Reise, Wohnen
Kommentare 1

Urlaubserinnerungen

Eines der nachhaltigsten Eindrücke, die ich im Urlaub sammle, stammt von den gemieteten Zimmern, Ferienwohnungen oder Häusern, in denen ich in dieser Zeit wohne. Ich persönlich ziehe ein schlichtes Zimmer gehobeneren Hotels vor. Deshalb übernachtete ich auch, in den letzten beiden Wochen, in einem kleinen, einfachen Ferienhaus in Nieuwpoort, Beligen und einem Privatzimmer in München. Beide Übernachtungsmöglichkeiten hatten etwas für sich.

Das Ferienhaus in Belgien war ein kleines, typisches Haus, wie man es in entsprechenden Urlaubsparks findet. Es war zweckgemäß eingerichtet und das auf sehr kleiner Fläche. Immer wieder ließ ich meinen Blick und Gedanken durch das Haus schweifen und konnte (bzw. kann) mir sehr gut vorstellen, in einem solchen kleinen Haus zu leben. Es war alles vorhanden, was ich zum Leben brauche und die Größe war für bis 3 Personen genau richtig. Für mich alleine würde auch ein kleineres reichen. Eigentlich schade, dass es in unserem Lande mit den kleinen Häusern so schwierig ist.

Das Privatzimmer in München war ein kleines Zimmer, in dem ein Doppelbett, ein kleiner Computertisch, ein großer Kleiderschrank und eine Art offene Kommode Platz fand. Das Bad befand sich direkt nebenan. Das Highlight war ein ebenfalls kleiner Balkon, auf dem ein Kühlschrank und ein Tisch mit Stühlen Platz fand. Mit etwas Fantasie, einer kleinen Küche und anderen Möbeln, vor allem aber einem kleineren Bett, wäre diese Wohnung, grade auch mit der Lage im Münchener Süden, für mich sehr schön gewesen. Vor allem, weil das Zimmer in einem Einfamilienhaus lag.

Aber warum schreib ich hier nun über die kleinen Zimmer, in denen ich die letzten Nächte verbracht habe? Aus zwei Gründen:

  •  Ich liebe die Ausstrahlung, die diese leeren (Urlaubs-)Zimmer und Wohnungen auf mich haben. Wenn ich im Urlaub oder auf Seminaren in diese Zimmer komme, dann ist man dem Alltag entflogen und es passiert meistens etwas vollkommen Neues. Aber dies ist nur ein kleiner Teil. Vielmehr finde ich es immer wieder erstaunlich, wie wenig man mit in diese Zimmer schleppt und wie wenig man dort zum Leben braucht. Nachdem man etwas Zeit in diesen Räumen verbracht hat, füllen sich diese allmählich mit dem eigenen Ich und es lassen sich schnell Spuren der eigenen Persönlichkeit wiederfinden. Die Schränke werden mit der Kleidung befüllt, der Laptop, findet seinen Platz auf einem winzigen Schreib- oder Esstisch und auf dem Nachttisch liegt die bevorzugte Literatur. Es bleibt alles so wenig und einfach, weil in der Zeit, die dort verbracht wird, nicht mehr Dinge benötigt werden. All das, was unsere heimischen Schränke befüllen, ist an diesen Orten nicht mehr wichtig. Aber warum sind sie es Zuhause?
  • Der zweite Grund ist, dass ich kleine Häuser liebe und gerne in einem leben würde. Ideal für mich wäre ein Schrebergarten, in dem man wohnen könnte. Ein kleiner Garten und ein kleines Haus mit allem drin, was ich brauche. Leider ist solch ein Wunsch wohl in diesem Lande nicht erfüllbar. Und meine Lebens- und Wohnumgebung macht eine Erfüllung auch nicht einfacher. Eine solche Lebensweise weicht wohl zu stark von der konventionellen Stadt- und Lebensplanung in unserer Gesellschaft ab, als dass sich diese Art zu Leben entwickeln würde. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Was habe ich nun aus meinem Urlaub mitgenommen?

Ich habe erkannt, wie unflexibel zu viele Besitztümer das eigene Leben machen. Denn grade im Urlaub, wenn ich in kleinen Zimmern, Wohnungen oder Häuschen lebe, stelle ich immer wieder fest, dass ich all den Besitz doch gar nicht brauche. Auf der anderen Seite bekommt man bekomme ich in den Urlaubswochen so viel geboten, was sich durch keinen Besitz der Welt aufwiegen lässt. Kultur, Erlebnisse, Abenteuer, Menschen, Bewegung, etc.. Es sind nicht die Besitztümer, die ein Leben interessant machen, sondern die Erlebnisse. Diese lassen sich im Gehirn verankern und mich froh auf mein Leben blicken.

Zeit sowie ein Rucksack mit auserwählten Habseligkeiten und Kleidung; mehr brauche ich nicht, um ein schlichtes, aber erlebnisreiches Leben zu führen. Der Urlaub hat sich gelohnt.

1 Kommentare

  1. Toffel sagt

    Hallo.
    Danke, dass Du einen schönen Einblick in diesen “Fremdenzimmerphänomen” gewährst.

    “Es bleibt alles so wenig und einfach, weil in der Zeit, die dort verbracht wird, nicht mehr Dinge benötigt werden. All das, was unsere heimischen Schränke befüllen, ist an diesen Orten nicht mehr wichtig.”

    Genau das habe ich beim erneuten Rundgang vom Keller bis zum Dach gedacht: Warum habe ich das alles hier? Benötigte ich dies an einem anderen Ort? in einem anderen Land?

    Wie kann das alles weniger wichtig werden?
    Ich verschenke gerade wieder viel und zögere bei bei so vielen Dingen.
    Merkwürdig.
    Liebe Grüße
    Toffel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.