Unterwegs

Türchen 21 – Auto & Minimalismus

Ich habe zu meinem Auto eine gewisse Hassliebe. Das allein erklärt schon: Ja, ich habe ein Auto. Aber warum?

Über das Thema haben wir in einem der ersten Minimalismus-Podcasts geredet und auch hier im Blog war es immer wieder mal Thema. Mein Auto besitze ich seit 2014. 1,5 Jahre zuvor hatte ich meinen Firmenwagen (inkl. Kostenloser Tankkarte) freiwillig abgegeben, um wieder mit den Öffentlichen zu fahren. 2014 aber war bereits der Wunsch “aufs Land” zu ziehen in mir so groß, dass ich mir dafür meinen jetzigen Kleinwagen angeschafft habe.

Auto günstiger als das Monatsticket

Heute lebe ich immer noch im Ruhrpott und brauche eigentlich mein Auto nicht. Wirklich nutze ich es im Grunde nur für 3 Termine. Diese sind aber nicht in meiner Stadt, sondern in den benachbarten Städten, 15-20 km weit weg. Oder wenn ich meine Eltern (250 km) oder die Alpen (800 km) besuchen fahre. Dazu kommen einige kleine Fahrten, welche ich, wenn ich ehrlich bin, auch mit dem Rad bewerkstelligen könnte. Einkaufen und die meisten Erledigungen mache ich eh zu Fuß.

Grade wegen dieser geringen Laufleistung ist mein Auto billiger als ein Monatsticket des ÖPNV. Im günstigsten Fall (ab 9 Uhr+Abo) würde ich im Monat 53,88€ zahlen, wozu für meine Termine aber nochmals 18,30€ an Zusatztickets kommen würden. Mehr Sinn macht es da gleich ein Ticket für die umliegenden Städte zu nehmen, was nur 8€ mehr kosten würden, also 80,25€.

Mein Auto kostet mir 40€ an Versicherungen im Monat. Die 40€, die zum Ticket also übrig bleiben, kann ich in Sprit stecken, was also in meiner Rechnung 400 km im Monat ergibt. Dafür gehen ca. 100 km für meine Termine drauf. Es bleiben also 300 km freie Fahrt.

Meine Autokosten sind eine Milchmädchenrechnung!

Ich weiß, dass ich mit den eben genannten Kosten nicht hinkomme und mir diese schön rechne. Denn neben den Versicherungskosten packe ich jedem Monat 25€ an Reparaturkosten, die am Monatsanfang in ein entsprechendes Budget wandern. Dieses Budget hat meine Kosten an Wartung und Reparatur bisher immer voll abdecken können.

Aber eines habe ich bei den Kosten komplett ausgeblendet: die Anschaffungskosten. Besser Neuanschaffungskosten. Denn ein Auto hält nicht ewig, auch nicht bei meiner geringen Laufleistung. Ich habe mir über diesen Punkt mal genaue Gedanken gemacht. Zudem rechne ich gerne ein bisschen mehr, um am Ende nicht böse überrascht zu werden. Am Ende kam ich auf eine einfache Rechnung für die Neuanschaffung:

Gehe ich davon aus, dass ein Kleinwagen (nur) 100.000 km schafft und ca. 10.000€ kostet, dann muss ich einfach für jeden gefahrenen Kilometer Cent10 cent beiseitelegen. Genauso viel, wie ich auch an Spritkosten bei jeder Fahrt wegpacke. Oder anders gesprochen: 10 km Autofahren kosten 2€, einen Euro für Sprit, einen für die Neuanschaffung.

Und bevor jetzt Fragen kommen: Ja, ich bin so konsequent und kann das Geld bei jeder Fahrt wegpacken. Das habe ich mir in den letzten Jahren antrainiert. Wenn auch nur mit dem Spritgeld.

Die psychischen Kosten

Für mich sprechen viele Punkte für das Auto aber auch viel für ein Ticket. So bin ich mit dem Ticket wesentlich aktiver, weil ich nur einmal zahle und dann fahren kann, sooft ich will. Wohingegen mit jede Fahrt im Auto Geld kostet.

Mit dem ÖPNV bin ich meist (wesentlich) langsamer als mit dem Auto. Teilweise kann ich hier bei Fahrten im Ruhrgebiet bis zu einer Stunde pro Weg sparen. Bei Stau oder dem Feierabendverkehr können es aber auch nur 30 Minuten sein.

Wohingegend wiederum das Fahren mit dem ÖPNV nicht so anstrengend und nervenraubend ist.

Ökologisch gesehen, mag das Auto zwar schlechter dastehen. Aber wenn ich bedenke, wie viele Ressourcen für einen Burger beim Fast-Food-Restaurant verschwendet werden, verzichte ich lieber auf den Burger, als auf das Auto.

Nicht zuletzt kann mich da Auto besser in die entlegensten Gegenden bringen und gibt mir vor Ort dann auch entsprechende Mobilität. Auch könnte ich wohl nicht mehr mit meinem Saunabuch verschiedenen Saunen besuchen. Denn wenn ich nach einem ganzen Tag in der Sauna noch 1-2 Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause gurken müsste, dann würde ich dies wohl auch nicht machen.

Luxusproblem

Mir ist durchaus bewusst, dass alle dies Luxusprobleme sind. Und ich bin genauso davon überzeugt, dass ich noch eine Zeit erleben werde, in der wir von der heutigen Mobilität mit leuchtenden Augen erzählen werden. Denn diese Mobilität wird sich nicht in diesem Maße aufrecht erhalten lassen.

Warum habe ich mein Auto denn noch??

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich mein Auto noch, weil ich zu faul bin, es zu verkaufen. Der Besitztumseffekt lässt grüßen. Zudem ich mein Umzug aufs Land noch nicht abgehackt. Ich kann nicht sagen, ob dies morgen oder erst in einem Jahr passieren wird. Aber es wird passieren. Und dort, ohne ein Auto zu leben kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

Deswegen behalte ich mein Auto. Auch wenn ich es selten nutze. Diese seltene Nutzung ist der Grund, warum ich es überhaupt noch besitze. Denn wenn ich täglich pendeln müsste, dann wäre das Letzte, was ich tun würde, dies mit dem Auto zu tun…

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Hier findest Du weitere Beiträge von:

Keri-Chaotic: kerichaotic.jimdo.com
Michael: www.minimalimus-leben.de

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3 Kommentare

  1. Fühl dich nicht schlecht 🙂
    Ich hab auch ein Auto und ein Fahrrad. Das Auto fahre ich quasi nur bei Strecken weit über 10km (und da ist es auch günstiger und zeitsparender als die Bahn), den Rest fahre ich mit dem Rad.
    Beides möchte ich allerdings auch nicht missen.
    Ich leg im Moment 100 € im Monat zur Seite, da mein Auto schon etwas älter ist. Aber da ich Anfang des Jahres das Geld ungefähr reingesteckt habe, gehe ich davon aus, dass es bei der geringen Nutzung auch noch durch den nächsten Tüv kommt. 🙂
    Außerdem wichtig: Bei der Autoversicherung komme ich schon in eine niedrigere Versicherungsklasse, als wenn ich nie ein Auto besessen habe.

    • Ich bin aus diversen Gründen über meinen Dad versichert. Wenn der mal ein Auto anmelden würde, dann würde ich wohl wesentlich mehr zahlen müssen, was darin münden würde, dass ich mein Auto abgeben würde.
      Versuche es mal mit den 1€ pro 10km. Bei mir funktioniert dies wunderbar!

  2. Evelyne sagt

    Hallo Daniel,
    für mich käme ein Auto niemals in Frage, deshalb hatte ich nie das Bedürfnis, die Fahrprüfung zu machen. Ich fand es immer stoßend, wenn ein einzelner Mensch so viel Raum für sich beansprucht auf der Straße und damit andere Menschen gefährdet und verpestet mit Abgasen. Als Fußgänger und Radfahrer muss man ständig darauf vertrauen, dass Autofahrer nicht zu bedrohlichen Rasern mutieren. Die Bevölkerungszunahme verstärkt dieses Problem. Dann der Smog, den ich als Fußgängerin alternativlos zu schlucken habe. Ich bin für eine Verstärkung des Öffentlichen Verkehrs und eine Beschränkung der privaten Nutzung von Fahrzeugen ohne zwingende Notwendigkeit (z. B. körperliche Behinderung oder dann beruflich zwingend notwendig).
    Liebe Grüße, Evelyne

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