Bücher, Konsum, Minimalismus
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Ist es mir meine Zeit wert?

Eine meine größten Baustellen und das schon über Jahre ist meine Überforderung, was den allgemeinen Medienkonsum angeht. Dies habe ich auch im Blog immer wieder beschrieben. Ich weiß oft nicht wirklich, wo mir der Kopf steht, weil all die Medien einfach zu viel werden. Gerne würde ich alles Lesen, Sehen oder Hören, was mich interessiert. Und das ist eine ganze Menge.
Schon oft habe ich mich an Lösungen versucht, bin dann aber doch immer wieder gescheitert. Mit der Zeit wuchsen die (Warte-)Listen immer weiter an. Und trotzdem bin ich weiterhin auf der Suche nach Abhilfe.

Seit einiger Zeit versuche ich, mir nicht immer wieder neue Sachen zu kaufen, sondern erst die zu »verbrauchen«, die ich besitze. Das ist leichter gesagt als getan, denn dass was ich besitze, hat irgendwie seinen Reiz verloren. Komisch eigentlich.
Aber dann kam ich bei der Betrachtung meines Bücherregals und den vielleicht 10 ungelesenen Büchern auf einen Gedanken:
Ich fragte mich, warum diese Bücher hier stehen, ich sie aber doch nicht lese. Und dann viel es mir auf. Die Zeit, die ich in das Lesen der Bücher investieren müsste, ist mir einfach zu schade. Das liegt vermutlich daran, dass die Themen der Bücher mich im Moment nicht ansprechen. Ich weiß aber auch, dass wenn die Themen wieder aktuell werden, ich mich vermutlich nach neuen Büchern umsehen würde. Demnach können die Bücher weg.

Das Gleiche fiel mir schon des öfteren bei Computerspielen auf. Es gibt Spiele, die fesseln mich und ich spiele diese verdammt lange. Es gibt aber auch welche, auf die ich nach einer Stunde keine Lust mehr habe. Ich habe es angespielt, habe mir eine Meinung gebildet und gut is. Meine Neugier darauf ist befriedigt und ich kann mich dem nächsten Spiel widmen.

Vielleicht ist das die Lösung: Vielleicht sollte ich mich intensiv vor einer Anschaffung mit der Frage beschäftigen, ob mich das Buch, das Spiel, der Film wirklich interessiert und mir die entscheidende Frage stellen: Ist mir das Produkt meine kostbare Lebenszeit wert?
Falls ja, ist alles gut. Wenn nicht, muss ich das Buch, das Video oder Spiel auch nicht kaufen, leihen und konsumieren.

Ich bin gespannt, wie weit ich mit dieser Erkenntnis dieses Mal komme…
Kennt Ihr das Problem? Wollt Ihr auch mehr, als Ihr Zeit habt? Oder habt Ihr andere Auswahlkriterien oder -techniken? Diese würden mich sehr interessieren!

14 Kommentare

  1. Hi Daniel,
    mich interessieren ebenfalls sehr viele Themen, so geht es mir v.a. bei Büchern ganz genauso. Ich habe sicher auch 10 auf dem Regal stehen, die ich eigentlich lesen sollte. Doch das Thema interessiert mich nicht mehr genug. Ich denke öfter darüber nach, sie ungelesen weg zu geben, doch dann interessiert mich das Thema noch zu sehr. Doch eigentlich wäre es hilfreicher, Platz für etwas Neues zu schaffen.
    Deine Anregung, die Frage zu stellen, Ist mir das Produkt meine kostbare Lebenszeit wert? finde ich super. Das werde ich ausprobieren. (Mein größter ‚Zeiträuber‘ ist allerdings das (kostenlose) Internet. Habe ich gerade heute drüber gebloggt 🙂 )
    Schönen Gruß
    Dina

  2. Auch ich kenne das (vor allem mit Büchern, aber auch mit YT-Filmen und Blogbeiträgen etc.)

    Es interessiert mich brennend, aber irgendwie komme ich nicht dazu. Und bis ich so weit bin, interessiert mich schon wieder das nächste.

    Mut zur Lücke ist vielleicht in dem Fall auch eine Möglichkeit.

    Keine Bücher auf Vorrat kaufen sondern nur, wenn ich wirklich keines mehr habe, das, was mich am meisten interessiert. Und das dann auch lesen bevor ich das nächste kaufe.

    Und keine ewig langen watch-Listen für YT anlegen sondern einfach das schauen, wohin es mich in dem Moment gerade so zieht, wenn ich Zeit habe zu schauen.

    lg
    Maria

  3. Ein sehr schöner Blogpost und ja ich habe auch eine Liste an Bücher die ich gerne lesen möchte aber noch nicht dazu kam bzw. die ich schon ein paar mal angefangen habe aber es dann nie durchgezogen habe. Es stehen nur Sachbücher und philosophische Werke auf dieser Liste. Tja aber diese Bücher weggeben … aber es stimmt beim jedesmal aufs neue durchsehen nehme ich davon Bücher wieder weg und gib sie auf den Flohmarkt Stapel bzw. stell sie auf fb in ein entsprechendes verkaufen/verschenken Forum.

    LG
    Mina

  4. Sandra sagt

    Oh ja, das Problem kenne ich sehr gut… Besonders bei Büchern taucht es auf. Oder bei Internetseiten, da aber seltener.
    Meist funktioniert es so, wie du geschrieben hast. Man überlegt sich ob es seine kostbare Zeit wert ist. Allerdings gibt es jetzt ja vermehrt diese Buchtauschregale. Wenn ich da mal was finde, was mich jetzt gerade anspricht, dann MUSS das mit. Da kann ich einfach nicht mehr überlegen ob es mir wirklich meine Zeit wert ist *lach*
    Bin mal gspannt ob meine heutigen Bchregalfunde es wert sind 😉

    Liebe Grüße,
    Sandra

    • In den Tauschregalen finde ich nie was.
      Bei mir sind es die günstigen Restanten und Mängelexemplare, die immer mal wieder verkauft werden. Da darf ich gar nicht erst mal schauen, was die so haben. Da finde ich immer was…

  5. Reese sagt

    Wie Maria gebe ich mir grosse Mühe, keine ellenlangen Listen (über Bücher, Filme etc.) mehr zu führen, obwohl es mir manchmal sehr schwer fällt, es nicht aufzuschreiben. Und wenn mich der Drang doch überfällt, tippe ich es ins Smartphone, vergesse es dann aber ohne schlechtes Gewissen gleich wieder. Auch wenn es ziellos klingen mag, im Moment bin ich zufriedener, wenn ich mich in Sachen Medien einfach treiben lasse, es mich rein zufällig an das ein oder andere Buch / Film heranschwemmt. CDs und DVDs sortiere ich gerade aus, vieles habe ich bereits weggeben, denn ganz ehrlich, wenn ich den Film erneut schauen möchte, ist es heute so einfach, sich die Medien in sehr nützlicher Frist wieder zu besorgen.

  6. Ist das Scanner nach Barbara Sher, Daniel?

    Ein Buch ist immer Arbeit. Ich muss es anschaffen, verwerten und wieder loswerden. Weil es keine Aufenthaltserlaubnis hat. Ich kaufe die Zeit oder die Verpflichtung mit, es zu lesen. Ich lese es sofort an einem. Dann hab ich’s hinter mir.

    Eine Auswahl von 3 ist optimal. Mit 5 sind Menschen überfordert. Und wenn du eins der 3 Bücher dann nicht liest, gibst du es ungelesen ab oder verkaufst es, bevor du ein Neues kaufst. Dann hast du eine Regel drin. Regeln helfen ja meistens, wenn man keinen Filter hat. Ich limitiere mir auch Sachen wie Parfum (1), Schuhe (7), Schals (3), Seife (1). Sonst kaufe ich mir die endlos und brauche sie eigentlich gar nicht. Ist erst mal Arbeit, „nein“ zu sagen. Irgendwann geht es automatisch und man freut sich über alles, was man nicht gekauft hat. Die guten Sachen kommen wieder. Deshalb braucht man keine Listen.

    • Habe mal was von diesen „Scannern“ gehört, weiß aber nicht, was das genau ist. Magst das mal erklären?
      Die Auswahl auf ein paar Teile einzuschränken ist mit Sicherheit ein guter Weg. Bei den meisten Gegenständen ist das auch kein Problem. Nur bei Medien bekomme ich das irgendwie nicht hin. Vielleicht, weil es nicht so „weh tut“, wenn ich noch ein Buch mehr auf dem eReader liegen hat, was ich irgendwann mal lesen will…

  7. Ja, das kenne ich gut. Genau in diesem Monat habe ich ca 1 m Platz auf meinem Bücherregal geschaffen, weil ich all diese Bücher weggegeben habe. Offene Bücherregale sind eine tolle Möglichkeit, so musste ich die Bücher nicht ins Müll bringen- das kann ich einfach nicht. Aber so freut sich jemand vielleicht darüber. Mit meinen DVD-s bin ich fast schon fertig, es fehlen noch 3-4, und dann habe ich alles gesehen, was auf dem Regal steht. Nachher gibts dann das Grosse Aussortieren 🙂

  8. „Scanner“ sind zum Teil Multitalente, die sehr neugierig sind auf alle Themen, die ihnen das Leben so bietet ohne Tiefgang, sich zu spezialisieren. Am konzentriertesten fühlen sie sich, wenn sie mehrere Dinge gleichzeitig tun. Sie haben Entscheidungs- und Zielfindungsprobleme, weil sie so viel interessiert und sie sich nicht festlegen wollen. Denn: sie haben Angst was zu verpassen. Themen werden ihnen schnell wieder langweilig. Den Anspruch, was tief zu ergründen, stellen sie nicht an sich.

    Problematisch wird es, wenn sie sich selbst im Weg stehen, sich nicht organisieren können und nicht ins Handeln zu kommen.
    Vom Umfeld hören sie Kritiken wie: „Du machst nix richtig.“ „Du kommst nirgends an.“ „Wo ist bei dir der rote Faden?“ „Du machst deine Sachen nicht zu Ende.“ „Du interessierst dich für alles aber für nix richtig.“ „Wie viele Arbeitsstellen, Ausbildungen, Umzüge, Beziehungen denn noch?“

  9. Dani sagt

    Das Gefühl kenne ich zu gut, ich schreibe so viele Listen mit Sachen, die ich mal sehen oder hören möchte und nehme mir mit meinem Festplattenrecorder so viele spannende Dokus auf und hab auch in meinem Podcastprogramm noch so viele Sachen, die ich hören will… Man kann nicht alles sehen oder hören, aber das Streben danach kenne ich gut – und es kann tatsächlich sehr anstrengend werden.

  10. Marion sagt

    Hallo Daniel,
    nehme dafür die nachfolgende Frage zur Hilfe: Will ich das, jetzt, wirklich? Oder noch extremer: Ist es mir das wert? Da viele in Geld denken, warum nicht auch Zeit umrechnen. Ist mir der Film 1,5 Std Lebenszeit wert? (z.B. 15,00 €)
    Marion

    • Hallo Marion!
      Das ist ein guter Hinweis von Dir! Ich denke viel lieber in Zeit, als in Geld. Das habe ich hier im Blog auch schon mal beschrieben. (Artikel: „Geld ist Zeit“ vom 14.12.2012)
      Was ich aber tunlichst nicht mache, ist Zeit in Geld umzurechnen. Weil es dann letzten Endes darauf hinaus läuft, dass jede freie Minute, die wir nicht durch Arbeit in Geld umwandeln, eine verlorenen Minute wäre. Denn das stimmt nicht. Unproduktivität, Muße und Regeneration gehören ebenso zum Leben dazu und ist keine verlorene, weil nicht bezahlte, Zeit!

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