Minimalismus
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Wellen

Wenn es ums Ausmisten des eigenen Besitzes geht, scheint die gängigste Methode unter uns Minimalisten zugleich auch die radikalste zu sein: Das komplette Entfernen aller Gegenstände, gefolgt von dem bewussten zurücklegen, wenn es gebraucht wird. Zugegebenermaßen eine sehr gute Idee.

Leider funktioniert dies für mich nur auf kleinen Flächen, wie Tischen oder der Küchenablagen. Erst am Wochenende bin ich wieder an so manchen Aufbewahrungsorten gescheitert, wie beispielsweise dem Kleiderschrank.

Schon vor Monaten bin ich diesen durchgegangen und haben zwei Tüten voll mit Klamotten zur Altkleidersammlung gebracht. Und erst gestern bin ich nochmals durch den gleichen Schrank gegangen. Wieder kam ein Rucksack voll Kleidung zusammen, der weg konnte.

Nun fragte ich mich natürlich, wieso mir diese Teile nicht schon beim ersten Durchsehen aufgefallen sind? Und ich stellte fest, dass die meisten Kleidungsstücke mir damals zwar aufgefallen sind, aber ich sie nicht wegschmeißen wollte. Oder konnte?

Genauso ging es bei mir bei meinen digitalen Sammlungen auf dem Rechner. Vor einigen Wochen empfand ich die Dateien noch als wichtig. Gestern sah die Sache dann ganz anders aus und ich löschte wieder vieles.

Ich merkte, dass ich mich zwar mit dem Gedanken des Minimalismus auseinandergesetzt hatte, aber noch nicht voll bereit dazu war, alles aufzugeben. Wohl das Ergebnis jahrelanger Konditionierung auf Besitz. Aber ich merkte auch, dass dieses Ausmisten in Wellen zum gleichen Ergebnis führt. Es dauert zwar länger, ist dafür aber sanfter. Für mich ist es so viel einfacher, als einen ganzen Hausstand zu durchforsten und die für mich wichtigen Dinge übrig zu lassen. Und da ich zum Müßiggang tendiere, ist diese Methode für mich sogar viel einfacher.

Es ist schwer, sich von den meisten Dingen in seinem Besitz zu trennen, aber die Freiheit, die sich einstellt, loht sich. Es ist schön, so eine schlichte und aufgeräumte Wohnung zu bewohnen. Und irgendwo auch ein super Gefühl, wenn man wieder ein großes Bücherregal abgeben konnte. Nicht nur die Wohnung ist wieder ein Stück leerer, sondern der Kopf auch freier!

2 Kommentare

  1. mogli2054 sagt

    Guten Morgen,
    ernstes Thema, der Minimalismus.
    Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt. Es ist schwer sich in der heutigen Mühle aus Arbeit, Konsum und Sensationen diesen zu leben. Überall wird an unsere Instinkte appelliert. Wir definieren uns allzuoft über das was wir haben. Nach dem Lesen von Walden (Henry David Thoreau, http://www.thoreau.de/walden.html) war ich für meinen Teil tief verwirrt und habe schnell eine Anti-Haltung gegen den Mainstream und die heutige Leere aufgebaut. Für mein soziales Umfeld war ich damit mehr als schwierig. Heute, nachdem ich eine Tochter habe, sehe ich da Leben als Kompromiss an. Es ist schön, wenn meine Wohnung, mit deren Inhalt, oder die Kleidung meine Persönlichkeit abbilden und wir Menschen uns dadurch auch äußerlich unterscheiden. Ich umgebe mich gern, mit Dingen die ich mag. Bis zu welcher Grenze ist entscheidend? Wenn nicht ich besitze, sondern ich vom Besitz besessen werde, ist die Grenze definitiv erreicht. Da ist es dann wieder das Laufrad und ich stecke auch mit dring, verflixt!!!

    Andre

    • Vielen Dank für deinen Kommentar!

      Minimalismus ist in unserer aktuellen Gesellschaft schon ein eher heikles Thema, da muss ich dir Recht geben. Aber es ist auch kein Thema, was man groß in sein soziales Umfeld tragen muss.
      Für mich ist entscheidend, dass ich mich wohl fühle. Das kann mit viel oder wenig materiellen Gütern sein. Aber wenn man in der von die angesprochenen „hedonic treadmill“ immer schneller trampeln muss, um mitzuhalten zu können, scheint etwas nicht ganz richtig zu laufen. Für mich waren das zum Glück nie materielle Güter.
      Deshalb gibt es auch keine Grenze. Die bestimmt jeder für sich allein. Und das ist auch gut so.

      Walden habe ich leider noch nicht gelesen, aber erst steht auch meiner Ausleihliste. Danke für den Link zu den Zitaten. Diese werde ich mir nachher noch durchlesen.

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