Psychologie
Kommentare 14

Über den Tod und das Leben davor

Holzkreuz mit HerzVor einigen Tagen habe ich im Kino den Film „Der geilste Tag“ gesehen. Es handelt sich dabei um eine Komödie mit zwei todkranken Männern in den 30ern, die vor ihrem Tod noch ihren „geilsten Tag“ erleben wollen. Der Streifen ist trotz des ernsten Themas sehr fröhlich gehalten und hinterlässt auch eigentlich kein schlechtes Gefühl beim verlassen des Kinos.

Mich jedoch stimmt das Thema Tod immer sehr, sehr nachdenklich. So drehten sich schon während des Films meine Gedanken.
Ich denke, in unserer aktuelle Gesellschaft wird das Thema Krankheit, Streben und Tod allgemein sehr gut verdrängt. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema findet aus meiner Sicht nur sehr begrenzt statt.
Stattdessen lassen wir uns voll von unserem Alltag einnehmen und lenken uns mit Arbeit, Freizeitstress und Konsum wunderbar ab. Und vergessen so, die richtigen Fragen zu stellen.

  • Lebe ich mein Leben so, wie ich es wirklich will?
  • Verbringe ich meine wertvolle Zeit mit den Dingen, die mich erfüllen und glücklich machen?
  • Was sind meine wirklichen Wünsche und Träume?
  • Erfüllt mich die Tätigkeit, die ich Arbeit nenne? Ist es eine für mich sinnvolle Arbeit?
  • Lebe ich an dem Ort, an dem ich wirklich leben möchte?
  • Bin ich in der Beziehungsform bzw. mit dem Partner zusammen, mit dem ich mein Leben teilen möchte?
  • Erfüllt mich auch mein Alltag? Oder ist dieser nur ein Warteraum bis zum nächsten freien Tag, nächstem Urlaub oder der nächsten Gehaltszahlung?

Vielleicht stellen wir uns ja auch diese Fragen von Zeit zu Zeit. Aber wer von uns zieht auch wirklich die Konsequenzen aus seinen Überlegungen? Wer handelt nach seinen eigenen Antworten, ohne sich von außen beeinflussen oder umstimmen zu lassen? Wer von uns entscheidet sich nicht für den einfachen Weg und versucht sein Möglichstes, um seinen Eigenen zu gehen?

Ich stelle mir oft diese und viele weitere Fragen. Vielleicht schon zu viele. Und die Antworten auf diese Fragen sind nicht immer die Richtigen. Ich wünschte, ich hätte mehr Mut, mehr Kraft, mehr Egoismus und mehr Willen, mich diesen Fragen ernsthaft zu stellen und die Konsequenzen zu ziehen.

Einer der Hauptcharakter in diesem Film stellt sich am Anfang der Reise auch die Frage, was er denn eigentlich noch in seinem Leben machen und erreichen will. Aber er hadert sehr mit dieser Frage. Auch wenn er sich anstrengt, so richtig fällt ihm nichts dazu sein.
Diese Leere kenne ich persönlich nur zu gut. Wenn irgendwie alles sinnlos erscheint und sich nichts wirklich lohnt, wie findet man dann seinen eigenen Weg? Wie findet man seine wirklichen Wünsche heraus? Und wenn man dann etwas gefunden hat, was seinem wahren Wesen entspricht, wie findet man dann, bei schwierigen Wünschen und Entscheidungen, den Willen, die Durchsetzungskraft und den Mut, sich an die Umsetzung zu machen?

Filme und Bücher über, aber auch persönliche Erfahrungen mit dem Tod lassen uns wieder über diese Fragen und unser Leben nachdenken. So schnell kann es stark eingeschränkt oder komplett vorbei sein. Dann hätten wir nicht mehr die Zeit und/oder die Kraft, unsere Wünsche und Träume zu verwirklichen.
Wir leben aber auch in dem wunderbaren Trugschluss, dass unser Tod noch sehr weit entfernt ist. Wir kennen nicht das Datum, an dem wir diese Welt verlassen werden. Zwar kann das schon morgen sein, aber wir wiegen uns in der Sicherheit, ja noch sooo viel Zeit zu haben. Diese falsche Sicherheit macht uns träge und lässt uns unsere Wünsche und Träume auf später verschieben. Einen vermeintlich günstigeren Zeitpunkt mit mehr Geld, mehr Kraft, mehr Zeit oder einfach günstigeren Umständen.
Warum sind wir so naiv? Warum tun wir nicht heute schon unser Menschenmöglichstes, unser Leben so zu gestalten, wie wir es uns wünschen? Wieso verplempern wir unsere kostbare Zeit mit Arbeit, die keinen wirklichen Sinn hat und sogenannte „Freizeit“, die aus ebenso sinnlosem Geldausgaben und Konsum besteht?

Ich weiß es nicht…

14 Kommentare

  1. Die ständige Glücksoptimierung und die vielen Wahlmöglichkeiten heute sind auch nur Stress. Hab gelesen: „Wir brauchen Resonanz.“ Dinge tun, die Sinn machen. Seit ich das mache, geht’s richtig gut. Einen kleinen, schönen Tag leben und dann noch einen. Irgendwann hat man nur noch schöne Tage. Vielleicht müssen sich gar nicht große Dinge verändern. War übrigens ein Supertipp mit dem Minibackofen. Genieße den so! Am Toplader arbeite ich noch.

    • Ich denke auch, dass das Glück in den kleinen Schritten liegt. Aber manchmal kommt man um einen Großen wohl nicht herum…

  2. Hallihallo,

    die Frage nach mehr (oder anderem?) Glück stellt sich meines Erachtens nur dann, wenn man nicht zufrieden mit dem Status Quo ist.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Genau das ist es ja. Sind wir jemals mit dem aktuelle Stand zufrieden? Wenn ja, warum rennen dann alle dem „Wachstum“ hinterher?

  3. sandra sagt

    „Warum sind wir so naiv? Warum tun wir nicht heute schon unser Menschenmöglichstes, unser Leben so zu gestalten, wie wir es uns wünschen?“ Weil wir die Fragen nicht ernst genug nehmen. Der Tod scheint noch so weit weg zu sein, wir sind noch so jung und das Leben ist doch so schön. Wer beschäftigt sich schon gerne mit Fragen, die ängstlich und traurig machen?

    • Aber ist es nicht essenziell, sich von Zeit zu Zeit diese Fragen zu stellen? Wenn wir nur mit Scheuklappen durch das Leben laufen und uns nicht auch mal diesen Fragen zuwenden, kann es irgendwann zu spät dafür sein…

  4. Würde ich nur noch einen Tag leben, ich wüsste auch nicht, was ich machen würde. Es gibt zu viele Leute, die ich nochmals sehen wollte und auch Sachen dich ich gerne einmal machen würde, die nicht an einem Tag zu schaffen sind.

    Aber als Gedankenspiel ist dies eine gute Frage. Man kann ja danach die Frage ändern: was, wenn ich nur noch einen Monat / ein Jahr zu leben habe. Nicht dass ich bisher einfach in den Tag hinein gelebt hätte oder mir nicht immer wieder die Frage stellen würde, was ist mir wichtig im Leben. Aber nur noch einen Tag schränkt dann sehr ein.

    • Ich denke auch, dass niemand nur noch einen Tag zu leben hat. Entweder man wird sofort aus dem Leben gerissen (Unfall) oder man hat noch ein paar Monate oder Jahre. Aber genau hier liegt das Problem. Oft sind wir dann mit anderen Dingen beschäftigt: Therapien, Krankenhausaufenthalte und ähnliches. Vermutlich wird man dann auch nicht mehr dazu kommen, seinen Wünschen nachzugehen. Deswegen funktioniert dieses Gedankenspiel nicht wirklich. Aber genau das macht mir auch Angst, weil ich dann nämlich im Zugzwang bin, jetzt aktiv zu werden. Denn wenn ich mit meinem Tod konfrontiert werde, ist es vermutlich schon zu spät…

  5. Liv sagt

    Spannender Beitrag! Regt mich sehr zum Nachdenken an. Ich persönlich empfinde es als extrem schwierig, dem äusseren Einfluss (Freunde, Familie, „Gesellschaft“…) zu entgehen, bzw. mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Erstens, wenn es darum geht, die essenziellen Fragen zu beantworten (Will ich jetzt ein Kind, weil ich es will? Oder aber weil alle um mich herum Kinder kriegen und meine Mutter ständig danach fragt?). Und zweitens, wenn ich mich daran mache, meine Antworten in die Tat umzusetzen (Ich entscheide mich, auszuwandern, knicke aber bei negativen Reaktionen wieder ein und hinterfrage meinen Entscheid). Ich frag mich manchmal, ob ich zu wenig Rückgrat habe oder ob das jedem so verdammt schwer fällt.

    • Zum ersten Punkt kann ich nur sagen, dass man die Courage braucht, sein eigenes Ding durchzuziehen. Es ist zwar schön, wenn andere Menschen uns Ratschläge geben oder uns anderweitig versuchen zu beeinflussen, aber am Ende müssen wir entscheiden und hinter unseren Entscheidungen stehen. Wir können nicht nur die Erwartungen andere Menschen erfüllen.
      Deinen zweiten Punkt verstehe ich sehr gut. Vor allem, weil ich aktuell noch selbst dran scheitere. Ich versuche alles mögliche, aber bisher ohne Erfolg. Mal sehen, ob ich das noch irgendwie hinbekomme…

  6. Mir ist so nach und nach klar geworden, dass es für mich wichtig ist, JETZT zu leben. Nicht drauf warten, hoffen, dass IRGENDWANN mal irgendwas besser ist, wird, werden soll. Natürlich habe ich Wünsche, Träume, Ziele für meine Zukunft. Weder will ich diese übergehen, übersehen, schon gar nicht für unnütz erklären. Aber ich merke, dass ich mich dann gut fühle, wenn ich auf die vielen kleinen winzigen täglichen Dinge achte. Auch das ist für mich Minimalismus. Meinen ersten Morgenkaffee zelebriere ich beispielsweise regelrecht und genieße das. Und allen meinen Pollenallergien zum Trotz finde ich es derzeit klasse, wie die Natur so langsam wieder blüht. Und dann die kleinen Begegnungen, Erlebnisse, Freundlichkeiten – manchmal ist es gar nicht viel, aber es ist einfach schön.

  7. Hallo ihr alle, hallo Daniel,

    wie auch schon manche Vorredner gesagt haben: die Wahrnehmung und Wertschätzung der kurzen und kleinen Momente ist ein Weg zu einem erfüllteren Lebensgefühl. Sie sind der Schlüssel, denke ich, denn ist unser Leben nicht genau das? Eine Aneinanderreihung kurzer Momente? Je mehr wir von diesen gleichmütig oder gar bereichernd, lehrreich, dankbar, fasziniert, in Ruhe verbringen können, desto erfüllter kann unser Leben sein.

    Danke für eure Beiträge und deinen Artikel Daniel – eine Erinnerung wie diese könnte man mindestens einmal pro Woche gebrauchen!

    Gruß
    Frank

  8. Tiffany sagt

    Ich kann nur sagen, es ist total anstrengend sich mit sowas auseinanderzusetzen…. Aber ich komme überhaupt nicht drumrum, seit ich mich mit Minimalismus auseinandersetze.
    Klar ist es wertvoll, sich eine gewisse Wertschätzung gegenüber den kleinen Dingen anzueignen, aber wie für Daniel ist die Frage nach dem Tod und der Handhabung des eigenen Lebens mit Hinsicht auf eben jenen für mich essentiell. Schwierig aber nötig.

    • Wenn man sich mit diesen Themen nicht beschäftigt, dann stellt man vielleicht viel zu spät fest, dass man sein Leben gerne anders gelebt hätte. Und ich denke, dass diese Erkenntnis dann noch viel schlimmer ist, als sich zwischendurch mal ein paar Gedanken zu machen, die ein bisschen weh tun, aber für das eigene Leben essentiell sind. Aber dazu werde ich in den nächsten Tagen nochmal was schreiben… 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.