort nach. Und immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass ich an einem Ort lebe, an dem ich so wie es sich aktuell gestaltet, eigentlich nicht leben möchte.
Alternativen gibt es einige. Aber bisher fehlt mir der Schupser, es auch wagen. Vor allem, weil ich durch den gewählten Ort, eine mir sehr wichtige Sache vernachlässigen würde. Dies macht es mir so schwer.

Wie seht ihr Euren Lebensort? Habt ihr ihn wirklich frei gewählt? Oder seit ihr einfach da „hängen geblieben“, wo ihr geboren seit?

57 Kommentare

  1. Ich bin da hängen geblieben, wo ich nach dem Studium meinen ersten Job angetreten habe. Mittlerweile bin ich mit kleinen Unterbrechungen seit mehr als neun Jahren hier und würde nicht mehr einfach so meinen Lebensmittelpunkt wechseln. Dafür hängt zu viel dran (Stichwort: soziales Umfeld).

    • Das soziale Umfeld ist immer etwas, das uns vor solchen Schritten abhält. Das haben mir bereits viele Freunde und Bekannte gesagt, als ich mit ihnen über dieses Thema gesprochen habe.
      Aber ist gesagt, dass man dort, wo man vielleicht lieber sein will, sich kein neues Umfeld aufbauen kann? Bei Freunden mag das gehen. Bei der Familie ist das natürlich schon was anderes. Das ist auch für mich der größte Hemmschuh.

      • Nein, natürlich kannst und wirst du ein neues Umfeld aufbauen. Die Frage ist, ob es dir diese Zeit und diesen Aufwand wert ist. Das ist sicher eine Frage der Persönlichkeit. Bei mir würde es Jahre dauern.

        • Ich glaube, dass es generell keine Sache von ein paar Monaten ist, sich alles neu aufzubauen. Aber wenn man wirklich an einem bestimmten Ort leben will, dann wollte das wohl auch möglich sein.
          Einfach ist es bestimmt nicht, vor allem nicht auf dem Land. Aber vielleicht ist es das ja wert. Nur das weiß man erst hinterher…

      • Conny sagt

        Selbst einen neuen Freundeskreis aufbauen, finde ich schwierig. Ich habe in all der Zeit gemerkt, dass die Freundschaften, die ich jetzt schon Jahrezehnte habe, doch die loyalsten und besser zu handhabenden Freundschaften sind. Die halten auch mal Durststrecken ohne große Rechtfertigung aus. Das erleichtert einem das Leben ungemein. Neuere Bekanntschaften/Freundschaften haben selten überlebt. Die Zeit verbindet eben doch.

        • Zeit ist bei Freundschaften sicher ein zentraler Punkt. Aber vor allem sind es die gemeinsamen Themen. Je stärker dies verbindet, desto eher entwickeln sich Freundschaften.

  2. Ich denke fast täglich darüber nach. Einen Stadtwechsel hatte ich zum Studium. Wenn meine Tochter ins Ausland geht, will ich nicht hier hängen bleiben. Nur wegen ihr bin ich geblieben und dem Wechselmodell. Ich hab Umzüge reduziert. Wäre dann mein 20. er. 🙂 Was sind denn deine Ängste, Daniel? Was kannst du gewinnen woanders? Würde es sich lohnen? Ich liebäugele ja mit dem Meer.

    • Umzüge konnt eich bisher nicht reduzieren. Es hab bisher nur einen, raus aus dem Elternhaus vor fast 10 Jahren. Aber ich merke, grade auch die jahrelange Beschäftigung mit dem Minimalimsus, dass ich eine etwas neues brauche. Kleiner, aber mit Balkon. Und viel mehr Natur. Und mehr Ruhe.
      Ich habe die Vorstellung im Kopf, dass es sich dort, wo es mich hinzieht, auch ein einfacheres Leben gibt. Vielleicht Wunschvorstellung, vielleicht auch nicht. Die nächsten Monate werden es bei mir zeigen.
      Aber umgezogen wir auf jeden Fall. Nur ob 8 oder 800km ist noch nicht ganz klar…

  3. Vicky sagt

    Nach insgesamt 3,5 Jahren in Ausland (4 Länder) und vielen Umzügen innerhalb Deutschlands habe ich festgestellt, dass es nicht der Ort ist, der mir wichtig ist sondern die Menschen. Mit der richtigen Familie (diesen Begriff fasse ich persönlich sehr weit, dazu gehören z.b. auch meine engsten Freunde und meine Gastfamilien) bin ich fast überall glücklich. Natürlich gibt es immer Faktoren die mehr oder weniger ideal sind – bspw. die Natur, Sportmöglichkeiten, Infrastruktur, … – aber wohl fühle ich mich erst, wenn das Menschliche stimmt. Anders gesagt: Ich glaube, ich könnte fast überall glücklich sein mit den richtigen Menschen 🙂

    • Ich schließe mich Vicky an. Mir sind die Menschen in meiner Umgebung wichtig. Ich möchte meine Familie in der Nähe haben und nsie icht nur zwei Mal im Jahr zu Ostern und zu Weihnachten sehen. Daher habe ich mich dafür entschieden in der Nähe meines Geburtsorts zu bleiben. Da ich aber aus einer Kleinstadt komme und zumindest zur Zeit den Trubel um mich herum irgendwie brauche, bin ich in ein belebtes Viertel in der nächstgelegenen Großstadt gezogen. Auch wenn mir andere Großstädte Deutschlands mehr zugesagt hätten. Ist halt ein Kompromiss, den ich gerne eingegangen bin 😉

      • Mir ist es Ende letzten Jahres so ergangen, dass die Familie 250km weit weggezogen ist. Das ist nah genug dran, aber wiederum auch zu weit entfernt, um da mal eben hin zu fahren. Wenn sich solche Strukturen auflösen, dann überlegt man schon, ob der Ort an dem man lebt, überhaupt noch das ist, was er einmal war. Klar bleiben Freunde, aber an manchen Tage ist mir die Frage nach dem Lebensort schon sehr präsent.

    • Hast du dabei deinen vielen Stationen auch einmal auf dem Land bzw. in einer kleineren Stadt gelebt? Wie hast es da mit den sozialen Kontakten empfunden?

  4. Hey Daniel,

    geh weg! Sonst denkst du in 10 Jahren noch drüber nach.
    Na ja, leichter gesagt als getan 😉 Aber sonst kommen die blöden Was-wäre-wenn-Fragen… Dein Herz wird dich nicht in Ruhe lassen bis du es ausprobiert hast, kannst ja auch wieder zurück kommen.

    Bei mir sind es Verpflichtungen den Eltern gegenüber, die mich in der Stadt halten. Danach gibt’s nur eins: Natur, wenig Menschen und wenn es ganz gut läuft auch ein bißl wärmer.

    LG Emi

    • Ich spiele jetzt seit 3/4 Jahren mit dem Gedanken. Im Mai habe ich mir schon Wohnungen angeschaut, was aber nicht so toll lief. Und da mein Wunschort 800km weit weg ist, ist so eine Wohnungsbesichtigung nicht nur zeitintensiv, sondern auch verdammt teuer. Damals im mail sprachen 2 Punkte noch dageben.
      Bald wir es vermutlich nur noch einer sein. Nämlich die Angst, keinen sozialen Anschluss zu finden. Die nächsten Verwandten wären dann 250km weg, die Familie 550km und die Freunde halt 800km. Finde ich schon gedanklich sehr schwierig…

  5. Ich bin bewusst in den Norden gegangen – ich würde nicht woanders wohnen wollen als in Bremen. Nach Kiel würde ich (eigentlich) sofort ziehen, aber dann ist es zu weit weg von der Familie. Mir ist der Ort, wo ich wohne schon sehr, sehr wichtig. Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass mir das unabhängig von den Menschen sehr viel ausmacht. Ich muss mich wohlfühlen, auch wenn ich niemanden kenne. Ich brauche Stadt und Natur, Radfahren, Wind um die Nase, vermeintlich schlechtes Wetter. Nach den ersten zwei, drei Jahren habe ich jetzt hier auch ein gut funktionierendes Umfeld und möchte einfach nciht mehr weg…

    • Schön, dass du mit deinem Kommentar die andere Seite beleuchtest. Also dass auch andere Faktoren außer die Menschen eine Rolle spielen können. Wobei ich denke, dass es ganz ohne nicht funktionieren wird.
      Aber für mich spielen in meinen Gedanken vor allem die Natur und ein (vermeintlich) einfacheres Leben auf dem Land eine Rolle. Das reizt mich, grade, wo ich das hier im Ruhrpoot nicht finden kann (heute is z.B. fast überall verkaufsoffener Sonntag), sehr…

  6. Hi Daniel,
    ich bin berufsbedingt mehrfach umgezogen und dann irgendwann in der Region hängen geblieben in der ich heute lebe, weil ich es einfach nicht mehr einsah, mir nochmal die extreme Anstrengung anzutun, die das für einen eher introvertierten Menschen wie mich bedeutet, mir ein neues soziales Netz aufzubauen.
    Es hat zwar jedesmal geklappt, aber das erste Jahr im jeweils neuen Ort hab ich immer als ziemliche Strapaze empfunnden und mich oft recht einsam gefühlt.
    Ich hab mich dann innerhalb der Region so lange verbessert, bis ich es geschafft habe, meinen Traum (Leben mit Pferden am Haus) zu verwirklichen. Damit bin ich jetzt glücklich, schließe aber nicht aus, dass ich, wenn ich in die Jahre komme, dass mir das zu anstrengend wird, meine Mini-Landwirtschaft zugunsten von etwas Kleinerem aufgebe.

    Ich bin auch aus der Stadt aufs Land raus. Ich würde sagen, einfacher ist es nicht, aber meinen persönlichen Bedürfnissen kommt es so sehr entgegen, dass ich dafür die Einschränkungen (Angewiesen sein aufs Auto, längere Anfahrt zur Arbeit) gerne in Kauf nehme.

  7. Vicky sagt

    (Antwort auf Deinen Post von gestern)
    Hallo Daniel,

    das kann ich sehr gut verstehen – 250km sind zu weit, um “mal eben” vorbei zu fahren. Andererseits ist ein Besuch geplant und man nimmt sich bewusster Zeit füreinander. Beides hat Vor- und Nachteile. Derzeit lebe ich knapp 20km von meiner Familie entfernt, was ich als ideal empfinde: Weit genug um nicht “auf die Finger geschaut zu bekommen” und nah genug für spontane Unternehmungen oder einander zu helfen.

    Auf dem Dorf bin ich aufgewachsen (NRW) und habe später wieder ländlich gelebt (im Norden Skandinaviens). Diese Zeit habe ich sehr genossen, da sie viel minimalistischer war als in der Stadt. Es ist nicht immer alles vorhanden und Improvisation ist oft gefragt. Gleichzeitig waren die zwischenmenschlichen Beziehungen intensiver. Obwohl es mir leicht fällt, auf andere Menschen zu zugehen ist die Hemmung in der Stadt deutlich größer. In Großstädten ziehen sich viele in die Anonymität zurück – “jemand anderes wird sich schon darum kümmern” gab es auf dem Dorf nie 🙂

  8. Ingo sagt

    Hallo Daniel

    Ich bin bisher immer leichten Herzens umgezogen, wenn ich irgendwo einen interessanteren, besser bezahlten,… Job gefunden habe. (einmal auch “angeschubst” von der Arge HH) Bereut habe ich das aber nie. Dafür waren dann die Erfahrungen, die Menschen denen ich begegnet bin zu interessant!

    Aber leider habe ich mit den Jahren eine Sozialphopie entwickelt, (deswegen?) meinen Job verloren und hänge im Moment in dem Ort fest, in dem ich meinen letzten Job hatte. Weit weg von Familie und Freunden. Insofern bereue ich mittlerweile “damals” aus Hamburg weggegangen zu sein und arbeite daran diesen Fehler zu korrigieren.

    “Fehler” deshalb weil mir zwischenzeitlich klar geworden ist, dass Freunde & Familie wichtiger sind als Jobs, gutes Einkommen, “Karriere” (das “Versprechen” wurde ohnehin nie eingelöst), eine tolle Stadt,… Ich werde in diesem Sinn zukünftig gründlicher prüfen, bevor ich das aufgebe was ich habe.

    Und deshalb werde ich nur noch einmal in eine andere Stadt ziehen: Zurück nach Hamburg! Aber bis das klappt ist es noch ein langer Weg. Als Arbeitsloser kann ich mir in HH keine Wohnung leisten, das Umland ist ähnlich teuer. Aber ohne dort zu wohnen ist es auch fast unmöglich dort Arbeit zu finden – die Arbeitgeber kennen die Wohnungssituation ja auch
    😉 🙁

    Dabei werde ich aber eines sicher nicht vergessen: Mich selbst nehme ich überall mit hin! Wenn die Ursache meines Umzugs also in einer unerkannten inneren Umzufriedenheit zu finden wäre, gucke ich am neuen Ort schnell dumm aus der Wäsche!

    • Hallo Ingo!
      Vielen Dank für deinen langen Kommentar!
      Wenn man durch eine Krankheit so gravierende Einschnitte in seinem Leben zu verzeichnen hat, ist das alles andere als schön. Nur sowas kann man vorher ja nicht ahnen.
      Ich frage mich, ob nicht die Arge einen Umzug bezahlt. Denn es hört sich so an, als würdest du in der Gegend, wo du jetzt lebst, keinen Job bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Chancen in einer Großstadt wie Hamburg, doch wensentlich höher sind. Oder irre ich mich da?
      Das man durch einen Umzug, nicht alles, vor allem man sich selbst nicht, verändert, ist schon klar. Leider bedenken das viele nicht. Habe erst am Samstag in der ARD eine Doku über Auswanderer gesehen, die gescheitert sind und wieder zurück nach Deutschland kamen. Die haben sich das bestimmt auch einmal anders vorgestellt.
      Aber auf der anderen Seite ist man nach sowas um eine Erfahrung reicher. Ist es nicht das, was am Ende zählt?

  9. Hallo Daniel

    Aktuell bekomme ich noch ALG 1. Die würden Unterstützung für einen Umzug zahlen, wenn ich in HH Arbeit hätte. Aber irgendeine Arbeit finde ich natürlich auch hier, zumindest wenn ich min. 1 Std. Anfahrt in Kauf nehme, was ja auch i.O. ist. Aber ich will halt nicht “irgendeine” Arbeit machen und ich will auch nicht mehr hier in der Gegend leben. Und, wie geschrieben: Keine Arbeit keine Wohnung! Also läuft es halt darauf hinaus, dass ich erstmal hier bleibe. Aber was soll ich mich “grämen”. Ich kann es erstmal nicht ändern, also lebe ich damit 🙂

    Beruflich kommt die Soziophopie zum Glück kaum zum tragen, habe gelernt damit umzugehen. Passe halt nicht in irgendein “Livestyle-‘Wir-sind-eine-große-Familie-Unternehmen”! Dass Wert darauf legt, dass immer alle gut drauf sind, ein pünktlicher Feierabend mit “Halber Tag Urlaub, oder was?” kommentiert wird und erwartet wird sich an diversen After-Work-Unternehmungen zu beteiligen, über seine Hobbys zu schwadroniern. So war es bei meinem letzten AG der Fall. Aber solange die Kontakte auf einer rein fachlich-sachlich (“professionellen”) Ebene ablaufen, kann ich sogar (noch) Vor-Ort-Termine bei Kunden wahrnehmen 🙂

    Ja, Erfahrungen sind auf jeden Fall viel Wert. Aber ich finde es halt aus gemachten Erfahrungen mittlerweile sehr wichtig sehr gründlich abzuwägen. Kostet dich eine mögliche Erfahrung potenziell nur Geld – kein Thema, das kann man wieder beschaffen. Kostet sie dich aber wahrscheinlich wert- & gehaltvolle Kontakte zu Mitmenschen, Freunden, Familie…

  10. Ich komme ursprünglich aus dem Erzgebirge. Bin wegen Eltern, schule, Ausbildung schon über 10 mal umgezogen. Zuletzt der Liebe wegen. Dadurch hab ich 12 Jahre in Berlin gewohnt. Es hätte auch jeder andere Ort sein können. Es war klar das ich folge. Egal wohin. Jetzt sind wir wieder in die Heimat zurück. Das war auch schon von Anfang an geplant. Und wir haben es nicht bereut.

    • Es hört sich so an, als wolltest du wieder zurück in die Heimat. Dann ist es doch sehr schön, dass du dort wieder angelangt bist. Würdest du sagen, dass es sich gelohnt hat, wegen deiner Punkte umzuziehen? Oder bereust du davon etwas?

      • Ja ich wollte zurück in die Heimat. Hab da meine Kindheit verbracht und alle Freunde und verwandte wohnen hier. Die Umzüge haben schon was gebracht. Und die zeit anfang meiner 20er waren toll in Berlin. Ich hab schon ne Menge in den 12 Jahren erlebt. Also ich bereue es nicht. Und die Umzüge wegen meiner Eltern konnte ich nicht beeinflussen.

  11. Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt. Bin ich gerade, wo ich sein möchte, ist dies mein Platz oder gibt es einen Ort, der besser für mich wäre und wenn ja, wo mag er sein? Fragen über Fragen. Das Leben bedeutet permanente Veränderung, von daher kann ich mir nicht vorstellen, dass man immer an einem Platz leben sollte. Gruß Silke

    • Das denke ich auch. Allerdings ist es auch nicht so einfach, sich immer unmittelbar anzupassen. Ein Balanceakt…

  12. Anna* sagt

    Hallo, !

    Hhhmm, spannendes Thema- Wohnort.
    Beschäftigt mich regelmäßig alle paar Monate oder Jahre und ich kenne gefühlt keinen dem das Thema innerlich wirklich so nahe geht daß es zu Sorgen führt und der Frage ob man das bewußt angehen sollte oder nicht.
    Kennt jemand das Hin-und Hergerissensein zwischen Stadt-und Land?
    Ich bin mit 35 bisher 15 Male umgezogen, große und kleine Distanzen, selber Ort oder weit weg.
    Würde mich als Stadt-Landmensch bezeichnen, da ich von großen Städten ( Berlin 9 Jahre, HH kurz, süddeutsche ‘attraktive’ Kleinstädte über 15 Jahre) geprägt bin.
    Aber es zerreißt mich innerlich weil ich einen grünen Beruf habe, also im Kontrast zur Stadt den meisten Teil meines Lebens in naturartigem Umfeld verbringe. Bin ökologisch, grün, alternativer, nachhaltiger und bewußter geworden und all das und es wird weitergehen in dieser Richtung 😉
    Was soll ich dann also in der Stadt? Macht doch keinen Sinn, oder?
    Lebe nun in einer mittelgroßen Stadt die ich nicht richtig mag seit einem Jahr und pendle 30km hin und wieder zurück zur Arbeit vor der Stadt.Nur dort auf dem Land meinen Lebensmittelpunkt zu haben kann ich mir noch nicht vorstellen, fühle mich dann isoliert von der Welt, den Orten wo etwas passiert und das Leben blüht, das junge Leben stattfindet.
    Freue mich über Gedanken, Kommentare, Fragen, Hilfestellungen…
    lieben Gruß!

    • Danke für deinen Kommentar Anna!
      Ich kenne dieses hin- und hergerissene. Das Land ist viel schöner, aber sozial vielleicht etwas schwerer. Auch fehlen diverse Möglichkeiten, die die Stadt bietet. Habe gestern aus Spaß mal geschaut, was es auf Helgoland so für Jobs gibt. Aber da ist ja wirklich nichts. Und man kommt auch nicht mal eben irgendwo hin. Ich weiß nicht, ob ich das könnte…

      Wäre es für dich nicht sinnvoll, nur in die Nähe der Stadt zu ziehen? Jeden Tag aus der Stadt heraus pendeln oder einmal die Woche in die Stadt fahren ist doch ein Unterschied…

  13. Pingback: Handverlesen im Herbst 2015 | Wo ist Philipp?

  14. Silke Pieper sagt

    Hallo,
    ich bin sehr unglücklich über die Möglichkeiten in meinem Wohnort.
    Ich lebe seit 1974 in einer kleinen Gemeinde, unfreiwillig. Geboren bin ich 50 km von hier und bis zu meinem 12 Lebensjahr hatte ich ein Heimatgefühl, der Umzug hierher hat mir die Heimat genommen. Hier war alles anders, fremd, unschön, ein Malocherklima. Die Kinder waren viel weniger Kind, hier wurde ich von Jetzt auf Gleich ins Erwachsenenleben katapultiert. Ich wäre gern weggegangen als junge Erwachsene, aber meine Familie lebt hier, mein Leben war hier. Außerdem war der Ort in den 80ern ganz nett, hier war was los und ich hatte inzwischen Fuss gefasst. 1994 habe ich einen ‘Einheimischen’ geheiratet, aber dann kam alles anders. Ich bekam die Diagnose MS. Heute sitze ich im Rollstuhl, die Gemeinde hat sich sehr zum Nachteil verändert, es gibt keine Geschäfte, keine Gastronomie, hauptsächlich Vereine und Kegelklubs… Mein Mann hat hier gebaut und würde nie woanders wohnen wollen. Ich sitze hier fest, habe kaum Kontakte und selbst Spaziergänge sind trostlos. Mir scheint, ich bin im falschen Leben.

    • Es gibt immer zwei Möglichkeiten etwas zu verändern: Das Äußere und das Innere. Da bei dir das Äußere wohl wenig veränderbar scheint (!), kann man immer die eigenen Gedanken über ein Thema ändern. Ob das Erfolg hat, ist schwer zu sagen und hängt vermutlich auch vom einzelnen ab. Aber es ist zumindest eine Möglichkeit…

  15. Maria sagt

    Ich beschäftige mich erst seit sehr kurzer Zeit mit der Minimalismus-Idee, aber schon lange Zeit damit, was ich wirklich will und brauche, um mein Leben genau so zu gestalten, wie es mich glücklich und zufrieden macht. Die Fragen nach dem “wo und wie will ich leben” ist eine, die mich auch umtreibt. Spätestens in zwei bis drei Jahren möchte ich gerne für eine gewisse Zeit (3 bis 5 Jahre) im Ausland leben, am liebsten in einer Stadt am Meer. Mein Partner hat ggf. die Möglichkeit beruflich für eine begrenzte Zeit nach San Francisco zu gehen. Sollte das zustande kommen ist es natürlich ideal. Wenn das nicht klappt werde ich das Ganze in Angriff nehmen und mich dann wahrscheinlich für Irland entscheiden. Grundsätzlich möchte ich aber in Deutschland leben, denn durch viele Reisen weiß ich die vielen Vorzüge, die unser Land zu bieten hat sehr zu schätzen und bin mir inzwischen bewusst, wie sehr ich trotz aller Weltoffenheit in unserer Kultur verwurzelt bin.

    Mehrere Gründe haben aktuell dazu geführt, dass ich mich nach einer neuen Wohnung in meiner Stadt umgesehen habe und ich hatte sehr sehr großes Glück quasi ohne zu suchen eine Wohnung gzu finden, die meine Lebensqualität im Sinne des Minimalismus deutlich steigern wird:
    – Nur noch 10 Minuten Fahrt in mein Büro, statt wie bisher mindestens 25. Kein Stadtverkehr mehr, außer ich entscheide mich bewusst dafür in die Stadt zu fahren.
    – Weniger Menschen um mich herum, weil ich quasi auf’s Land ziehe. Jedoch so, dass ich direkte Anbindung an den ÖPNV habe und sowohl damit als auch mit dem Auto in max. 20 Minuten in der Innenstadt (~ 500.000 Einwohner) bin.
    – Große Gassi-Runde mit meinen zwei Hunden kann ich stressfrei direkt vom Haus aus beginnen. Weder muss ich große Straßen überqueren noch das Auto bewegen, um sie frei laufen lassen zu können.
    – Meine Wohnfläche reduziert sich von aktuell 65 qm auf ca. 37 qm. Vor drei Jahren hatte ich noch 110 qm. Und ich liebe den Gedanken, mich so zu verkleinern und mich von so viel unnötigem Zeug zu trennen, das ich aktuell noch habe, einfach weil kein Grund besteht, es loszuwerden.
    – Im Hinblick auf meine Auslandspläne ist die Verkleinerung ideal. Ich werde es leichter haben, wenn ich gehen möchte.
    – Einkaufen geht – wenn ich möchte – zu Fuß oder, ganz bequem einfach mit einem Zwischenstopp auf dem Weg vom Büro nach Hause.

    Ich bin sehr gespannt, was dieser Umzug mit mir machen wird, denn vor allem das Ausmisten ist für mich eine große Herausforderung. Danke, dass du all deine Gedanken zum Thema Schlichtheit hier mit uns teilst. 🙂

    • Ich kann deine Auslandpläne sehr gut verstehen. Bei mir ist dieses “Ausland” glücklicherweise noch in Deutschland. Trotzdem sind es bis dahin 800km. Dazu kommen die Ängste, die mit einer solchen Entscheidung einher gehen. Aktuell arbeite ich wieder an der Umsatzung…
      Fakt ist aber: Ohne Minimalismus bzw. mein einfache Leben, so wie ich es aktuell führe, könnte ich diesen Wunsch nur schwer, vielleicht sogar gar nicht erfüllen. Und trotzdem ich mir schon jahrelang damit befasse, merke ich gerade wieder, dass ich doch noch mehr reduzieren kann. Das tue ich gerade. Und vielleicht schreibe ich in ein paar Monaten dann die Zeilen dieses Blogs in einer Umgebung, die mich schon seit über zehn Jahren fasziniert. Mal sehen…

  16. SU sagt

    Hallo alle, hallo Daniel!

    Eine sehr interessante Diskussion. Dieses Thema beschäftigt mich auch seit einiger Zeit..
    Ich bin zusammen mit meinem Lebensgefährten letztes Jahr von Berlin zurück in die Heimat (Stadt in Franken) gezogen. Habe dort 11 Jahre gelebt, mein Lebensgefährte sogar noch länger..

    Tja, und nun erlebe ich so etwas wie einen „reverse culture shock“. Ich stelle fest, dass die Heimat so ganz anders ist, wie ich das Leben damals in Erinnerung hatte. Komme grade gar nicht zurecht mit der Mentalität in meiner früheren Heimat – die Menschen sind verschlossen, gar nicht (welt-)offen und es ist verdammt schwer hier neue Leute kennenzulernen. Ich vermisse ansonsten noch viele alltägliche Dinge, die einem die Großstadt bietet..
    Fühle mich sehr fremd hier. Die Nähe zur Familie ist momentan – neben dem kurzen Weg zur Arbeit und das bessere Gehalt (ok, und nette Kollegen) – mit das einzig Positive am Leben hier. Ich glaube ich habe mich da in etwas verrannt.. Habe mir die Rückkehr durch die rosarote Brille vorgestellt.
    Inzwischen bin ich mir fast sicher, dass sich gar nicht mal die Heimat so sehr gewandelt hat. Vielmehr bin ich es, die sich durch die 11 Jahre Großstadt verändert hat (und doch bin ich dankbar für die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich gesammelt habe). So was nennt man “reverse culture shock”, oder? ;o)
    Meinem Lebensgefährten fällt die Umstellung irgendwie leichter als mir. Ich weiß, dass er Berlin auch vermisst. Aber zurückgehen möchte er „momentan nicht“..

    Vielleicht vermisse ich auch etwas, was ich mir wieder nur schön male?!? Mir ist definitiv bewusst, dass ich eine rosarote Brille trage, wenn ich an B zurückdenke…
    Und trotzdem bin ich traurig.

    Daniel, der Satz trifft meinen Zustand sehr gut: “Nur weiß man das erst hinterher…” – wenn es zu spät ist, leider. Du hast auch geschrieben: “Aber auf der anderen Seite ist man nach so was um eine Erfahrung reicher. Ist es nicht das, was am Ende zählt?” – Ja, vielleicht, wenn es auch sehr schmerzhaft ist.
    Ich weiß gerade nicht wo ich hingehöre. Ich habe das Gefühl, die frühere Heimat passt nicht mehr zu mir. Aber was ist wenn wir zurückgehen nach Berlin? Dann dauert es ein paar Monate und mich nerven die selben Sachen, die mich mit dazu bewogen haben, aus Berlin wegzuziehen.
    Aber eines weiß ich: ich wäre dankbarer für das, was ich in Berlin hatte. – Gute Freunde, viele nette Bekannte, mein gesamtes soziales Umfeld, viele Kulturangebote… Ok, die Familie wäre wieder weiter weg… 🙁

    Hat jemand ähnliche Probleme und weiß vielleicht einen Rat?!

    • Ich kann deine Sorgen ein bisschen nachvollziehen. Ich kenne jemanden, dem es gerade ählich geht, wie dir.
      Ich vermute, dass dies vor allem an sozialen Kontakten liegt. Diese zu knüpfen ist in einer Stadt mit Sicherheit leichter. Aber ich stelle es mir auch nicht unmöglich vor. Vielleicht ist es einfach nur nicht so, wie man es sich vorstellt. Vielleicht hilft dir ja mein morgen erscheindender Text weiter. Darin geht es darum, wie wichtig es ist herauszufinden, was die wirklich eigenen Wünsche und Motive sind…

  17. SU sagt

    Ja, an den fehlenden sozialen Kontakten liegt das sicherlich auch. Jedoch vermisse ich “mein altes Leben” in Berlin. Meine drei guten Freundinnen, die vielen guten Bekannte, die Möglichkeiten, die die Großstadt Berlin bietet.
    Ich wohne jetzt auch in einer größeren Stadt aber ich empfinde das Leben hier spießig und kleinbürgerlich. Mit “Berlin regelmäßig besuchen” ist meine Trauer ja nicht wegzukriegen bzw. wird sie nicht kleiner. Ich vermisse einfach “mein altes Leben”… Es fühlt sich jedenfalls an wie Liebeskummer. Andererseits
    Vielleicht wird es besser, wenn ich erstmal hier neue Freunde kennengelernt habe – mag sein.
    Weißt Du denn inzwischen, Daniel, wo Du leben willst?

    Wobei der Wille bzw. der Wunsch wo man leben will ja immer auch von der Arbeit abhängt. Das heißt, dass man sich dort auch erstmal eine Stelle suchen sollte, bevor man umzieht…

    • Wenn einem sein Leben nicht mehr gefällt, dann hat man glaube ich die Pflich dies zu ändern. Und sich dabei von äußeren Dingen wie einem Partner oder einer Arbeitsstelle abhängig zu machen ist falsch. Außer, diese Dinge sind einem wichtiger, als der Wunsch nach der Veränderung.
      Ich habe eine Katze. Und diese ist mir wichtiger, als mein Wohnort. Ich weiß ganz genau, dass es wesentlich einfachere wäre, hätte sie nicht. Ich weiß auch, dass ich vermutlich schon lange an einem anderen Ort leben würde, wenn ich sie nicht hätte (einfach, weil die Wohnungssuche einfacher wäre und ich mehrere Wohnungen ablehnen musste, weil diese nicht “katzengerecht” waren). Mir ist sie aber wichtiger, als dieser Veränderungswunsch.
      Deswegen bin ich auch in keinster Weise traurig, dass ich die bisherigen Gelenheiten nicht wahrnehmen konnte bzw. meine Katze mir schon einige Möglichkeiten verbaut.
      Vielleicht hilft es dir, wie mir auch, Klarheit über die eigenen Wünsche zu bekommen und diese zu reflektieren. Vordergründig würde ich auch vieles anders haben wollen. Und in schlechten Momenten belasten mich diese Dinge sehr. Aber sie sind mir nicht so wichtig, um danach zu handeln. Es gibt andere Dinge, die mir wichtiger sind. Ich kann nicht alles haben, aber mir die beste aller Welten schaffen. Auch wenn das bedeutet, schmerzhafte Entscheidungen treffen zu müssen.

      Ich hoffe, die konnte dies ein wenig weiterhelfen…

  18. Hi Daniel,

    danke für Deinen Kommentar. Du hast recht, man muss herausfinden was einem wichtig ist.
    Ich schaue derzeit viele Videos über Gentrifizierung, die ja in Berlin ganz krass stattfindet. Und ich stelle fest, dass das der Hauptgrund für meine Genervtheit gegenüber Berlin war am Ende. Berlin war, als ich 2005 dorthin gezogen bin, noch entspannt und schön. Die Gentrifizierung hat sicherlich bereits zu diesem Zeitpunkt stattgefunden, aber mit den Jahren hat sich die Stadt immer mehr zum Negativen verändert und teilweise krass gewandelt.
    Dennoch vermisse ich mein altes Umfeld mit den Freunden, guten Bekannten, “mein Kiez”.

    Ich denke, dass es besser wird, wenn ich hier erstmal Freunde kennengelernt habe. Wobei an das eher spießige und kleinbürgerliche Leben hier werde ich mich wohl nie gewöhnen..

  19. Garu sagt

    Hoi Daniel,
    die Sache mit der Freiheit ist eigenartig, viele sehnen sich danach und wenn sie tatsächlich aufkommt, Stichworte dazu: Jobverlust, Beziehungsende uä., erkennen die meisten als erstes das ihnen “plötzlich” zugestossene Unglück und sind erst recht unzufrieden. Ich bin ein Verfechter der Theorie, dass alles was uns “zustößt” wir uns unbewusst “gewünscht” haben, ohne eine klare Vorstellung von diesem “Wunsch” zu formulieren.
    Totale Freiheit will im Grunde niemand, ein Paar Anhaltspunkte für die Wahl sind immer willkommen (geographisch, beruflich, psychologisch).
    Und dann ist da die Sache mit der Verantwortung. Du willst wo anders leben? Dann geh. Du fühlst dich gegenüber deinen Freunden, Bekannten, Chefs, Verwandten verpflichtet? Dann geh dem Ursprung dieses Pflichtgefühls nach. Wie wichtig ist es? Ausgehend von diesen Prioritätsüberlegungen entscheide für die eine Ewigkeit, die du zur Verfügung hast.
    Nur Übernahme der Verantwortung für eigene Entscheidungen kann dir das Gefühl der Freiheit geben. Wenn du jetzt hier lebst, ist es deine Entscheidung. Die trifft man nur ein Mal. Jetzt.
    Dich darüber zu ärgern, “zu arrangieren”, ist auch eine Entscheidung. Oft sogar folgenreicher als alle anderen. Mit welchen “Folgen” lebst du lieber?

    • Seitdem ich diesen Artikel geschrieben habe, hat sich vieles in meinem Leben verändert. Der Wunsch ist irgendwo noch da, aber ich zweifle, ob es das richtige ist.
      Als ich Mitte diesen Jahres die Möglichkeit hatte, hat es sich nicht gut angefühlt. Deswegen habe ich es gelassen.
      Aktuell weiß ich, dass ich mir hier ganz wohl fühle. Zumindest, was den Ort angeht. Am Rest arbeite ich… 😉

  20. Halli SU, hallo Daniel,
    Nun ist 2019 und mich würde brennend interessieren wie es euch geht und was sich bewegt hat.
    Ich bin vor 6 Jahren weggezogen und habe hier wundervolle Freundschaften unf Möglichkeit. Wss mich sehr stört ist dass es direkt in unserem Ort nichts gibt und die nächste große Stadt 20 min. Entfernt ist. In 10 Minuten bin ich allerdings in einem Einkaufszentrum wo es alles gibt was man braucht. Es ist bezahlbar zu wohnen die Natur und unser Haus ist wunderschön. Seit mein kind suf der Welt ist vermisse ich meine heimat. Knapp 400 km entfernt. Ich bin regelmäßig dort und das macht es noch schlimmer. Ich sehe nun was dort schön ist und was mir fehlt. Vielleicht ist das ein Grundgedanke für diesed Thema: ist es etwas was in uns fehlt oder im äußeren? Warum ist das Thema Wohnort so schwierig? Projizieren wir unsere inneren Defizite auf dieses Thema? Oder warum ist es so schwierig mit dem zufrieden zu sein wo mam gerade ist. Das wäre persönlich mein größter Wunsch – die Zufriedenheit und Dankbarkeit in dem zu sehen was da ist und nicht das zu suchenwas fehlt. Ich bin gespannt ob ihr das noch lestund was ihr dazu sagt.
    Lg

  21. FrauS sagt

    Ich hoffe nach den vielen inspirierenden und tröstenden Kommentaren, dass hier ab und an noch jemand zugegen ist.

    Ich wohne seit 11 Jahren in einer kleinen Stadt in Südthüringen. Ich bin damals zu meinem Mann gezogen und er ist auch seit 11 Jahren! der einzige Sozialkontakt, den ich habe. Meine Mentalität ist sächsisch, humorvoll, gemütlich, ich mag die Berliner und Brandenburger und die Menschen an der Nordsee. Ich habe 20 Jahre lang in Nürnberg gelebt und ein paar Jahre in der Schweiz. Überall hatte ich Freunde und Bekannte. Hier ist die Grundmentalität wie das Wetter: kalt und rauh bis garstig. Keine Kultur, kein Sinn für Kunst oder Wissenschaft. Banaler, derber und gehässiger Klatsch sind die Grundlage der Gespräche und des “Soziallebens.”

    Gerne würde ich umziehen. Leider bekommen wir als Geringverdiener und ich mit meiner kleinen EU-Rente keine Wohnung am freien Markt. Und mit unserem kleinen Hund, dem wir nach dem Tod ihres Frauchens für die letzten Jahre noch ein Zuhause statt Tierheim ermöglichen, nimmt uns erst recht keiner. Wohnungen mir Garten auf dem Land werden angeboten, aber bitte kein Haustier…

    Auch wenn ich ein Mensch bin, der bei Problemen in erster Linie seine innere Einstellung überdenkt: mit chronischer sozialer Isolation und Einsamkeit kann und will ich mich nicht anfreunden…

    • Auch wenn es ein bisschen spät ist: Ich kann deine Problematik nachempfinden. Meine Lösung waren Wohnungsgenossenschaften. Ich bin in zweien Mitglied und beide bieten neben bezahlbarem Wohnraum auch eine Vergabe von Wohnungen über eine Warteliste. Ich habe es nie hinbekommen, mich auf dem freien Markt mit hunderten Mitbewerbern, und mit Haustier, um eine Wohnung zu prügeln. Über eine Genossenschaft habe ich den größten Schritt endlich geschafft und bin umgezogen.
      Zwar bin ich mit der neuen Wohnung auch nicht einhundert Prozent zufrieden, aber sollte ich mich dazu entschließen, wieder auszuziehen, dann lasse ich mich auf die Warteliste setzen und bekomme verhältnismäßig schnell eine neue Wohnung.
      Ich hoffe, ich konnte dich ein bisschen ermutigen, auf die Suche zu gehen!

    • Hallo Frau S,

      so wie du es beschreibst geht es mir nur in Russland. Mentalität wie das Wetter, das macht es echt Schön das du einen Mann hast. Ich sehe mein Liebe in einem anderen Land. Denke leider nur an meine Karriere. Leider ist es ungewiss, ob sich die Kraftaufbringung lohnt.

      Grüße,

      Ruben

  22. Puh, es ist schön zu lesen, dass es noch andere Menschen gibt, die ein ähnliches „Hin und Hergerissen“ fühlen, was den eigenen Wohnort angeht. Das tut gut!🙏🏼
    Ich wohne seit Geburt in einer spiessigen und kleinbürgerlichen Stadt und habe seit ungefähr 18 Jahren das Bedürfnis in eine bestimmte Großstadt in NRW zu ziehen.
    Es gibt verschiedene Faktoren, die mich seit daher abgehalten haben, hauptsächlich waren das Menschen im direkten (familiären) Umfeld.
    Es fühlt sich an wie im falschen Körper, nur halt an dem falschen Ort.
    Zusätzlich kam Eigentum dazu, was innerhalb der Familie seit 3 Generationen besteht.
    Also mal eben verkaufen fühlt sich irgendwie falsch an. Nahe Angehörige machen mir ein schlechtes Gewissen und versuchen mir seit Jaaaahren einzureden, wie schön diese Kleinstadt hier ist.
    Schön ist sie auch, trotzdem der falsche Ort für mich persönlich gesehen! Nur das versteht keiner.
    Innerhalb der Familie wird sogar hinter meinem Rücken gesagt, dass der andere mir nicht helfen soll bei dem Thema, damit ich bloß nicht wegziehe! Also richtig krass! 🙈
    Bin jetzt in den 30ern und das Gefühl, nein das Verlangen, endlich in die Großstadt zu ziehen, in die ich mein halbes Leben lang hinziehen will, steigt ins Unermessliche…
    Trotzdem hält mich unterbewusst ein naher Teil der Familie zurück. Vordergründig sagen sie, hey mach das doch, Hauptsache du bist glücklich. In ihrem Unterton erklingt aber, wie traurig sie sind und einsam und ich habe das Gefühl, dass sie daran zerbrechen, „dass ich wegziehe“, obwohl es nur 30 min Autofahrt entfernt liegt.

    Versteht Ihr meine Problematik? Ich wäre so dankbar für Eure unabhängigen Meinungen dazu….ich glaub, mir fehlt einfach der letzte A***tritt und ein paar liebe Worte, die mich bewusst auf mich und meine Bedürfnisse schauen lassen, ohne andere dabei weiter zu beachten. Irgendwas hält mich fest. Hmmm….

    Zu allen anderen Kommentaren….
    Wir haben doch eigentlich alle nur ein Leben. Wenn sich jemand am falschen Ort fühlt, sollte das seinen Grund haben. Es gibt nicht umsonst das „Bauchgefühl“!
    Probiert Eure Träume aus.

    Danke fürs lesen bis hierhin🙏🏼😊

    • Hast du dir die Antwort auf deine Frage nicht schon im letzten Absatz selbst gegeben? 😉
      Die Frage ist, wen du im Leben glücklich sehen möchtest: Dich selbst oder die Anderen?
      Reden tun sie immer. Und egal was man macht, irgendwer wird es nicht gut finden. Die Frage ist, ob du dich selbst genauso über dich reden hören möchtest, wenn du nicht so handelst, wie du es möchtest… 😉

    • Mina sagt

      Hallo,
      Auch wenn die Beiträge schon etwas her sind- ich musste darauf jetzt einfach antworten. Mir geht es seit 5 Jahren genauso. Ich bin mit meinem Mann und meinen zwei Kindern in eine Kleinstadt in NRW gezogen, die optisch wirklich niedlich ist. Die nächst größere Stadt (und mein Traumwohnort) sind 30min entfernt. Man mag jetzt denken das sei keine Entfernung- hin und zurück sind es aber schon eine Stunde und das macht man nicht ohne Guten Grund mal eben so. Ich wollte, dass meine Kinder im Grünen aufwachsen, wo die Welt quasi noch in Ordnung ist. Und hätte nicht gedacht dass ich mich so täuschen kann. Die Leute sind verschlossen, abweisend, feindselig. Das hängt vielleicht auch damit zusammen dass wir hier eines der größten und modernsten Häuser gebaut haben und uns damit offenbar unbeliebt gemacht haben. Die Engstirnigkeit der Leute und die geringen Möglichkeiten sind für mich der Horror. Das Fitnessstudio sieht aus wie aus den 80-ern und erinnert eher an ein Rehazentrum für Senioren. Wir haben all unsere Energie und unser Geld in den Bau dieses Hauses gesteckt- und es ist mein absolutes Traumhaus geworden. Trotzdem nützt einem das alles nicht wenn man unterm Strich totunglücklich ist und sich mit seinem Umfeld Null identifizieren kann. Aktuell überlegen wir zu verkaufen, von dem Geld Mietwohnungen zu kaufen die wir dann vermieten und für uns selbst dann eine Wohnung in unserer Traumstadt zu mieten. Äußerst unkonventionell- aber nach 5 Jahren erfolgloser Immobiliensuche (ja wir suchen schon quasi seit Anfang an!) sind wir zu diesem Ergebnis gekommen. Ich habe hier nach ca 4 Jahren auch zwei nette Frauen kennen gelernt- aber auch die sind hier so fest verwurzelt- auch familiär- dass sie nicht mal in der Lage sind in einem anderen Ort essen zu gehen. Ich habe schon im Ausland gelebt, in Italien, In England, in diversen Städten. Darunter auch meine Traumstadt in der ich sehr glücklich war. Irgendwie dachte ich mit Kindern müsste ich aufs Land ziehen das sei gut für sie. Aber selbst meine Kinder, die super offen sind und immer auf Leute zugehen mussten sich hier mit demnächst Vorurteilen und der Engstirnigkeit der Leute auseinander setzen. Wir werden regelrecht dafür ausgegrenzt dass wir hier so ein großes Haus gebaut haben. Ich bin es einfach Leid. Das Leben ist zu kurz. Ich habe den ganzen immer wieder eine Chance gegeben- habe die gesamte Nachbarschaft mehrmals eingeladen. Ich glaube die können mit uns genauso wenig anfangen wie wir mit denen. Ist gar nicht böse gemeint. Ich denke wir passen einfach nicht hierher. Und es ist Zeit, sich das einzugestehen und die entsprechenden Schritte zu gehen. Mein Alptraum wäre es hier begraben zu werden. Ich bin davon überzeugt- wenn man am falschen Ort wohnt ist das genauso wie mit dem falschen Partner verheiratet zu sein. Klar muss man dem ganzen auch eine Chance geben aber fünf Jahre reichen dann auch. In diesem Sinne- mutig sein und etwas verändern!

  23. Hallo Ihr Lieben,

    mit Spannung habe ich all eure Kommentare zum Thema gelesen. Vor 25 Jahren bin ich aus einer niedersächsischen Kleinstadt (100 000) Einwohner
    in das beschauliche Garmisch-Partenkirchen gezogen, weil ich die Natur
    grandios fand. Heute stehe ich allein da, weil meine ganze Familie gestorben
    ist. Auch das Paradies hat Schattenseiten. Anfangs konnte ich es mir überhaupt
    nicht vorstellen, jemals wieder von hier fortzugehen. Doch mit den Jahren
    kommt man ins Grübeln, und ich musste schmerzlich feststellen, dass es
    hier keine Menschen gibt, mit denen ich wirklich eine Freundschaft aufbauen
    wollte. Die Bayern sind ein eingefleischtes Völkchen für sich, dass nicht mit
    Fremden sympathisiert. Soll heißen, wenn du kein Vereinsmeier bist und deine Identität nicht nahezu ganz ablegst, wirst du hier nicht akzeptiert.
    Der Menschenschlag hier hat auch sonst nichts Herzerwärmendes an sich.
    Es fühlt sich irgendwie immer fremd an, vielleicht auch, weil es eine extrem
    traditionsbehaftete Gegend ist.
    Darüber hinaus ist beispielsweise Garmisch-Partenkirchen ein Ort der am
    Ausbluten ist, weil es hier kaum noch junge Leute gibt. Die wandern alle
    zum Arbeiten und Studieren in die Großstädte. Die Infrastruktur lässt
    viele Wünsche offen. Nur eine Disko im Ort, eine Tanke, die an 24 Uhr
    geschlossen hat. Selbst Mc D. hat ab 01:30 Uhr geschlossen. Busse fahren
    abends nicht mehr. Taxi in der Nacht zu bekommen, ist ein Lotteriespiel.
    Die Mieten sind horrend! Gebaut wird nur für Superreiche.
    Für mich hat das Paradies Risse bekommen.
    Nun war ich nach langer Zeit mal wieder in meiner alten Heimat Göttingen,
    doch auch diese Stadt hat sich dermaßen verändert, dass ich mich dort nicht
    wohl fühlen würde. Im Grunde geht es mir wie Daniel, er schiebt seine
    Katze als Grund vor, sich vor einer Entscheidung zu drücken, obwohl er
    insgeheim unzufrieden ist und bleiben wird. Denn wer nicht wagt, der
    nicht gewinnt. Theoretisch könnte er ja wieder zurück gehen…
    Er weiß jedoch genau, dass er das nicht tun wird, wieder in das alte
    Hamsterrad zurück.
    Möglicherweise wäre es eine Option in eine ganz andere Region in
    Deutschland zu gehen? Keine alten Erinnerungen wieder hochkommen
    lassen, weder in der alten Heimat, noch in der jetzigen. Wenn wir nun schon mal beim Minimalismus sind – wer sang das noch gleich: Es reist sich besser,
    mit leichtem Gepäck?
    Warum also infolgedessen nicht noch einmal Neustart? Ohne jeglichen
    Gefühlsdusel und alten Gefühlsballast. Einfach nochmal neu durchstarten!

    Viele Grüße an euch alle, die ihr noch grübelt. Einer hier im Forum hat es
    sehr schön formuliert: Die Zukunft ist das Ergebnis all eurer eigenen Gedanken.

    • Scharfe und vermutlich genaue Beobachtungen!
      Mittlerweile habe ich den ersten Absprung geschafft und viele neue Erfahrungen dabei gemacht. Aktuell finde ich es richtig, nicht gegangen zu sein. Aber der Wunsch ist weiterhin da. Aber die Zeit irgendwie nicht die Richtige.
      Negative Gefühle sind ein schlechter Ratgeber. Und dieser Wunsch stammt aus einer ganz dunklen Zeit.
      Ich werde im nächsten Jahr nochmal runter fahren. Mal sehen, wie es sich dann anfühlt!

      • Susi sagt

        Hallo Daniel und Ihr anderen Lieben,

        ich bin die Unzufriedene aus Garmisch-Partenkirchen. Mich täte
        brennend interessieren, ob der Corona Lockdown einen Einfluss
        auf Eure weiteren Entscheidungen zum Thema hatte. Hat der
        Lockdown ein Umdenken bei Euch bewirkt? Seht Ihr nun die
        Dinge in einem anderen Licht? Und Daniel nebst Katze? Immer
        noch standorttreu?
        Ach ja, Daniel, hier noch eine persönliche Anregung für dich:
        Mir geht es ähnlich wie dir: Ich habe seit 15 Jahren zwei zahme
        Elstern, die gehandicapt sind und nicht fliegen können. Ich habe
        ihnen eigens eine wirklich gigantische Voliere bauen lassen und tue
        alles für die Tiere. Und ich habe mich oft gefragt, warum ich so
        übertrieben reagiere und sogar mein eigenes Leben hinten
        anstelle.
        Wie es der Zufall will, habe ich vor einigen Tagen den Bericht einer
        Mutter gelesen, die sich aufopferungsvoll um ihr behindertes Kind
        kümmert. Sie erklärte, dass sie immer das Gefühl habe, ihrem Kind
        Lebenszeit wegzunehmen, wenn sie sich auch mal um sich selbst
        kümmert. Ja, dieses Gefühl hat es auf dem Punkt getroffen. So
        geht es mit auch, ich stelle meine Bedürfnisse zugunsten anderer
        oft zurück.
        Aber wer gibt mir meine Lebenszeit zurück? Und bei dir und deiner
        Katze Daniel? Wir leben nur einmal…Wo ist unser Leben? Das ist
        nach der Frage – wo ist meine Heimat – die nächste Frage, die
        mich umtreibt.

  24. Solveig Bierwisch sagt

    Hallo an alle.
    Ich bin 35 Jahre alt und ca. 35 x umgezogen.
    Ganz bewusst. Ich wusste, dass ich in meiner alten Heimat alles verändert wird-denn das tut es immer. Wenn man die Schule verlassen hat und Ausbildung/Studium beginnt, entstehen neue Freundschaften oder es schlafen diesbezüglich welche ein. Und das überall in Deutschland. Während meiner Umzugszeit hatte ich immer lose Bekannte und richtig viel Spaß. Ich bin nie mit dem Gedanken daran gegangen, dass muss es jetzt für immer sein. Ich habe aus all den Erfahrungen 2 Brieffreunde mitgenommen. Und in dem Fall ist es egal wo man wohnt. Ich habe auch meinen Seelenverwandten kennengelernt. Es war spannend in Regionen einzutauchen aber auch OK wieder weiterziehen. Irgendwann hat auch ein Kind Platz in diesem Chaos gefunden. Für andere war ich die Chaotin, ich selbst fand mich nur neugierig. Jetzt ist es so, dass nicht mehr nur ich zähle, eine Basis für das Kind ist wichtig. Wohnen tue ich 8km von meinem Heimatort entfernt. Hätte mir das jemand 2011 erzählt, hätte ich es nicht geglaubt. Was ich damit sagen will ist dass man mit Kind eine große Verantwortung trägt und nicht mal schnell umziehen sollte. Für ein kleines Kind ist es spannend, jeden Tag, sie sehen eben noch das Kleine in allen Dingen. Wie verlieren das aus den Augen: Facebook, Instagram usw. tun ihr weiteres dazu. Man sollte nicht leichtfertig glauben dass jedes gestylte Profilbild auch wirkliches Glück bedeutet. Wenn man mit sich selbst klar kommt, dann überall. S. B.

  25. Beate sagt

    Hallo an euch alle,
    ich wundere mich, dass ich erst jetzt diese Seite mit den Kommentaren und wirklich tollen Anregungen finde. Es tut gut zu sehen, dass ich nicht alleine bin in dieser Zerrissenheit: Wo wohne ich? Auch ich habe mit fast 50 Jahren 30 Umzüge hinter mir. Einerseits berufsbedingt und immer wieder weiter gezogen. Auch oftmals jemanden hinterher gezogen. Einer Verliebtheit, einem vermeintlichen Place to be ( Berlin). Inzwischen war ich sogar in machen Städten zwei mal. München zum Beispiel oder Köln. In Köln mindestens 10 Umzüge in 15 Jahren. Nie konnte ich es aushalten Sehne mich bis heute nach Ankommen und kann es nicht. Ich habe es nirgends ausgehalten, war panisch, ob ich da nun immer bleiben soll? In dieser Wohnung? In dieser Stadt? Und so strandete ich vor drei Jahren wieder in meiner Heimat. 40 KM von meinem Heimatdorf entfernt. Aber wieder eine Entscheidung, die nur ein Kompromiss für ein Jahr sein sollten, dann weiter sehen. Jetzt bin ich seit 3 Jahren in dieser Kleinstadt in einer kalten Wohnung. Kenne keinen Menschen, fühle mich unwohl und weiß, selbst wenn ich wieder mal zurück nach Köln gehe, wird es nie wieder so sein wie früher… Ich glaube das Problem des Nicht ankommen können ist die Angst vor dem Endlichen. Solange ich auf Reise bin, in Hotels übernachten. In Airbnb in anderen Städten, bei anderen Leuten, fühle ich mich wohl. Wenn ich bei mir bin fühle ich mich einsam. Leider bin ich auch wieder getrennt von meinem Partner, und frage mich erneut: Wohin? Irgendwie ist alles belastet und ich sehen mich nach einem absoluten Neuanfang am liebsten im Ausland. Das Hamsterrad im Kopf dreht sich permanent um das Thema. Finde echt keinen Ausweg. “Bei Dir Ankommen”, sagen dann viele. Dann wird sich alles finden… aber wie macht man das, bei sich ankommen, wenn man jeden Tag aufwacht und dort wo man ist nicht sein will. Ich hab da auch schon therapheutische Hilfe in Anspruch genommen. Es ist wirklich zum verzweifeln. Ich wünsche euch allen alles Gute und schöne Ostern!
    Beate

    • Susi sagt

      Liebe Beate,

      ich denke, das ist das Hauptproblem: Egal wo du auch bist, du kannst nicht vor
      dir selber davonlaufen. Wenn du tief in dir drin einsam bist, wirst du es auch
      bleiben, an jedem Ort der Welt. Weißt du, mir geht es ähnlich. Ich bin 50 und
      habe keine Familie mehr. Wirklich niemanden. Aber ich habe mich oft sogar
      mit Ehemann sehr viel mehr allein gefühlt als mit mir selbst. Mich tröstet
      jedoch die Tatsache, dass es außer mir noch viele andere Alleinstehende und Einsame gibt. Menschen, denen es richtig schlecht geht, deren Angehörige
      durch Krieg oder Unfälle unvermittelt aus dem Leben gerissen wurden.

      Im Grunde sind wir doch alle alleine. Wir werden alleine geboren und wir werden alleine unseren letzten Gang gehen müssen und alles was dazwischen
      ist, ist Schicksal. Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist es mir sehr deutlich bewusst
      geworden, dass man das Leben nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen
      kann, der Rest, die großen Unwägbarkeiten des Lebens, das nennt man wohl Schicksal. Im Grunde unseres Herzens und unserer Seele sind wir alle alleine und heimatlos. Ein geliebtes Haustier hilft jedoch über vieles hinweg… 🙂

      Ich glaube, die eigene Einstellung zum Leben ist ganz wichtig: Man muss
      sein Leben annehmen, mit allen Entscheidungen, die man trifft. Wie sagt
      man so schön: Eine Tür geht zu, eine andere öffnet sich.
      Oder wie gefällt dir das:
      Am Ende wird alles gut und wenn’s noch nicht gut ist, dann ist’s auch noch nicht das Ende (Zitat aus einer Filmkomödie).

      Es grüßt dich Susi aus Garmisch-Partenkirchen aus dem Taxi.
      In diesem Sinne wünsche ich dir Schöne Pfingsten 🌺

  26. auch ich wache morgens auf und will woanders sein-hoffentlich schaffe ich das noch-habe angst irgendwann hier nicht mehr wegzukommen ! mensch leute—- mache nur noch fehler !
    könnt ihr mir raten oder helfen ? lebe in berlin und will einfach nur weg ……wohin bloß ?

  27. Susi sagt

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muss das Herz bei jedem Lebenrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt, und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum an Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will uns nicht fesseln und engen,
    Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise,
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen,
    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Hermann Hesse

  28. Chris sagt

    Hallo ihr Lieben!

    Ich bin auch gerade auf eure Beiträge und den Blog gestoßen… und fühle sehr mit euch allen – weil es mir gerade ähnlich geht 🙂 Ich bin jetzt 42 und war 15 Jahre in Berlin und fühlte mich nie wirklich wohl und heimisch, die Stadt ist mir immer zu laut, zu wuselig, zu stressig gewesen – und habe dann letztes Jahr einfach den Sprung gewagt – etwas kopflos, wie ich jetzt feststelle. Kopflos vielleicht nicht, aber ohne ein “Ja, ich hab total Lust darauf!” 😉 Die Stadt, in der ich aktuell lebe, war eine reine Vernunftsentscheidung, obwohl ich die Tatsache sehr mag, jetzt wieder in der Nähe meiner Familie zu sein – aber ich vermisse das Bunte, das Alternative, das Offene, das ich an Berlin so geschätzt habe und schätze.

    An Nürnberg mag ich, dass man schnell in der Natur ist, das mittelgebirgige – aber das war’s auch schon. Deshalb habe ich jetzt beschlossen, ich schau mich nochmal um. Möchte Städte bereisen, fühlen, wie ist es da – mir die Umgebung anschauen, möglichst mit Leuten dort in Kontakt kommen…der Plan für die nächsten Monate. Und dann zieh ich eben nochmal um. Was hab ich zu verlieren?

    Und ja – auch ich habe mich in den letzten Tagen öfter gefragt: ok, Berlin ist nun nicht mehr deine Heimat, Franken offenbar auch nicht – wo ist sie dann? Und die Antwort kann wahrscheinlich nur lauten: in mir selbst. Aber das Gefühl, ankerlos, ohne feste Anknüpfung zu sein, das finde ich gerade sehr erschreckend, sehr beängstigend. Aber auch das geht vorbei… Und das Gedicht von Hermann Hesse ist da sehr tröstlich. Danke also dafür!

    Und Susi – in Garmisch habe ich meine Ausbildung gemacht und vier Jahre dort gelebt und kann sooooo gut nachfühlen, was du schilderst! Obwohl ich die Alpen liebe, würde ich dort nicht mehr hingehen, wobei ich mir wiederum Augsburg vorstellen könnte. Oder das Allgäu. Aber das wird jetzt alles bereist und mit anderen Augen kennengelernt 😉

    Liebe Grüße 🙂

  29. Susi sagt

    Hallo Regina, hallo Chris und all Ihr anderen Umtriebigen,

    schön zu wissen, dass man nicht allein ist mit all den Gedanken, die sich schier endlos, und wie in einer Tretmühle gefangen, anfühlen. Was also tun? Gehen
    oder Bleiben? Sicherheit oder Abenteuer?

    Ich hätte da möglicherweise einen Lösungsansatz…

    Wie mir scheint, sind wohl die meisten hier kreativ, flexibel und sensibel.
    Umzugsgedanken kann man umsetzen, muss aber nicht. Wie wäre es damit:
    Ein Wohnmobil kaufen, egal ob alt oder neu, und mal ein paar Wochen/Monate aussteigen und schauen, wohin es einem treibt. So ganz
    ohne Plan und Ziel, einfach drauflos. Schaut euch mal im Net die vielen
    Videos von Vanlifern an. Das ist wirklich toll.

    Ich bin früher Fernfahrerin gewesen, vor meiner Zeit in Garmisch,
    und als ich dann seßhaft wurde, und zum Taxigeschäft übergewechselt bin,
    haben ich und mein Ex-Mann einen alten MAN-Linienbus gekauft,
    provisorisch eingerichtet und sind ein paar Monate kreuz und
    quer durch Europa getourt. Der alte MAN hatte damals schon fast eine
    Million Kilometer drauf und hat ganze 1000 DM gekostet 🙂. Ein wenig
    naiv waren wir schon auch, wehe er wäre irgendwo liegen geblieben 😱

    Na ja, also was ich sagen will, es ist vielleicht auch ganz hilfreich, mal in sich
    zu gehen, und zu fragen, was sind die Sachen, die einem wirklich Spaß machen. Und so ein Wohnmobil gäbe einem immer die Möglichkeit,
    einfach abhauen zu können, wenn man will. Und ebenso auch wieder zurückzukommen 🙂…

    Ich meine, dass auch das ein ganz wichtiger Aspekt ist, was so im Kopf von
    einem vorgeht. Solange man weiß, man könnte ja weg, ist das doch eine tolle
    Sache. Ob man letztendlich den Schritt wirklich geht, ist eine andere Sache.

    Chris hat das sehr gut beschrieben, dieses Gefühl haltlos zu sein, macht Angst.
    Die meisten Menschen möchten wohl irgendwann irgendwo ankommen und voller Überzeugung sagen: „Jawohl, hier bin ich daheim.“
    Aber wäre es wirklich so schlimm, niemals anzukommen? Der Weg ist das
    Ziel 🙂…

    Hermann Hesse übrigens war Zeit seines Lebens ein Getriebener, eher unglücklich, obwohl er scheinbar Menschen um sich hatte, die ihn liebten.
    Auch wir jammern doch oft auf hohem Niveau, gerade dann, wenn’s uns eigentlich zu wohl geht. Ist es nicht so?

    Ich glaube, wir sollten unser Leben nicht mit zu vielen negativen Gedanken
    verschwenden, sondern es einfach leben. Wie Chris bereits feststellte: Was
    haben wir zu verlieren, wenn wir uns ausprobieren? Eine Tür geht zu. Zehn
    neue öffnen sich.

    Hey Regina, kauf dir einen alten VW-Bus und dann ab ins Ungewisse.

    Ja, Mensch Leute, und wenn alle Stricke reißen, gründen wir „Heimatlosen“
    eben unsere eigene Enklave 😉, irgendwo am Ende der Welt 🌍.

    Alles, alles Liebe und Gute für euch alle 🌈

    Susi aus Garmisch-Partenkirchen

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