Ernährung, Konsum, Natur
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zwei Fragen (2)

Wie genau füllt man die freigewordene Zeit?

Eigentlich doch eine sehr einfache Frage. Mit allem, was man gerne tut. Aber ich finde es gar nicht so einfach herauszufinden, was man gerne tut. Streicht man nämlich einmal alles von der Liste was irgendwie mit Konsum zu tun hat, stellt man fest, dass eine ganze Menge Dinge wegfallen. Darunter würde ganz penibel gesehen auch sämtliche Bücher, Filme und Musik oder eine Autofahrt fallen. Aber so eng möchte ich dies Sache auch nicht sehen.

Mir geht es vielmehr darum mich weniger von außen in der Wahl meiner Freizeitgestaltung beeinflussen zu lassen. Nur zu oft frage ich mich, ob dass, was ich grade tue auch sinnvoll ist und ob ich die Zeit nicht mit etwas sinnvollerem füllen könnten. Als sinnvoll sah ich aber leider auch, eine Liste abzuarbeiten, Bücher zu lesen, die ungelesen seit Jahren im Regal standen oder Filme zu schauen, die ich bei einem Besuch der Bücherei als sehenswert erachtet hatte. Aber sehe ich mir diese Sachen an, stelle ich fest, dass ich weniger durch meine eigenen Wünsche als vielmehr von außen dazu gedrängt wurde, diese „Werke“ zu konsumieren. Und so widmete ich mich, vielleicht aus Bequemlichkeit,  vielen anderen Dingen nicht.

Aber womit sollte ich mich denn nun beschäftigen? Nach langen Überlegungen habe ich für mich folgende Aspekte  gefunden:

  • Bildung: Ich liebe es, mir neues Wissen anzueignen und mich in ein Thema zu verbeißen. Dabei interessiert ich auch (fast) alles und Büchereien, grade Universitätsbibliotheken, sind für mich interessanter als alle Shoppingtempel und Filmchen zusammen.
  • Achtsamkeit: Achtsamkeit scheint mir in dieser Zeit ein sehr gutes und wirkungsvolles Mittel gegen die Komplexität und der daraus resultierenden Zerstreuung zu sein. Viel zu oft habe ich den inneren Autopilot eingeschaltet und bin in Gedanken schon wieder bei der nächsten Sache. Dabei entsteht in mir ein schlechtes Gefühl.
  • Natur: Als Kind habe ich Menschen nicht verstanden, die zu Fuß lange Wege hinter sich brachten und das sogar zum Spaß taten. Mittlerweile liebe ich es Wälder, Seen und Berge zu erwandern und so in dieser hektischen Welt zur Ruhe zu kommen.
  • Ernährung: Auch wenn ich noch viel zu oft am Ziel vorbeischieße, so wurde das Thema Ernährung in den letzten Jahren für mich immer wichtiger und gab auch den Anstoß für meinen Lebenswandel der letzten zwei Jahre. Dabei bin ich definitiv kein leidenschaftlicher Essen. Mir schmecken zu viele Dinge nicht und vieles kenne ich noch nicht einmal. Aber damit räume ich ebenfalls langsam auf. (Und jetz‘ erst recht.)
  • Sport: Eigentlich sollte es selbstverständlich sein. Durch unsere Lebensweise müssten die meisten sich viel mehr bewegen, mich eingeschlossen. Es reicht wohl nicht, sich einfach nur so oft wie möglich durch eigene Körperkraft fortzubewegen, denn so bleiben viele Muskelgruppen unerreicht. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Mix für mich.
  • soziale Kontakte: Wir Menschen sind soziale Wesen, der eine mehr, der andere weniger. Aber alleine kommen wir nur sehr bedingt in dieser Gesellschaft klar. Das Internet ersetzt zunehmend den reellen Kontakt oder lässt ihn zumindest verflachen. Hier gilt es für mich die alten Pfade wieder frei zu machen und so neu zu entdecken. Dazu gehört natürlich die Familie genauso wie Freunde und die sonstigen, meist nur flüchtigen Kontakte.
  • Arbeit: Verstanden als sinnvolle Tätigkeit, die das Leben abrundet, aber nicht definieren und dominieren sollte. Jedoch auch Broterwerb und der größte Zeitaufwand.
  • Kultur: Um das Leben abzurunden, in Kontakt mit anderen Mensch zu treten und dem eigenen Geist Ausdruck zu verleihen, um so andere und sich selbst besser kennenzulernen sowie die eigne und fremde Kulturen zu versehen und schätzen zu lernen.

Diese Punkte für mich herauszuarbeiten brachte mir viel Klarheit und zeigt mir einen anderen, aber dennoch schönen Weg vor. Jetzt geht’s an die Umsetzung!

 

4 Kommentare

  1. Hi. Das ist eine gute Frage.
    Bei mir dauerte es eine Weile, bis sich neue
    Erst einmal trat ein, was Du mit Achtsamkeit beschreibst: “Hören”, was mir den gut tun könnte.
    Eine neue Sportart suchen? Was habe ich vernachlässigt? Was wollte ich schon immer mal wagen? Mehr mit anderen Menschen zusammen sein? Mal Zeit nehmen für richtig gut Kochen / Essen?
    Deine Übersicht ist gut. Ich hab’s mir nie so bewusst gemacht, das kam so Schritt für Schritt.

    Und es ist schade, dass Arbeit so viel Zeit “frisst” – ich kann gut und gerne mit weniger Geld auskommen, aber es wird nicht gern gesehen, wenn man bei reduzierten Stunden arbeiten will – in Deutschland zumindest, alles viel zu starr und unflexibel.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar!

      Den Punkt den Du als letztes angesprochen hast, kam mir auch schon oft in den Sinn. Auch wenn ich noch nicht all zulange arbeite, so habe ich dies schon festgestellt. Allerdings mag ich nicht so viel drüber nachdenken, weil es wohl nicht gut ist. Ich mache meine Arbeit gern und deshalb passt das schon. Allerdings achte ich sehr penibel darauf, mich nicht, z.B. in Form von Schulden, abhängig zu machen, so dass ich das durch die von dir angesprochene “Mehrarbeit” verdiente Geld nicht für Mist ausgeben, sondern es es für die im Text angesprochenen Bereiche einsetze. Ziel ist für mich auch die Gewissheit, für einige Jahre aufgrund von Rücklagen nicht erwerbstätig sein zu müssen. So versuche ich mir freies Denken und Handeln zu bewahren. Zum Thema ist “Your Money or Your Life” von Vicki Robin sehr empfehlenswert!

  2. Hallo Daniel, ich hatte dir zuerst bei Peter Hinzmann was geschrieben, dann stieß ich eben erst auf deinen Blog. Habe mich schon ein wenig eingelesen. Was mir spontan auffällt: Neigst du vielleicht etwas zum Verkrampfen? Ist echt nicht bös gemeint, aber die Sache mit “wir konsumieren ja eigentlich andauernd” schien mir in die Richtung zu gehen. Ich dachte sofort bei mir: “Ja, Kennzeichen des Lebens ist Stoff-wechsel(!).” – Wer nicht ißt und atmet, der ist tot. Und um MENSCH zu sein, nicht bloß Tier, gehört notwendig auch Medienkonsum dazu, ob das nun Bücher, Gespräche, Filme oder Internet ist, das ist doch egal. Sich dafür schlecht zu fühlen, das finde ich nun schon etwas übertrieben… ABER: Man kann sich ja z.B. überlegen, ob heute noch wirklich tote Bäume bedruckt werden müssen, um mich zu informieren? Statt Zeitungsabonnement lieber Online-Nachrichtenportale! Statt Bücher (und die Fahrt zur Bibliothek!) lieber ein Ebook-Reader? Statt Käffchen in der Stadt mit der besten Freundin lieber öfter ein Telefonat?

    Darf ich noch eine Beobachtung äußern? Mit einem schlechten Gewissen wirst du NIE glücklich werden können! Man sollte sich kein schlechtes Gewissen einreden (lassen), weil man nicht genug Sport treibt oder das (angeblich) falsche ißt.

    • Vielen Dank für deinen ehrlichen Kommentar, Hape.

      Es mag sein, dass ich mit dem Post wirklich an einer Grenze gerüttelt habe. Ich teile deine Meinung vom Austausch, den du schön als „Stoff-wechsel“ beschrieben hast.
      Du bist auch genau auf den Punkt gekommen, den ich mit diesem Text anschneiden wollte. Es geht ums Nachdenken. Nicht passiv irgendwelche Medien konsumieren, sondern aktiv auswählen, was mich interessiert und welche Angebote ich nutzen möchte. Ich muss zugeben, dass ich diese Kompetenz teilweise verloren hatte und neu erlernt habe. Es macht mir auch weiterhin Spaß Podcasts, Hörbücher, Filme, Serien, Blogs, Zeitungen, Bücher und all die schönen Sachen zu konsumieren. Allerdings will ich mich nicht mehr von ihnen treiben lassen. Wenn die Liste der Podcasts beispielsweise zu lang wird, wird gelöscht und nicht der 2x Knopf betätigt.

      Mit dem Gewissen magst du Recht haben. Ein schlechtes Gewissen zeigt aber auch einen potentiellen Mangelzustand an. Man darf sich davon nur nicht unter Druck setzen lassen. Nur weil ich diesen Punkte einmal herausgearbeitet habe, heißt das nicht, dass ich sie auch immer konsequent umsetze. Da würde ja der ganze Spaß verloren gehen. Vielmehr sind es Dinge, die mich Glücklich machen. Und diese Aufzählung bringt mich in schlechten Momenten schnell zurück auf mir wirklich wichtige Dinge.

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