Minimalismus
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Richtig ausmisten – Wie geht das eigentlich?

by Adriano Makoto Suzuki / flickr.com

Auf dem Minimalismus-Stammtisch letzten Samstag in Essen wurde ich gefragt, wie man denn am Besten mit dem Ausmisten anfangen kann. Und da ich grade selbst mal wieder ein Ausmistwelle erlebe, möchte ich mein Vorgehen in diesem Artikel so kurz wie möglich zusammenfassen.

Bei mir fängt es meist mit einem leichten Unwohlsein an. Wenn mir etwas zu viel wird, merke ich es mittlerweile ziemlich schnell. Und auch wenn ich mich seit Jahren mit dem Minimalismus beschäftige, heißt das nicht, dass sich bei mir nie Dinge ansammeln, die nicht mehr benötigt werden. So haben sich über die letzten Jahre hinweg wieder ein paar Dinge angesammelt, die weg können: Ein paar Bücher, Videospiele, Kleinkram aus meiner „Schrömmelschublade“ und meinem kleinen Vorratsschränkchen und so weiter…

Woher weiß ich, welche Dinge weg können?

Nun, es sind meist die Gegenstände, welche ich nicht regelmäßig benutze, die mir keine Freude mehr bereiten oder mir in irgendeiner anderen Hinsicht wichtig sind. Also kommt alles, was nicht in diese Kategorien passt weg!

Ein kleiner Merksatz nach dem ich mich gerade bei Medien immer wieder gerne richte:

„Alles, was ich für weniger als 10€ innerhalb einer Woche wieder bekommen kann, brauche ich nicht besitzen!“

Nur wohin mit all dem Zeug?

Nachdem ich entschieden habe, welche Dinge weg können, stelle ich mir die Frage, ob jemand den Gegenstand noch weiter benutzen könnte. Müll kommt sofort in die Tonne! Alles andere wird in zwei Kategorien eingeteilt: verschenken oder verkaufen?!

Zeit oder Geld?

Nun stellt stellt sich aber die Frage, was verschenkt und was verkauft werden soll. Hier kommt es auf die persönliche Vorliebe und verfügbare Zeit an.

Als Faustregel kann man sagen: Je schneller ich das Zeug loshaben will, desto weniger Geld bekomme ich dafür. Auf der anderen Seite gilt: Je mehr Zeit ich habe und in das alte Zeug investieren will, desto mehr Geld kann ich noch rausholen.

Ein Beispiel

Spende ich alles an ein Sozialkaufhaus, bekomme ich nichts dafür, bin das Zeug aber ohne großen Aufwand los.

Wenn ich Zeit und Muße habe, könnte ich auch versuchen, die alten Sachen via Kleinanzeigen, Internetauktionen wie eBay oder Reseller zu verkaufen. Das bringt schon mehr Geld, bei einem höheren Zeitaufwand, zumal man ja oft noch alles noch verpacken und verschicken muss.

Ich kann aber auch versuchen, jedes Teil einzeln zu einem Sofortkaufpreis beim Internetauktionshaus eBay oder via Amazon, diversen Nischenseiten (z.B. Booklooker für Bücher) oder Facebook-Gruppen zu verkaufen. Das kann schon mal Wochen bis Monate dauern, bis die Sachen, wenn überhaupt, verkauft werden. Dafür bringt es am meisten Geld ein.

Was ist empfehlenswert?

Nun… Ich nutze eigentlich alle diese Strategien:

  • Müll kommt direkt in die Tonne!
  • Alles, was dafür zu schade ist, schätze ich vom Wert her ein. Dies geht ziemlich gut über die erweiterte Suche bei eBay, über die man sich die verkaufen Artikel anzeigen lassen kann. Dazu einfach einen Haken bei „Verkaufte Artikel“ setzen. So kann man schnell einschätzen, ob und welchen Wert eine Sache hat. Hier eine Beispielsuche.
  • Lohnt sich der Aufwand nicht, werden diese Sachen an ein Sozialkaufhaus, Kost-Nix-Läden, Bücherschränke oder auf anderen Wegen verschenkt bzw. gespendet. Alternativ setze ich bei eBay-Kleinanzeigen eine Anzeige mit dem zu verschenkenden Zeug auf und lasse es so abholen.
  • Ist eine Sache aber noch ein bisschen was Wert, stelle ich sie bei eBay mit dem billigsten Sofort-Kauf-Preis (einfach wieder nach einer Suche nach dem Angebotsformat „Sofort-Kauf“ und den „Niedrigsten Preis inkl. Versand sortieren) und der Möglichkeit eines Preisvorschlags für einen Zeitraum von 30 Tagen ein. Es empfiehlt sich hier jedoch einmal in der Woche nachzuschauen, ob der gewählte Preis weiterhin der günstigste ist oder angepasste werden muss. Ein Sofort-Kauf-Preis ist aber fast immer höher, als der zu erwartende Erlös einer Auktion. Vieles wird sich so zu einem guten Preis verkaufen lassen.
  • Sollte dies nicht der Fall sein, kann ich mit wenigen Klicks aus dem Sofort-Kauf-Angebot eine Auktion machen. So wird auch der letzte Rest meist noch, wenn auch für wenig Geld verkauft. Und wenn nicht, wird das Zeug ohne zu zögern verschenkt bzw. gespendet!

Den häufigsten Denkfehler vermeiden

Mit dieser zugegeben sehr langatmigen und zeitintensiven Strategie fahre ich ganz gut. Allerdings fühlt es sich auch nicht immer ganz so toll an. Denn das wird oft durch den Besitztums-Effekt (auch Endowment-Effect genannt) vereitelt. Dieser besagt, dass wir oft den Dingen die wir besitzen, einen höheren Wert zuschreiben, als diese wirklich haben.

Es kann schon schmerzhaft sein, ein Buch, welches ich für 15€ gekauft habe, für nur noch 2€ wieder zu verkaufen. Das ist auch oft der Grund, warum wir unser altes Zeug nur so schwer loslassen können. Für uns ist der Wert viel höher, als er wirklich ist. Aber die Alternative, mit dem Zeug die eigene Wohnung und den Keller zu vermüllen, ist wohl auch keine Gute.

Solltest Du zu den Menschen gehören, die gerne in diese psychologische Falle tappen, dann empfehle ich dir, dein Zeug einfach zu verschenken oder als einfache Auktion zu verkaufen. Mache nicht den Fehler und ermittle den Wert dieser Sachen. Freue dich lieber über jeden Euro der reinkommt, als dich zu ärgern, wie viel Geld durch die Nutzung und die Zeit „verbrannt“ wurde. Kaufe in Zukunft vielleicht lieber gebrauchte Gegenstände, die wesentlich billiger sind oder versuche dir Sachen zu leihen oder zu tauschen. Damit schwächt man den Besitztums-Effekt ab.

Weitere Empfehlung

Neben den weiterführenden Links im obigen Text kann ich dir noch unseren Minimalismus-Podcast empfehlen. Dort spreche ich regelmäßig mit Michael über alle Themen rund um den Minimalismus. Zum Thema passen vor allem diese Folgen:

Und wenn du mal mit Anderen live über das Thema Minimalismus, Ausmisten oder ein einfaches Leben sprechen magst, kann ich dir die deutschlandweiten Stammtische empfehlen. Dort lernt man nette Menschen kennen und auch erfahrene Minimalisten bekommen dort immer wieder neue Anregungen.

Was sind deine Erfahrungen mit dem Ausmisten? Wie gehst du vor? Was fällt dir besonders leicht? Was bereitet dir Schwierigkeiten? Und kennst du vielleicht noch weitere Wege, sein Zeug loszuwerden? Schreib mir dazu doch einen Kommentar!

3 Kommentare

  1. sperrmüll bestellen als anreiz. hilft mir immer. ich bin auch wieder dran seit ich den termin weiss. seitdem ist die tonne mir. sachen im haus verschenken. die leute freuen sich. stühle und teller. nutze die grossen teller vom neuen service sowieso nicht. nenne es lieber optimierung. weil minimierung geht schon nicht mehr. wenn es noch sinn machen soll. ebay kleinanzeigen und bei facebook teilen. ging bei mir am schnellsten für sperriges.

    lg tanja

    • Ich habe in meinem Leben noch nie Spermüll bestellen müssen. Einfach, weil ich nichts so großes besitze.
      Zudem schmeiße ich ungerne Dinge weg, die noch Wert haben. Deswegen verschenken oder halt verkaufen…

  2. Evelyne sagt

    Hallo, mein Neffe hat die meisten meiner Bücher gutgehend verkauft. Teilweise verschenke ich Neuwertiges, aber einiges Verbliebene, das veraltet ist und keinen antiquarischen Wert besitzt, werde ich aus Platzgründen entsorgen. Nur muss mir mein Neffe zuerst den Weg durch das unheimliche Labyrinth des Hochhaus-Kellers zeigen. Ich finde sein Abteil nicht. Das ist wirklich zum Lachen: Ich will ausmisten, finde aber den Krempel nicht! LG Evelyne

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